Bach all’Italiano – Musikgeschichte wird lebendig

Simon Borutzki mit Bach-Bearbeitungen im Label Klanglogo


(nmz) -
Diese CD mit Konzerten von Johann Sebastian Bach, die dieser vorwiegend dem italienischen Meister Antonio Vivaldi entlehnt hat, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Was die Interpreten Simon Borutzki als Solist an den verschiedenen Blockflöten, Lea Rahel Bader (Violoncello), Magnus Andersson (Laute) und Clemens Flick (Cembalo und Orgel) in perfekter Klang- und Tondarstellung eingespielt haben, ist bewundernswert.
Ein Artikel von Adelheid Krause-Pichler

Die nahezu 70 Minuten mit fünf von Bach selbst arrangierten Konzerten, dazu sein Italienisches Konzert sowie eines von Alessandro Marcello und ein weiteres eines unbekannten Meisters verdeutlichen in der hier dargebotenen Interpretation die Sehnsucht Bachs nach der italienischen Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die er persönlich nie erlebt hat. Im gut recherchierten Text von Borutzki selbst und Ruprecht Langer „Über die Kunst, Musik zu entlehnen“ heißt es zu diesem Punkt: „ Joh. Seb. Bachs Leben bewegte sich zwischen Kirchen- und Hofmusik, ein modernes Leben als Kosmopolit blieb ihm verwehrt … Umso erstaunlicher also, wie sich Bach dem italienischen Stil durch Transkriptionen genähert hat und mit ihm letztlich verschmolzen ist. Das Faszinierende an diesen Arbeiten ist die Synthese einer jeweiligen italienischen Vorlage, die sich aus den musikalischen Gedanken Bachs ergibt. Bach und Vivaldi sind sich persönlich nie begegnet, und trotzdem wirken nach Bachs Zutun die nun entstandenen Werke wie eine Geistesverschmelzung…“ Wie intensiv sich die Musiker mit der historischen und musikwissenschaftlichen Basis auseinandergesetzt haben, zeigen nicht nur die erläuternden Texte sondern auch die gezielte Auswahl der Werke, deren Bearbeitung und passend wechselnde Besetzung. Hier wurde nicht an Aufwand und Mühe gespart: Der Cembalist Clemens Flick hat mit Feingefühl und Stilsicherheit für alle Concerti die Basso continuo- Partien bearbeitet und entsprechend obligat ausgesetzt.

Der Sound, der aus dieser Musik mit dem Solo-Instrument Blockflöte entsteht, ist nicht nur weich und satt, die Flöte virtuos und keck – tatsächlich fühlt sich der Hörer in die Atmosphäre „all’ italiano“ versetzt, getragen von den Harmonien Bachs.

Simon Borutzki studierte Blockflöte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main bei Prof. Michael Schneider und an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Christoph Huntgeburth. Parallel absolvierte er ein klassisches Gesangsstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Alter Musik, ihren Quellen und ihrem Instrumentarium ist Simon Borutzki ein gefragter Solist und Ensemblespieler. Sein Repertoire umfasst nahezu die gesamte Originalliteratur für Blockflöte. Darüber hinaus realisiert Borutzki regelmäßig Neuentdeckungen sowie Transkriptionen des 17. und 18. Jahrhunderts in eigenen Konzert- und CDKonzeptionen. Die unmittelbare Verknüpfung von Vokalem und Instrumentalem in der Musik des Barock ist für ihn der künstlerische Ansatz, dem er sich verpflichtet hat.

Die Neuerscheinung der CD „Bach all’Italiano“ verbindet lebendige Musikgeschichte mit guter interpretatorischer Gestaltung. Sie ist nicht nur für Blockflötenfans empfehlenswert.

(Bach all’Italiano. Simon Borutzki & Ensemble / Klanglogo KL1517 2016)

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