AUS DEM MASCHINENRAUM an Bord der MS Heimatland aka Galerie Hošek Contemporary zeigt die Vielfalt und überraschende Musikalität der Sounds unterschiedlicher Motoren‑„Charaktere“, erweitert mit Gesprächsfetzen aus Interviews mit Spezialisten und Fahrzeug-Liebhabern und offenbart ein bis ins Persönliche gehendes Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Kombiniert mit Video und Live-Projektionen vereint sich der Abend nach und nach zu einem Abgesang auf den Verbrennungsmotor.
Aus dem Maschinenraum ist eine immersive Konzertinstallation entwickelt aus der intensiven Recherche und der Auseinandersetzung mit den Klangeigenschaften des Verbrennungsmotors.
Sounds von historischen LKW-Motoren, eines Rhein-Schiffsmotors, von Dieselloks bis hin zu Lamborghini und Trabbi werden kombiniert mit Live Elektronik, Cello und Bassklarinette, Videozuspiel, Live-Overhead-Projektionen.
21. 09. 2025: 19.00 Uhr
Galerie Hošek Contemporary, Märkisches Ufer 1z, 10179 Berlin
- mit: Ulrike Ruf | Konzept, Komposition, Cello / Heidrun Schramm | Komposition, Live-Elektronik / Florian Bergmann | Bassklarinette /Nicolas Wiese | Video, Live-Overhead-Projektionen / Carlo Grippa | Sound / Fabian Bleisch | Licht
Sieg der Natur? Vier Kompositionen mit Motorengeräuschen und Froschlauten
In der Galerie Hošek Contemporary im historischen Binnenschiff MS Heimatland verankert an der Fischerinsel in Berlin Mitte tönen schon viele Jahre keine Motoren mehr. Doch wenn das Publikum den Raum betritt, der mit Abgasschwaden vernebelt zu sein scheint, springen die Diesel wieder an für die Komposition „Aus dem Maschinenraum“ aus unbearbeiteten Field Recordings zu Projektionen von collagierten Motorenbewegungen.
Die unfreiwillig komische Sprachkollage „…ganz böses Teil“ bestehend aus Interviews mit Fachleuten und Nerds lässt Gesprächsfetzen über Eigenheiten und Befindlichkeiten von Motoren mit ihren Klängen verschmelzen.
Cello und Bassklarinette treten mit dem Motoren-Live-Mix in einen Mensch-Maschine-Dialog, imitieren die Motorsounds täuschend echt, um sich dann wieder über sie zu erheben („Motor Interlude“) und in die Live-Soundcollage „Frosch Mix Augmented“ überzuleiten mit Video und Live-Overheadprojektion, die Motorengeräusche und Motoren-Bildstrukturen in eine surreale Verschmelzung mit Naturklängen und abstrakt-organischen Pflanzenformen bringt.
Die letzte Arbeit steht für die romantisierte Sehnsucht nach einem Sieg der Natur über die sie bedrohenden technischen Errungenschaften des Menschen, auch wenn das Quaken der Frösche ironischer Weise ähnlich durchdringend und knatternd tönen kann, wie die Geräusche eines Verbrennungsmotors. Es entsteht ein kritischer Blick auf einen Naturbegriff, der Rettung zu verheißen scheint: Die Menschheit legt ihre Hoffnung in das Pflanzen von Bäumen und in die Begrünung der Städte, aber mit einer Zunahme an Dürreperioden, Unwettern und Wirbelstürmen erlebt sie Natur bedrohlicher denn je.
- Das Konzert ist Teil des Monats der zeitgenössischen Musik Berlin
- Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt
- Ein Projekt von Ulrike Ruf
Ulrike Ruf arbeitet als Musikerin, Autorin und Regisseurin im Grenzbereich zwischen Musik, Performance und Theater. In ihren interdisziplinären Formaten verwebt sie Klang, Sprache, Video und Choreografie. Als Cellistin spielte sie im Konzerthausorchester Berlin, konzertierte auf Festivals wie MaerzMusik, dem Schleswig-Holstein-Musikfestival, dem Romaeuropa Festival und ist Teil der Berliner Echtzeitmusikszene. Prägend für ihren künstlerischen Werdegang war ihre Zeit als Musikerin und Performerin in Tanztheaterproduktionen an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und die Zusammenarbeit mit Tänzerinnen von Sasha Waltz & Guests und Laborgras. Ihre Stücke und Performances wurden u.a. im Radialsystem V, HAU2, Sophiensälen, im Haus des Rundfunks Berlin, in der Villa Elisabeth Berlin uraufgeführt. Sie arbeitete mit Ensembles wie Vocalconsort Berlin, Solistenensemble Kaleidoskop und mit Mitgliedern des Ensembles Mosaik, mit Komponist:innen wie Rama Gottfried und Iris ter Schiphorst und dem Choreografen Gabriel Galindez Cruz. Ihre Werke wurden u.a. im Rahmen der Klangwerkstatt gezeigt und im Deutschlandfunk Kultur gesendet.