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Alle Artikel kategorisiert unter »Samuel Chan«

Ansehnlich mit Fragenzeichen – Giuseppe Verdis „Otello“ an der Oper Kiel

03.05.22 (Arndt Voß) -
Gleich zweimal setzte sich das Theater Kiel mit Shakespeares Drama um den eifersüchtigen maurischen Feldherrn in Venedigs Diensten auseinander. Beides hatte im April Premiere, zu Monatsanfang als ein neues Ballett mit dem modischen Titel „Othello 2.0“, am 30., dem letzten Tag im April, dann Verdis „Otello“. Das Tanzstück fußt, wie aus der Schreibung ersichtlich, stärker auf Shakespeares Drama und muss sich erst beweisen. In der Oper dagegen hatten Arrigo Boito mit seinem geschickten Libretto und Giuseppe Verdi mit seinem dichten Klanggewand schon für überzeitliche Gültigkeit gesorgt.

Großes Theater in grauem Licht – Halévys „Die Jüdin“ in Kiel

30.03.22 (Arndt Voß) -
Kiels Theater ist groß darin, mit der Grand opéra Furore zu machen, mit jener historischen Opernform, die vor allem auf üppige Bühnenwirkung bedacht ist. Allerdings steht gerade sie in einer Zeit schmaler Etats unter Rechtfertigungsdruck. Dennoch kann sie auch unserer Zeit etwas sagen, wie das Theater in den letzten Spielzeiten mit Berlioz‘ „Trojanern“ bewies, mit Aubers „Stummer von Portici“, Rossinis „Tell“ und Meyerbeers „Hugenotten“. Das ist fürwahr eine gewichtige Erfolgsbilanz in diesem Genre. Sie wurde jetzt durch die „Die Jüdin“ erweitert, das Bühnenwerk von Jacques Fromental Halévy, das von seiner Uraufführung 1835 an durchgehend erfolgreich war, bis es 1933 jäh verschwand.

Paminas Traumspuk – eine etwas andere, umgewürzte „Zauberflöte“ am Theater Kiel

15.12.21 (Arndt Voß) -
Darf die überhaupt noch gespielt werden, die „Zauberflöte“? Dies wird gefühlt zumindest jährlich einmal bei Spielplangestaltungen an-, vielleicht aufgeregt diskutiert, bis wieder jemand schwach wird und sich an ihr versucht. Denn landauf und landab, landin und landaus zeigt man sie, neu oder gebraucht, in Braunschweig oder in Nürnberg für Jung & Alt, in Basel und St. Gallen, in Berlin im Planetarium, in New York im Kino oder gar im fernen Kambodscha. Jüngst gab es sie coronakonform in Bremen und ganz neu nun in Kiel, genau am 11. Dezember 2021, wo man den arg diskutierten Sonderlichkeiten der „Zauberflöte“ anders beikommen wollte.

Unverdauliche, doch poetische Genüsse eines Hypochonders – Kiel treibt sein Spiel mit Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“

21.09.21 (Arndt Voß) -
Sergej Prokofjew hat der Nachwelt „Die Liebe zu den drei Orangen“ hinterlassen. Was da vor fast genau 100 Jahren uraufgeführt wurde, ist ein Stück, das seine Komik daraus bezieht, dass es sich immer wieder selbst im Wege steht. Die Folge ist, dass es für sich keine Richtung finden kann. Soll es tragisch, komödiantisch oder lyrisch sein oder etwas nur für Hohlköpfe? Das wird im Prolog gefragt, dort nicht geklärt, später auch nicht.
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