Musik braucht Qualität – Musikschule

Zum 42. Bayerischen Musikschultag in Ingolstadt


(nmz) -
„Musik braucht Qualität – Musikschule“. Unter diesem Motto fand der 42. Bayerische Musikschultag vom 24. bis 26. Oktober 2019 in Ingolstadt statt. Eingeläutet wurde die dreitägige Veranstaltung durch das Eröffnungskonzert der Städtischen Simon-Mayr-Sing- und Musikschule Ingolstadt. In der Uraufführung der von Walter Kiesbauer eigens für die Veranstaltung komponierten „Boomtown Stories“ erwartete die Besucher/-innen ein musikalisches Kaleidoskop an Ingolstädter Stimmungsbildern. Dabei präsentierten die Schüler/-innen das Facettenreichtum des Ingolstädter Stadtlebens, indem sie die Zuhörerschaft unter anderem in das Ingolstädter Nachtleben, die Welt der Automobilherstellung und auf das Bürgerfest entführten. Auch in der Auswahl der Instrumente spiegelte sich diese Vielfalt wider. So kamen die Besucher/-innen beispielsweise in den Genuss der Klänge einer Schlangenhautlaute und einer Pferdekopfgeige.
Ein Artikel von VBSM

Den kulturpolitischen Höhepunkt der Veranstaltung bildet traditionell der Festakt mit der feierlichen Verleihung der Carl-Orff-Medaille. Auch in diesem Jahr waren namhafte Vertreter aus den Staatsminis­terien, aus den kommunalen Spitzenverbänden, des Bayerischen Musik­rates sowie natürlich zahlreiche Musikschulvertreter und viele andere Musikschulverbundene der Einladung des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen (VBSM) gefolgt, um die Feierlichkeiten zum 42. Bayerischen Musikschultag gemeinsam zu begehen und sich miteinander über aktuelle musikpädagogische und bildungspolitische Themen auszutauschen. Landrat Martin Bayerstorfer, Präsident des VBSM, begrüßte die anwesenden Gäste, die sich auf den Weg nach Ingolstadt gemacht hatten, um den „Höchststand von deutlich über 200.000 Schülern an den 219 öffentlichen Sing- und Musikschulen“ zu feiern und „gleichzeitig auch neue Wege zu finden, noch mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Musik zu begeistern“. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Vertreter des Bayerischen Landtags, „sich bei den anstehenden Verhandlungen für den Nachtragshaushalt 2020 besonders und fraktionsübergreifend für den deutlichen Ausbau der staatlichen Förderung einzusetzen.“

Dr. Christian Lösel, Oberbürgermeister der Stadt Ingolstadt, hieß die Besucher/-innen herzlich in seiner Stadt willkommen. Musikschulen seien ein „Ort des Miteinanders, der Gemeinschaft und der Integration und erfüllten wichtige kulturelle und pädagogische Aufgaben innerhalb eines Gemeinwesens“. Stellvertretend für den Bayerischen Musikrat empfing auch dessen Präsident Dr. Thomas Goppel, Staatsminister a. D., alle Anwesenden. Er hob die hohe Wichtigkeit musikalischer Ausbildung gerade in Zeiten zunehmender Technisierung hervor. Deshalb sei es nach wie vor unerlässlich, für eine Steigerung des Anteils der staatlichen Förderung zu kämpfen.

In ihrer Festrede betonte die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales Kerstin Schreyer, MdL, die hohe Bedeutung einer qualitativ hochwertigen musikalischen Ausbildung für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Musik sei ein unverzichtbarer Pfeiler für die Herausbildung von Sozialkompetenz und entwickle „Fähigkeiten, die wir alle miteinander in unserer Gesellschaft haben wollen“.

Besonders hervorzuheben seien in diesem Zusammenhang Kooperationen zwischen Musikschulen und Kindertageseinrichtungen. Diese seien unerlässlich, um „den Zugang zu musikalischer Bildung unabhängig von unterschiedlichen sozialen Schichten auch wirklich jedem Kind zu eröffnen.“ Musikschulen würden auf diese Weise gemeinsam mit den Kommunen einen unverzichtbaren Beitrag zur Entstehung eines umfassenden „kulturellen Bildungsnetzwerkes“ leisten. Gerade vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Kinder zunehmend mehr Zeit in staatlichen Betreuungseinrichtungen verbringen, sei hier eine vertrauensvolle und fruchtbare Zusammenarbeit unerlässlich: „Am Ende des Tages wird es wichtig sein, dass unseren Kindern das, was sie im Reichtum der Musikschule bekommen, nicht dadurch weggenommen wird, dass wir andere Betreuungszeiten bekommen.“ Staatsministerin Schreyer dankte den Musikschulen für ihre wertvolle Arbeit und sicherte ihnen auch weiterhin ihre Unterstützung zu.

Die Carl-Orff-Medaille wurde in diesem Jahr an Herrn Dr. Armin Augat verliehen. Mit dieser Auszeichnung ehrt der VBSM Personen mit herausragenden Verdiensten und überragendem Engagement in der musikalischen Bildungslandschaft. Herr Dr. Armin Augat war von 1996 bis zu seiner Pensionierung im Mai 2019 Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV) Bayern. Seit 1998 bringt er sein Fachwissen und seinen Weitblick als Vertreter der kommunalen Spitzenverbände in den Vorstand des VBSM ein. Beispielsweise ermöglichte er mit der im KAV sehr umstrittenen Öffnung der Mitgliedschaft für nicht tarifgebundene Arbeitgeber unter anderem die Möglichkeit der juristischen Beratung der nicht kommunalen Träger von öffentlichen Musikschulen, stellte erstmals Arbeitsvertragsmuster für Musikschullehrkräfte zur Verfügung und schrieb diese ständig fort. Darüber hinaus strukturierte er die Musikschulen nach den Vorgaben der im August 1984 erlassenen Sing- und Musikschulverordnung und den Zuwendungsricht­linien zu vorbildhaften Bildungseinrichtungen in Bayern. Dafür sprach ihm Landrat Martin Bayerstorfer, Präsident des VBSM, stellvertretend für den gesamten VBSM seinen Dank aus. Herr Dr. Augat habe sich „um die Rahmenbedingungen, die erst eine musikalische Erziehung und das Musizieren auf hohem Niveau ermöglichen, überaus verdient gemacht“ und mit seinem „pflichtbewussten wie freudvollen Wirken das Sing- und Musikschulwesen in Bayern und darüber hinaus in hohem Maße bereichert.“ Im Festkonzert der Musikschulen am Freitagabend im Jugendkulturzentrum Fronte 79 wurden die Gäste mit einer Vielfalt an Beiträgen von Solistinnen und Solisten und Ensembles aus ganz Bayern unterhalten. Dabei erhielten sie einen Einblick in die Bandbreite unterschiedlicher Musikinstrumente und Stilrichtungen, die an den bayerischen Musikschulen gelehrt werden. So konnten sich die Besucher/-innen selbst von der hohen Qualität der Ausbildung an den bayerischen Musikschulen überzeugen. Der Bayerische Rundfunk zeichnete das Festkonzert auf und strahlte es am 01. November auf BR-KLASSIK aus. Unter https://www.br-klassik.de/programm/… ist die Sendung zum Nachhören verfügbar.

Im Rahmen des Bayerischen Musikschultages fand außerdem wie gewohnt die ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen statt. Dabei erfolgte in diesem Jahr turnusgemäß die Wahl der Gremienvertreter/-innen für den Vorstand und für den Erweiterten Vorstand. Der VBSM dankte allen scheidenden Vorstandsmitgliedern für ihren Einsatz in den vergangenen Jahren und gratulierte den neu gewählten Amtsträger/-innen, allen voran dem einstimmig zum dritten Mal in Folge gewählten Präsidenten, Landrat Martin Bayerstorfer.

Unter dem Motto „Musik in der Stadt“ verabschiedete sich der Bayerische Musikschultag am Samstag von Ingolstadt. Hierzu verwandelte sich die Ingolstädter Innenstadt in eine Bühne für verschiedene Ensembles aus der Region. Der nächste Bayerische Musikschultag findet vom 22. bis 24. Oktober 2020 in Kaufbeuren statt.

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