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Eric Satie. Zeichnung: © E.L.

Er verschwindet hinter seinem Monokel: Eric Satie. Zeichnung: © E.L.

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„SATIE – seit 100 Jahren höchst lebendig“

Untertitel
Ein außergewöhnliches Satie-Ereignis zu dessen hundertstem Todestag im Jahr 2025
Vorspann / Teaser

Für eines der „Lunch-Konzerte für zeitgenössische Musik“, einer äußerst verdienstvollen und interessanten Konzertreihe in der Kölner Kirche St. Peter, hat der Komponist und Pianist Martin Lennartz gemeinsam mit Da­niela Werth ein kluges und kenntnis­reiches Programm zusammengestellt und eindrucksvoll dargeboten, das dem 100. Todestag von Erik Satie gewidmet war. Der Organisator Michael Veltman wies auf Saties Vorbildfunktion für die „Moderne“, insbesondere auf John Cage, hin, denn ein 1925 gestorbener Komponist scheint zunächst einmal als Vertreter zeitgenössischer Musik kei­ne Geltung beanspruchen zu dürfen.

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Erik Satie wurde hier eine Darstellung zuteil, die nicht nur dem rein Kompo­sitorischen die gebührende Beachtung schenkte, sondern die den geistigen und sozialen Hintergrund von Satie herausarbeitete. Letzteres in den von Daniela Werth klug ausgewählten und ansprechend vorgetragenen Textaus­zügen aus Stéphanie Kalfons Roman „Die Regenschirme des Erik Satie“. 

Die sich vor 100 Jahren rasant ent­wickelt habenden Neuerungen in den Bereichen Musik, Technik, Psycholo­gie, Mode, Architektur und der Fort­schrittsglaube der Zeitgenossen Sa­ties lassen uns die zuweilen skurril er­scheinende Person Saties als ein Pro­dukt dieser Umwälzungen verstehen. Saties konsequente Folgerung aus der gewohnten ironischen Distanz: „etwas bleibt dennoch, nämlich: dass wir alle sterben müssen, aber das ist eine an­dere Sache!“. 

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Martin Lennartz und Daniela Werth. Foto: © Matthias Heidweiler

Martin Lennartz und Daniela Werth. Foto: © Matthias Heidweiler

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Zum Verständnis Saties als Ironiker trug ein Textauszug von Dieter Schne­bel erheblich bei. Überleben gelänge nur aus und mit Distanz, in einem sich Absetzen von der absurden Oberfläch­lichkeit des modernen Lebens. 

Dass der famose Pianist, Komponist und Experte für Musik des 20. Jahr­hunderts Martin Lennartz diesen hin­tergründigen Kosmos Saties mehr als verinnerlicht hat, bewies seine Dar­stellung mehrerer Klavierwerke Saties. Lennartz ist ein Pianist, der zum Hören erzieht. Den wunderbaren Raum der ro­manischen Kirche St. Peter vermag er ausgezeichnet zu nutzen. Er lässt sich und der Musik Zeit, wodurch die raffi­nierte Pedalisierung nie zu einem ver­schwommenen Klangbild führt. Die un­gewöhnliche Harmonik, die zuweilen arglos scheinende Rhythmik und das Nebeneinander von ostinaten Figuren und ariosen Melodielinien erklingen stets transparent und luftig, so etwa in den drei Stücken aus „Avant-dernières Pensées“ von 1915. Von starken Gegen­sätzen dynamischer und motivischer Art ist sowohl die eingangs vorgetra­gene „Sarabande“ (1887) als auch das „Menuet“ (1920) geprägt. Beim Vortrag der „Sports et Divertissements“ (1914), von Dieter Schnebel aufgrund des Zu­sammenspiels von Musik, Malerei und Text als erste multimediale Kompositi­on bezeichnet, konzentrierte sich Lennartz ganz auf den kompositorischen Aspekt, um die rein auditive Wirkung zu steigern. Sehr anregend war dabei, dass er diese Stücke mit den etwa 20 Jahre vorher entstandenen „Danses Gothiques“ mischte. Diese Mixtur er­wies sich als sehr gelungen. 

Erik Satie, dem Mann im Abseits, der aus der Distanz lacht, dem Inbegriff des Skurrilen, des Ironischen, des Ab­surden und des Unsinns, wurde in die­ser Stunde eine mehr als angemessene Huldigung zu seinem hundertsten To­destag durch Martin Lennartz und Da­niela Werth zuteil. 

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