Böhmische Kammermusik

Vier Tschechen machen sich stark für Musik von Roland Leistner-Mayer


(nmz) -
Am 5. Oktober spielte das Sojka Quartett aus Pilsen in der Regensburger Weinschenkvilla die deutsche Erstaufführung von Roland Leistner-Mayers Streichquartett Nr. 7. Eine neue CD mit seinen Quartetten 5 bis 7 ist auch erschienen.
Ein Artikel von Burkhard Schäfer

Seit seinem 40. Lebensjahr ist er als Komponist freischaffend. Doch obschon sein Werkverzeichnis üppig ist und er für namhafte Musiker geschrieben hat und immer noch schreibt, findet man seinen Namen eher selten auf den Programmplänen etablierter Konzertreihen. Die Rede ist von Roland Leistner-Mayer. Geboren wurde er 1945 in Graslitz (Böhmen), dem heutigen Kraslice. Sein kompositorisches Handwerk hat er in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren bei Harald Genzmer und Günter Bialas gelernt; Klavier und Schlagzeug studierte er bei Günter Louegk beziehungsweise Karl Peinkofer. Dass er über Genzmer auch gleichzeitig ein Enkelschüler von Paul Hindemith ist, kann man seinen – handwerklich meisterhaften – Werken ablauschen. Im Unterschied zu Hindemith ist Leistner-Mayers Musik im Ganzen sozusagen einen Halbton tiefer, wärmer, verbindlicher, vielleicht sogar grüblerischer gestimmt. Kontrapunkt um seiner selbst willen – wie oft beim späten Hindemith – ist Leistner-Mayers Sache nicht, auch wenn Bach für beide der Bezugspunkt war und ist. Besonders eindrücklich zeigt sich das Können des gebürtigen Böhmen in seiner Kammermusik – und da vor allem in der Königsgattung Streichquartett. Das – vorläufig – letzte Quartett der Reihe („das erste schrieb ich 1976 in meiner experimentellen Phase, die sich sehr schnell zerschlagen hat“, so Leistner-Mayer) trägt die Opuszahl 151. Uraufgeführt wurde es am 23. Februar dieses Jahres in Pilsen durch das Sojka Quartett (Martin Kos und Martin Kaplan, Vio­line; Josef Fiala, Viola; Hana Vitková, Cello). Die deutsche Erstaufführung ging nun am 5. Oktober in der Regensburger Weinschenkvilla über die Bühne. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die jetzt beim Label Tyxart erschienene CD mit den Quartetten 5 bis 7 präsentiert. Eingeladen zu dem Konzert hatte das Sudetendeutsche Musikinstitut, kurz SMI (Träger: Bezirk Oberpfalz) in Person seines Leiters Dr. Andreas Wehrmeyer. Er hatte das in Deutschland noch kaum bekannte Sojka Quartett kennengelernt und von ihm ging auch die Initiative aus, Leistner-Mayers Streichquartette 5 bis 7 mit dem in Pilsen beheimateten Ensemble auf CD zu bannen. Dazu holte er wieder Tyxart-Chef und Tonmeister Andreas Ziegler aus Nittendorf (nahe Regensburg) ins Boot. Gemeinsam mit dem Sojka Quartett hatten das SMI und Ziegler im Vorjahr schon eine erste CD (TXA 16076) mit böhmisch-mährischen Streicherkompositionen des 18. Jahrhunderts von Antonin Kammel (1739–1784), Florian Leopold Gassmann (1729–1774) und Franz Koczwara (ca. 1750–1791) produziert, die ein spannendes Licht auf ein nur wenig erforschtes Kapitel deutsch-böhmischer Musikgeschichte wirft. Für ihr Konzert in der Weinschenkvilla hatten die vier Tschechen das C-Dur-Streichquartett von Gassmann an den Anfang gesetzt. Kammels B-Dur-Quartett bildete den starken Schlusspunkt. Dazwischen erklangen Werke von Sará Soukupová (Jg. 1995) und dem – neben Leistner-Mayer ebenfalls persönlich anwesenden – tschechischen Komponisten Karel Pexidr (Jg. 1929). Im Zentrum des Abends stand natürlich die deutsche Erstaufführung von Leistner-Mayers siebtem Streichquartett, das den Titel „Ariadne-Quartett“ trägt. Es gehe in dem Werk „um Rückverfolgung und Rückbesinnung, um die Vergewisserung biographischer Wegmarken“, wie Wehrmeyer im kundigen Booklettext schreibt. Und, ja, das „Ariadne-Quartett“ bildete den Höhepunkt des Abends, zumal das Sojka Quartett sich in dieser Musik spürbar wohl zu fühlen schien und eine ebenso luzide wie emotional packende und dramaturgisch stimmige Interpretation lieferte, von der sich auch Leistner-Mayer sichtlich begeistert zeigte. Er sei zwar bei der CD-Einspielung dabei gewesen, erklärte der Komponist nach dem Konzert, hätte den Musikern dabei aber kaum beratend zur Seite stehen müssen, da sie alle drei Quartette von Anfang an hervorragend gespielt hätten. „Ich bin richtig glücklich mit der CD.“ Man kann Roland Leistner-Mayer, einem wahrhaft großartigen Komponisten und zutiefst sympathischen Menschen, nur aus ganzem Herzen beipflichten.

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