Gelungenes Projekt in Corona-Zeiten

Hörspielproduktion der Opernwerkstatt am Rhein


(nmz) -
Nicht alles war und ist negativ in diesen Zeiten der Pandemie. Die neuen, vorher nicht denkbaren Umstände haben vieler Orts nicht nur Verzweiflung sondern auch ungeahnte Kreativität freigesetzt. So hat zum Beispiel die Opernwerkstatt am Rhein die für Musiker harten Corona-Zeiten mit Hilfe eines Corona-Förderprogrammes, dem Reload Stipendium der Kulturstiftung des Bundes in Höhe von 25.000 Euro, genutzt. Das eigentlich als Tourneetheater bekannte Ensemble hat sozusagen das Medium gewechselt, um seinem Publikum auch weiterhin seine wundervollen Stücke präsentieren zu können. Einige Gruppen versuchen solches über neue Streaming-Plattformen. Die Opernwerkstatt entschied sich dazu, Hörspiele zu produzieren. Jennifer Seubel, Flötistin, hat in der Produktion „Himmlische Strolche“ mitgewirkt. Es ist ihr ein Anliegen, das Projekt nun auch für eine größere Hörerschaft publik zu machen und vielleicht auch Mut zu machen, um gerade in dieser Zeit vielleicht einmal neue Wege zu gehen.
Ein Artikel von Cordula Schlößer-Braun

neue musikzeitung: Frau Seubel, Sie selbst sind Flötistin. Wie erlebten Sie das letzte Jahr? Welche Möglichkeiten hatten Sie, Ihren Beruf auszuüben?

Jennifer Seubel: Zum Glück habe ich mehrere Möglichkeiten, so dass ich noch ganz gut durch die Corona-Krise gekommen bin. So konnte ich einerseits meine StudentInnen an der Kölner Musikhochschule und der Universität in Koblenz weiter (teilweise online) unterrichten und hatte im letzten Jahr das Glück, bei einigen Konzerten u.a. mit dem Kollektiv 3:6 Koeln für zeitgenössische Musik mit ausgearbeiteten Hygienekonzepten mitzuwirken. Teils waren diese als Veranstaltungen im Freien geplant und konnten deshalb stattfinden. Aber natürlich wurden leider auch sehr viele Konzerte abgesagt und so langsam wird es sehr anstrengend, die meiste Arbeit nur vom Computer aus erledigen zu müssen.

nmz: Wie kam es zur Idee der Opernwerkstatt, Hörspiele zu produzieren? In wie weit war die Coronakrise dafür verantwortlich, bzw. vielleicht sogar nützlich?

Seubel: Aufgrund der Einstellung des Spielbetriebs konnten alle Beteiligten flexibel reagieren. Viele der Sprecher*innen hatten auch gerade wegen Corona etwas mehr Zeit und konnten sich so relativ kurzfristig an der Produktion beteiligen und diese unterstützen. So waren wir als Opernwerkstatt froh, die Zeit anders nutzen zu können und die anderen Beteiligten natürlich auch.
Dieses Konzept fanden auch andere Fördermittelgeber so überzeugend, dass auch sie die Opernwerkstatt am Rhein bei diesem Vorhaben unterstützt haben, wie etwa die Feith-Stiftung und die Annegret und Hans-Richard Meininghaus-Stiftung. Der Regisseur hat tatsächlich nach einer Möglichkeit gesucht, wie alle kreativ bleiben und die Ensemblemitglieder ein bisschen Geld verdienen können. Die Kinderstücke ließen sich besonders gut adaptieren für den Hörspielbereich.

nmz: Sie haben bei „Himmlische Strolche“ mitgewirkt. Einem Stück für Kinder. Erzählen Sie etwas darüber, bitte.

Seubel: Bei der Oper sind wir nur fünf Leute auf der Bühne, drei SängerInnen, eine Harfenistin und ich als Flötistin. Es ist äußerst bemerkenswert, dass man mit dieser doch recht kleinen Besetzung so viele Menschen erreichen und ein großes Klangvolumen erzeugen kann. In dem Hörspiel werden die Aktionen auf der Bühne durch einen Erzähler komplettiert.
In der Geschichte geht es darum, dass sich drei sehr unterschiedliche Kinder in einer Welt aus Wolken, umgeben von zwei Engeln, wiederfinden.
Dabei gehen sie der Frage nach, wie sie dahin gekommen und wozu sie überhaupt an diesem Ort sind. Während ihrer Suche nach dieser Antwort stellen sich ihnen allerlei ethische und moralische Fragen, die sie mithilfe der Engel und der Musik versuchen zu lösen.

nmz: Wie sehen Sie der kommenden Zeit entgegen, worauf freuen Sie sich besonders in einer Zeit „nach“ Corona?

Seubel: Endlich wieder mehr Leute zu treffen, natürlich auch wieder gemeinsam Musik machen zu dürfen, ohne Angst haben zu müssen sich oder andere anzustecken.

nmz: Frau Seubel, ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch und wünsche viel Erfolg sowie viele neue kreative Ideen.

Interview: Cordula Schlößer-Braun

CD-Tipps: Die Hörspiele „Himmlische Strolche“, „Das goldene Birkenzweiglein“ und „Bubble im Kosmos“ sind bestellbar auf www.Thalia.de

 

 

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