Digital ganz vorn dabei

Musikschulen erzählen ihre Geschichten im Netz


(nmz) -
Platz 1 bei der Google-Suche ist beinahe immer garantiert: sucht man 2018 im Internet nach „Musikschule“ in Abensberg, Freising, Pfronten oder Zwiesel – die öffentlichen Sing- und Musikschulen in Bayern sind von A-Z im World Wide Web vertreten. Mehr als ein Drittel sogar mit eigener, teils sehr professioneller Online-Präsenz. Bei den avantgardistischsten können sich Schüler, Eltern und Musikbegeisterte mittels modernster Menüführung umfassend informieren und sogar online anmelden. Doch braucht es wirklich diesen ganzen neumodischen Kram, der nur Geld kostet, alles durcheinanderbringt und zudem noch, ob seiner Unberechenbarkeit, gefährlich sein kann?… gefährlich sein muss?
Ein Artikel von VBSM

Ja! Den braucht es – denn wer seine Zielgruppe erreichen möchte, ist verpflichtet, mit der Zeit zu gehen und sie dort abzuholen, wo sie sich am liebsten tummelt: im Internet. „Immer mehr Menschen bewegen sich immer souveräner, kompetenter und aufgeschlossener in der digitalen Lebenswelt.“ erklärt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21 (Netzwerk für die Digitale Gesellschaft), dem Online-Magazin der AFP. Deutschland ist so digital wie nie zuvor. Doch immer noch sind 32% der Bevölkerung, nach eigener Angabe, überfordert mit dem Medium Internet. Vor allem in Schule, Ausbildung und Erwachsenenbildung ist Initiative gefordert. Sicherlich ist es anstrengend, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es birgt Gefahren und Risiken, besonders hinsichtlich der technischen Komplexität und Sicherheitsbedenken. Dennoch: wenn nicht große Teile der Bevölkerung, vor allem die ältere Generation, von der digitalen Teilhabe ausgeschlossen werden sollen, muss in die Vermittlung digitaler Kompetenzen investiert werden. Das wird in den kommenden Jahren zu den zentralen Aufgaben von Politik und Wirtschaft gehören und weite Kreise ziehen. Denkbar wäre zum Beispiel eine zusätzliche Förderung für Projekte zur digitalen Transformation an Schulen, egal ob allgemeinbildend oder spezialisiert. Mit den entsprechenden Ressourcen lohnt es sich, diesen Weg zu gehen, auch wenn es ein weiter und mitunter steiniger ist.

Einige Musikschulen und Musikschulträger fühlen sich nach wie vor nicht für die digitale Welt gewappnet. Liegt es am Mangel an Kapazitäten hinsichtlich Budget, Personal und Fachkenntnis? Ist es vielleicht sogar die Angst davor, sich aufgrund virtueller Lernmethoden „selbst abzuschaffen“ und die Institution Musikschule als solche obsolet werden zu lassen? Oder fehlt schlicht das Interesse daran, einen neuen Weg mitzugehen, denn das „Unternehmen“ Musikschule läuft doch auch ohne… Immerhin gibt es bei einigen Musikschulen für Neuanmeldungen Wartelisten und Musikschul-Konkurrenz ist nicht in Sichtweite.

Dabei sind sich die meisten Einrichtungen einer bestehenden Konkurrenz aus ganz anderer Richtung sehr wohl bewusst: Viele Schüler und junge Erwachsene investieren immer mehr Zeit in Schul- und Berufsausbildung oder ins Studium. Da bleibt wenig Zeit für die unzähligen anderen Angebote, zum Beispiel in Sportvereinen. Hier wird genau überlegt, welches Hobby man auswählt, auch weil es gerade in jungen Jahren ganz besonders wichtig ist, was die Freunde, die „cool kids“, darüber denken. „Du spielst Geige? – wie gestern ist das denn!“. Wer verliert in solchen Situationen nicht die Lust am Üben? Hier müssen die Musikschulen ansetzen, sich neu positionieren, das „uncool“-Image ablegen und ihre „Gegner“ genau studieren. Wenn es dann gelingt zu vermitteln, dass nicht nur Rockstars und Sportler „mega“ sind, sondern dass ein virtuoses Geige-Spiel auch Spaß macht und sogar als „nice“ durchgeht, weil das etwas ist, was nicht jeder kann – dann sieht manch einer im Erlernen eines klassischen Instrumentes nicht mehr nur die vermeintlich spießig-staubige Langweiler-Freizeitbeschäftigung. Es lohnt sich sogar, sich mit manch „Gegenspieler zu verbünden“. Wie wäre es mit einem Konzert am Fußballfeld in der Halbzeitpause? Dann sehen die Fußball-Freunde den „farblosen“ Geiger sofort mit anderen Augen. Weil Können überzeugt!

Doch was hat das alles mit dem Internet zu tun? Nun ja, wenn nur wenige eben dieses Konzert am Spielfeldrand verfolgen, dann werden auch nur wenige davon erfahren. Vielleicht ist die Presse vor Ort und berichtet am Rande der Spielberichterstattung, dass die Musikschule auch da war. Doch was kann man als Musikschule tun? Eine Möglichkeit bietet das magische Storytelling: Erzähle deine Geschichte, wecke das Interesse auch über den gewohnten Kreis hinaus, teile die Leidenschaft für Musik mit deinen Freunden, Nachbarn, Bekannten – über die Grenzen deiner Heimatstadt.

Mit einer eigenen Präsenz im Internet können auch Musikschulen genau das tun. Neben allgemeinen Informationen zur Einrichtung bietet es sich immer an, die besten Erlebnisse in einem Blogbeitrag mit Bild und Text festzuhalten oder die Highlights aus dem Musikschul-Leben in einem regelmäßigen Newsletter mit der Welt zu teilen. Wenn sich dies herumspricht, ist den Musikschul-Internetseiten eine treue Besucherzahl gewiss. Auch Oma Gertrud (69) wird regelmäßig dazugehören, weil sie so viel öfter von ihrem Enkel liest und sieht. Sie erzählt ihrer Freundin Ruth (65) davon, zeigt ihr die Bilder und kurze Zeit später ist Ruths Enkelsohn Ludwig auch ein Musikschüler – er lernt Geige, weil das echt cool ist.

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