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Eine dunkle, aber hell erleuchtete Bühne mit einem Orchester aus zahlreichen jungen Musiker*innen.

Jugendbegegnung – dieses Mal war ein anderes Bundesland ein super Reiseziel: JSO Schwerin und JKO Bremen gemeinsam, hier mit Dirigent Martin Lentz.

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Schwerin.Bremen.Hollywood!

Untertitel
Projekt-Premiere für das „North German Youth Symphony for Motion Picture“ in Bremen
Vorspann / Teaser

Das Schweriner Jugendsinfonieorchester (JSO Schwerin) reiste am 17. Mai nach Bremen, um gemeinsam mit dem Jungen Kammerorchester der Musikschule Bremen (JKO Bremen) ein Konzertprojekt voranzubringen, für welches beide Klangkörper sich in den letzten Monaten intensiv vorbereitet hatten. Nach probenreichen Tagen versammelten sich am Abend des 20. Mai endlich alle 80 Spieler*innen auf der Bühne des Metropol-Theaters der Hansestadt. Auf dem Programm standen – wie der Titel vermuten lässt – hauptsächlich Filmmusiken. Die jungen Musiker*innen präsentierten abe

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Dass die Energie auf der Bühne nur so sprühte, war das Ergebnis einer wunderbaren Zusammenarbeit: Denn auch hinter dem Vorhang funkte es zwischen den Jugendlichen, sodass sich die Musi­ker*innen nach nur einem gemeinsamen Arbeitstag als ein großes Orchester fühlten und nicht mehr als aus zwei verschiedenen Städten zusammengewürfelte Jugendliche, die jemand zufällig nebeneinander gesetzt hat. Die große Kontaktfreudigkeit und Begeisterung war dabei auch den Jugendlichen selbst geschuldet, die die ursprüngliche Idee für das Projekt hatten.
Bei einem Treffen der Jeunesses Musicales Botschafter*innen in Weikersheim hatten sich Mitglieder der beiden Orchester erstmals kennengelernt und miteinander musiziert. Schon dort war die Begeisterung für das gemeinsame Spielen so groß, dass nur wenig später die Idee entstand, dass sich die beiden Orchester in voller Größe treffen sollten. Auch der Deutsche Jugendorchesterpreis, bei dem beide Orchester mit großem Engagement teilgenommen hatten, hatte die Lust auf Mehr geweckt. Dieser Gedanke zu einem gemeinsamen Projekt traf sowohl in den jeweiligen Orchestern als auch bei den musikalischen Leitern Martin Lentz (JKO Bremen) und Stefan Kelber (JSO Schwerin) auf große Zustimmung und Begeisterung, auch wenn es zunächst noch keine Vorstellung gab, wie dieses aussehen könnte.

Während sich die beiden Dirigenten über die Werke austauschten und diese mit ihren Orchestern zunächst getrennt vorbereiteten, begannen die Orchestervorstände, die aus den Jugendlichen der Orchester bestehen, sich Programmpunkte jenseits der Proben zu überlegen. Die Stimmführer der Streicher berieten zudem vorab online über die Strich-Fragen, damit bei den gemeinsamen Proben alle gut vorbereitet loslegen konnten. Neben den musikalischen Proben sollte das Projekt ja auch eine gehörige Portion Spaß bringen, die Orchester näher zusammenbringen und die Gemeinschaft stärken. Neben den obligatorischen Kennenlernspielen wurde eine Stadtralley vorbereitet, eine Bootstour auf der Weser ge­plant, ein gemeinsamer Grill-Abend im Garten des Dirigenten vorbereitet…

Als wäre dies alles nicht schon genug für ein gemeinsames Orchester-Wochenende, fand gleich am ersten Tag der Begegnung auch noch im Übersee-Museum Bremen eine Aufführung von „House full of Music“ statt. Kein geringerer als John Cage hatte das Konzept zur Uraufführung 1982 für die Musikschule Bremen und Radio Bremen erarbeitet – nun fand eine Wiederaufführung in den Räumen der Uraufführung zum 75. Geburtstag der Musikschule Bremen statt: An 17 Stationen rund um den Lichthof des Museums wurden von fast 300 Musiker*innen verschiedenste Werke gespielt, auf die Sekunde genau nach einem strengen Zeitplan, den Martin Lentz und Philipp Schäffler (Jena) nach Angaben von Hans Otte, dem damaligen Auftraggeber an Cage, ausgewürfelt hatten. Der Zufall entschied also über Durcheinander, Übergänge und Stille – ein wahrer Musikzirkus. Fast 1.000 Zuhörer*innen erlebten das Spektakel. Direkt nach dem Konzert waren alle Mitwirkenden zu einer dreistündigen Weser-Bootsfahrt in den Sonnenuntergang eingeladen.

Dieser ereignisreiche erste Tag war ein perfekter Start für die beiden Jugendorchester aus Schwerin und Bremen – und so kamen die Jugendlichen am nächsten Morgen gut gelaunt aus den Gastfamilien zu den Filmmusik-Proben in die Musikschule. Die Zusammenarbeit klappte hervorragend, auch, weil die Ensembles schon aufeinander eingestellt waren. Die Dirigenten hatten bereits Wochen vorher die Werke untereinander aufgeteilt und das jeweils andere Orchester zu einer Probe besucht: Praktisch, dass der reguläre Probentag beider Ensembles der Mittwoch ist – so mussten nur die Dirigenten einfach den Arbeitsplatz Schwerin – Bremen wechseln. Das Ergebnis war ein gefeiertes Konzert im Metropol Theater Bremen, in dem neben Klassikern wie „Fluch der Karibik“, „Lord of the Rings“ und „Star Wars Main Theme“ auch weniger häufig gespielte Titel wie Musik zu „Cinema Paradiso“, „Godfather“ und „How to Train Your Dragon“ zu hören waren. Die „Wiederauferstehung“, ein Werk der jungen Bremer Komponistin Leonie Pohl, in dem sie ihre persönliche Überwindung der Corona-Zeit musikalisch verarbeitet und für das sie 2023 beim Bundeswettbewerb Jugend komponiert der JMD ausgezeichnet wurde, und „Daydreaming“ von Georg Blendermann, dem Konzertmeister des JKO Bremen, verliehen dem Konzert eine ganz besondere Atmosphäre.

So schwer der Abschied nach dem vielen gemeinsam erlebten Aktionen und Projekten bei der Abreise auch war, so sehr freuen sich die jungen Musiker*innen bereits auf den Gegenbesuch des JKO Bremen in Schwerin im nächsten Jahr und auf weitere Projekte, bei denen sie zusammen auf der Bühne stehen können, denn nach einem so erfolgreichen Wochenende sind wir motivierter denn je und hoffen auf eine lang andauernde Zusammenarbeit und viele neue Gelegenheiten, uns wiederzusehen.

Besonderer Dank gilt neben den beiden Dirigenten auch der Leitung des Metropol Theaters Bremen (Jörn Meyer) und der Karin und Uwe Hollweg Stiftung für die Unterstützung!

Autorinnen des Artikels sind Friederike (18 Jahre, Schwerin) & Lina (16 Jahre, Bremen), beide JM Botschafter*innen in ihren Orchestern

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