Liebe und eine Amerikanerin in München

Zwei Liederabende in der Versicherungskammer Bayern


(nmz) -
Gleich zweimal standen im Oktober in der Reihe „Komponisten in Bayern“ des Tonkünstlerverbandes München Konzerte mit Liedern auf dem Programm. Am ersten Abend wurde das Thema „Liebe“ in den Mittelpunkt gerückt, eine Woche später ließ das Konzert zu Ehren von Gloria Coates unter dem Motto „Amerikaner in München“ aufhorchen.
Ein Artikel von Daniel Ernst

Die Ausdruckspalette von Liebesliedern reicht von rauschhaft erfüllt bis sehnsuchtsvoll unerfüllt. Letzterer Zustand ist sicher einer der fruchtbarsten für Dichter und Komponisten. So auch für Richard Wagner, der in den Wesendonck-Liedern fünf Gedichte seiner selbsterwählten Muse Mathilde Wesendonck vertonte. Die teilweise als Studien zu Tristan und Isolde bezeichneten Lieder wussten Barbara Hesse-Bachmaier mit ihrem teils zarten, teils dramatischen Mezzosopran und Stanislav Rosenberg als feinfühliger Begleiter intensiv und stimmungsvoll auszudeuten. Weitere neuere und neuste Liebeslieder von Eva Sindichakis und Robert Helmschrott ergänzten neben einem rein pianistischen Stück von Wilfried Hiller zusätzliche Aspekte von Liebe.

Zudem erwiesen sich Widmar Haders Lieder auf Texte von Galsan Tschinag als zarte Bilder einer tief empfundenen Zuneigung. Die Uraufführung des Abends, drei von sanfter Musikalität geprägte Lieder von Fritz Froschhammer auf Gedichte von Gabriele d‘Annunzio, ist auf erstaunliche Weise mit Robert Owens „4 Sonnets to Duse“ verbunden, wie Hesse-Bachmaier durch ihre informative Moderation ausführte. So hatte d‘Annunzio eine Liebesbeziehung zu Eleonora Duse, der Sara Teasdale einen ganzen Zyklus von Sonetten widmete. Vier von diesen Sonetten hat Owens in unverkennbar amerikanischem Duktus vertont.

Gänzlich amerikanisch wurde es am zweiten Konzertabend, der Gloria Coates anlässlich ihres 75. Geburtstags gewidmet war. Das Programm wurde maßgeblich von der Wahlmünchnerin aus Wisconsin mitgestaltet und so überrascht es nicht, dass neben Werken von Russel Smith und William Osborne auch eigene Stücke und Lieder und solche ihres ehemals ebenso in München tätigen Lehrers Otto Luening aufgeführt wurden. Coates und Luening haben beide Gedichte von Emily Dickinson vertont. Doch während Luenings „Nine Songs“ bei aller harmonischen Farbigkeit eher volksliedhaft angelegt waren, lotete Coates die düstere Tiefendimension weiterer Gedichte Dickinsons aus. Wie die Komponistin selbst ausführte, haben diese 15 Lieder über Leben und Tod sie über Jahrzehnte begleitet. Jedes einzelne steht dabei für einen autobiografischen Markstein im Leben von Coates. Die dichte Atmosphäre dieser anspruchsvollen Lieder vermochten Gary Martin mit seinem warmen und auch in der zum Teil extremen Höhe angenehmen Bariton und Eva Schieferstein, die nicht nur als Begleiterin, sondern auch solistisch brillierte, herausragend zu vermitteln. Die Tatsache, dass Martin selbst US-Amerikaner ist, verlieh allen Liedern dabei eine besonders natürliche Ausdruckskraft. Dieses Konzert war sicherlich nicht nur für Gloria Coates ein Geschenk, sondern auch für das begeisterte Publikum.

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