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Violine mit Noten © Hye Min Lee

© Hye Min Lee

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Fachkräftemangel an Musikschulen

Untertitel
Alarmierende Studie MiKADO-Musik des Deutschen Musikrats
Vorspann / Teaser

Der Deutsche Musikrat hat gemein­sam mit der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen in der Hochschulrektorenkonferenz und de­ren Ausschuss künstlerisch-pädago­gischer Studiengänge sowie dem Ver­band deutscher Musikschulen eine Studie zum Thema „Mangel an Nach­wuchs im Künstlerisch-Pädagogischen Bereich an Ausbildungsinstituten in Deutschland und Österreich“ durch­geführt. Diese wurde am 25. Novem­ber unter dem Titel „MiKADO-Musik“ vorgestellt.

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Die Studie brachte alarmierende Er­kenntnisse ans Licht: So gehen in den nächsten zehn Jahren einer aktuellen Hochrechnung zufolge etwa 14.700 Mu­sikschullehrkräfte in den Ruhestand, während in der gleichen Zeit nur etwa 4.000 Studierende ein Studium der In­strumental-, Vokal- oder Elementaren Musikpädagogik abschließen werden. Das hätte zur Folge, dass im Jahr 2035 etwa 75 Prozent der freien Stellen an Musikschulen nicht mehr mit entspre­chend ausgebildeten Lehrkräften be­setzt werden könnten. Es wurde zu­dem anhand der Daten zur Nachfrage nach Musikschulunterricht errechnet, dass somit mindestens 500.000 poten­zielle Musikschüler:innen keinen Un­terricht an Musikschulen mehr bekom­men könnten. 

Demzufolge haben die an der Studie beteiligten Institutionen mehrere kul­turpolitische Forderungen aufgestellt. Dabei wird insbesondere auf drei Säu­len gesetzt: Ausbildung, Weiterbildung und Verbesserung der Arbeitsbedin­gungen. 

So soll bereits vor dem Studium angesetzt werden, indem geeignete Schüler:innen durch Praktikums- und Mentoringprogramme an den Beruf der Musikschullehrkraft herangeführt wer­den. Zudem soll die studienvorberei­tende Ausbildung an den Musikschulen für potenzielle Musikstudierende aus­geweitet werden. Um den dadurch ge­wonnenen Nachwuchs überhaupt auf das Berufsleben vorbereiten zu kön­nen, müssten zudem mehr praxisori­entierte Studienplätze in musikpädago­gischen Studiengängen angeboten wer­den. Dafür sei zunächst eine deutliche Verbesserung der personellen Lage sowie der Ausstattung an den Musik­hochschulen notwendig. Ein weiterer Ansatz, um dem schwindenden Nach­wuchs zu begegnen, ist die Öffnung des Musikschullebens in Hinblick auf den Instrumente- und Ensemblekanon vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Vielfalt. In dieser Hinsicht besteht 2026 mit dem Akkordeon als Instrument des Jahres besonderes Potenzial. 

Auch die Schnittstelle zwischen Mu­sikschulen und Musikhochschulen müsse durch die Förderung regionaler Kooperationen ausgebaut werden. 

Auf der anderen Seite stehen die An­reize direkt im musikschulischen Be­rufsleben. Attraktive Arbeitsbedingun­gen sind eine elementare Grundvoraus­setzung für die Nachwuchsgewinnung. Um diese flächendeckend zu errei­chen, ist es notwendig, Budgets für die Umsetzung sowie für bedarfsabhän­gige Lohnzuschüsse in strukturschwa­chen Regionen anzupassen. Als drit­tes Standbein des notwendigen kultur­politischen Eingreifens wird auf För­derprogramme zur Weiterqualifizierung von Musikschullehrkräften gesetzt, die neue Karrierepfade und Perspektiven eröffnen sollen. 

Prof. Michael Dartsch, Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Saar und Teil der Steuerungs­gruppe der Studie MiKADO-Musik, gab in einem Interview mit dem Saarlän­dischen Rundfunk im Zusammenhang mit der Vorstellung der Studie tiefere Einblicke in die notwendigen Verbes­serungen: So sei neben schlechten Ar­beitsbedingungen, niedriger Bezahlung und wenigen Aufstiegschancen eine zentrale Ursache des Nachwuchspro­blems auch das Klima an Musikschu­len und Musikhochschulen. Dort werde oftmals der künstlerische Aspekt hö­her gewichtet als der pädagogische. Es werde deshalb auch darauf hingearbei­tet, neben des Angebots von originär künstlerisch-pädagogischen Studien­gängen auch das Wählen eines künstle­risch-pädagogischen Profils in anderen Studiengängen wie etwa dem Orchestermusikstudium sowie an möglichst vielen Musikhochschulen ein Doppel­studium von künstlerischem und künst­lerisch-pädagogischem Studiengang zu ermöglichen. 

Prof. Lydia Grün, Vorsitzende des Deutschen Musikrats, Prof. Christian Fischer, Vorsitzender der Rekto­renkonferenz der deutschen Musik­hochschulen sowie Friedrich-Koh Dolge, Bundesvorsitzender des Ver­bands deutscher Musikschulen, be­tonen geschlossen die Wichtigkeit der musikalischen Ausbildung für das kulturelle Leben in Deutschland und die Dramatik der Lage. Sie un­terstreichen zudem, dass politische Entscheidungsträger:innen und Aus­bildungsinstitutionen jetzt gemeinsam strukturiert und abgestimmt Verbes­serungen in den drei genannten Be­reichen angehen sollten, um die Ba­sis für die Zukunft des Musiklands Deutschland zu erhalten. 

Die Dringlichkeit eines kulturpoli­tischen Eingreifens in die aktuelle Ent­wicklung wird dadurch unterstrichen, dass der Musikunterricht an allgemein­bildenden Schulen nicht nur an Stel­lenwert verliert, sondern auch quanti­tativ stark eingeschränkt wird. Dieser Fehlentwicklung kann zukünftig nicht mehr hinreichend durch Musikschul­projekte entgegengewirkt werden, zu­mal sich die Gegebenheiten für die Mu­sikschulen – insbesondere durch den Nachwuchsmangel – ebenso drastisch verschlechtern. 

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