Eine feste Säule der musischen Bildung

Das Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden und seine tanzpädagogische Ausbildung


(nmz) -
Auf 60 Jahre Liebe zum Tanz, Vermittlung dieser Kunst, schöpferische Arbeit mit Kindern, Fingerspitzengefühl für Schüler blickte der Fachbereich Tanz des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden im Jahr 2013 zurück. 1954 bildete die Tanzpädagogin Irmgard Neumann/Schaaf eine erste Kindertanz-Abteilung. Zunächst war diese der Palucca-Schule angegliedert, ab 1956 gehörte sie zur damaligen Bezirksmusikschule Paul Büttner. Von 1963 bis 1999 wurde sie von Sabine Hiebsch geführt. Die von Gret Palucca ausgebildete Tänzerin hat ihre reichen Erfahrungen zum Thema „Frei tanzen – Gedanken zur schöpferischen Arbeit mit Kindern im Tanz“ in Buchform festgehalten.
Ein Artikel von Peter Bäumler

Die Dresdner Musikschule wurde 1993 zum Konservatorium; Tanz in Klassen und Kursen ist neben Instrumentalausbildung und Gesang eine der festen Säulen des musischen Bildungsangebotes des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden. Nicht alle Musikschulen Sachsens lehren Tanz. Hervorzuheben wären im Leipziger Raum die Johann Sebastian Bach Musikschule der Stadt und die Ottmar Gerster Musikschulen des Landkreises Leipzig. Am Konservatorium Dresden steht seit 1999 dem Fachbereich die Tanzpädagogin Petra Steinert vor. Von einstmals 60 Eleven ist die Tanzschülerzahl auf jetzt über 700 angewachsen. Etwa ein Zehntel davon sind Jungen, die zum Tanz zu motivieren besonderer Anreize bedarf, zum Beispiel mit Projekten wie „Wir tanzen mal Feuerwehr“ oder „Bauer und Tiere auf dem Hof“. Viele der Tanzschüler in den etwa 50 Klassen zu je 15 bis 18 Mädchen und Jungen bleiben vom Eintritt in jungem Alter an meist 15 Jahre bis zur Oberstufe dabei. Als Erfolg bucht das Konservatorium die Tatsache, dass immer wieder Abgänger zur weiteren Ausbildung an die renommierte Palucca Hochschule für Tanz in Dresden wechseln. Auch die Erwachsenenkurse mit Klassen wie „Hip-Hop“‘ und „Tänzerisches Bewegungstraining“ sind gut belegt.

Die Leiterin des Konservatoriums, Kati Kasper, stellte jüngst Lutz Jurisch als Pädagogischen Leiter des Hauses vor. Das Dresdner Konservatorium habe sich in den dreiundzwanzig Jahren seit seiner Neugründung wesentlich gewandelt, zu einer generationenübergreifenden Kultureinrichtung für musische Bildung vom frühkindlichen bis zum Seniorenalter. Behinderten- und Ensemble-Arbeit, Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen, Organisation von Schulkonzerten sind als weitere Aufgaben hinzugekommen. 6.135 Schülerinnen und Schüler zählt die Liste heute, eine beachtliche Steigerung seit 2010, als es noch 4.800 Schüler waren. Zwei Drittel der Eingeschriebenen sind Schulpflichtige; darüber hinaus sind vom Baby- bis zum Seniorenalter alle dabei: Die älteste Schülerin ist 78 Jahre alt.

Gerne würde das Konservatorium noch mehr Schüler aufnehmen. Kati Kasper schätzt allein den Bedarf aus dem Raum Dresden auf 10.000 Plätze. Personell aber fehlen anforderungsgerechte Lehrer, und mit der derzeitigen Finanzausstattung sei auch die Grenze der Möglichkeiten erreicht. Der letzte Ausbau und die Erweiterungen am Standort Glacisstraße wurden 2009 abgeschlossen. Inzwischen aber ist mit gestiegener Schülerzahl und Ausweitung des Angebots die Raumfrage auch an den Außenstellen schon wieder prekär. Nur an Vormittagen sind noch Räume frei, die von externen Gruppen und Bands sehr nachgefragt sind.

Finanziell ist der Schulbetrieb bis Ende 2014 dank Sonderzahlungen der Landeshauptstadt gesichert. Je 380.000 Euro aus dem Doppelhaushalt Dresdens 2013/14 stocken den Schuletat 2013 auf 5,6 Millionen auf, den von 2014 auf knapp 5,8 Millionen Euro. Schulgeldzahlungen der Eltern, Stiftergelder und Zuschüsse für die Sozialsubventionierung tragen bei einer beachtlichen Quote von etwa 47 Prozent zur Finanzierung des Schulbetriebs bei.

Die Außenerscheinung des Heinrich-Schütz-Konservatoriums ist durch vielerlei Auftritte, Konzerte, Wettbewerbe und internationale Austauschtourneen geprägt. Viele Termine stehen auf dem Plan. Ein Höhepunkt war die eigene orchestrale Tanzproduktion „Peter Pan“, zu deren Aufführung in Dresdens Partnerstadt Rotterdam fast 100 Beteiligte mit ihren Lehrern auf Reisen gingen. Ein hochbeachtetes Konzert gab der 45-köpfige Knabenchor im Salzburger Dom. Einen regelmäßigen Austausch mit Musikschulen der Partnerstädte Dresdens, etwa im nahen Breslau, gibt es außerdem. Die Weltsprache Musik verbindet dabei die Schulen und ihre Schüler.

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