Nicht rasten und nicht ruhen

„Jugend musiziert“ lebt vom Ehrenamt


(nmz) -
Im April 2016 veröffentlichte das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend eine beeindruckende Zahl: 31 Millionen Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Das sind 40 Prozent aller Bundesbürger über 14. Die Zahlen stammen aus dem „Freiwilligen-Survey 2014“. Mit neun Prozent im Bereich Kultur und Musik steht das Engagement der Menschen dort nicht nur an dritter Stelle im Ranking, es umfasst auch den Einsatz vieler Tausend bei „Jugend musiziert“.
Ein Artikel von N.N.

Laut „Freiwilligen-Survey“ engagieren sich die meisten Menschen im Bereich „Sport, Bewegung“: 16,3 Prozent; es folgen die Bereiche Schule, Kindergarten mit 9,1 Prozent und an dritter Stelle der Kulturbereich.

Interessant sind auch folgende Ergebnisse: Frauen engagieren sich mit 41,5 Prozent anteilig etwas seltener als Männer mit 45,7 Prozent. Und: Personen mit hoher schulischer oder beruflicher Ausbildung engagieren sich zu deutlich größeren Anteilen (52,3 Prozent) als Personen mit niedrigem Bildungsniveau (28,3 Prozent).

Die oben genannten Beobachtungen treffen womöglich auch auf das an dieser Stelle eröffnete Thema “Jugend musiziert und Ehrenamt“ zu. Aber die folgenden statistischen Angaben würden sich gewaltig verschieben, wenn man alle anderen Bereiche ehrenamtlicher Tätigkeiten einmal ausblendet und nur das Engagement bei „Jugend musiziert“ betrachtet: Die Freiwilligen-Survey“ konstatierte nämlich, dass der Anteil der freiwillig Engagierten in städtischen Regionen mit 42,7 Prozent deutlich unter dem Anteil in ländlichen Kreisen (45,5 Prozent) liegt. In Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit ist der Anteil freiwillig Engagierter höher als in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit.

Angesichts des hier Festgestellten muss der bei “Jugend musiziert“ engagierte Mensch Einspruch erheben, denn Fakt ist, dass das Engagement bei diesem bundesweiten Projekt genauso gleichmäßig auf das Bundesgebiet verteilt ist wie es auch die Regional- und Landeswettbewerbe sind. Wo sich ein “Jugend musiziert“-Knotenpunkt befindet, da sind auch Ehrenamtliche zu finden. Verlässlich und dem Projekt teilweise seit Jahrzehnten eng und engagiert verbunden.

In den eingangs genannten 31 Millionen ehrenamtlich Tätiger steckt also das versammelte Engagement bei „Jugend musiziert“. Wie viele mögen es wohl aktuell sein?

Passion und Professionalisierung

Nach einer groben Schätzung für alle drei Wettbewerbs-Ebenen, also Regional-, Landes- und Bundeswettbewerb, kommt man auf die eindrucksvolle Zahl von jährlich etwa 15.000. Die Zahl umfasst Fachgremien, Organisatoren und Juroren. Das entspricht der Größe einer Kleinstadt.

Einen klugen und umfassenden Artikel zum Thema hat Dr. Christian de Witt im Jahr 2013 verfasst, nachzulesen in „Lass’hören“, ein Buch zum 50. Geburtstag von „Jugend musiziert“ und erschienen bei ConBrio. Darin schlüsselt de Witt unter anderem die weitgehend ehrenamtlich aufgebaute Struktur des Wettbewerbs auf: „Vor 50 Jahren entstand ‚Jugend musiziert‘ unter dem Dach des Deutschen Musikrats unter Beteiligung von vier Fachverbänden (Verband der Musikerzieher und konzertierenden Künstler (VdMK, heute DTKV), Verband deutscher Schulmusiker (VDS), Verband deutscher Musikschulen (VdM), Jeunesses Musicales (JMD)).

In der Folgezeit bildeten sich Ausschüsse, die nach Möglichkeit mit jeweils einem Vertreter der beteiligten Verbände besetzt wurden. Es wurden auf Bundesebene der Hauptausschuss, auf der Länderebene die Landesausschüsse und auf der regionalen Ebene die Regionalausschüsse gebildet. Auf diese Weise entstand ein großer Verbund von Persönlichkeiten aus dem Musikleben, die den Wettbewerb in den ersten Jahren ehrenamtlich konzipierten, steuerten und durchführten.

Das Netzwerk der Ehrenamtlichen trägt wesentlich zur Sicherung des Wettbewerbs bei und liefert wertvolle Impulse zu seiner Weiterentwicklung. Auf Landes- und Bundesebene werden sie dabei durch hauptamtliche Geschäftsstellen unterstützt.

Nun ist die schiere Menge der ehrenamtlich Tätigen wesentlich für den Fortbestand des Projektes „Jugend musiziert“. Mindestens ebenso bedeutsam und gleichzeitig bewundernswert ist jedoch der Zeitraum, innerhalb dessen sie für das Projekt arbeiten, es weiter entwickeln, denken und, ja, mit Leben erfüllen.

Speziell gilt das für die Vorsitzenden der Regionalausschüsse. Sie treten dieses Amt oftmals in jungen Jahren an, viele kennen „Jugend musiziert“ ja aus eigener Anschauung, denn sie haben als Jugendliche womöglich selbst mehrfach daran teilgenommen. Die positiven und unvergesslichen Erinnerungen aus dieser Zeit prägen ihre Berufswahl und dann auch ihr Berufsleben. Und so wächst die „Jugend musiziert“-Familie ganz selbstverständlich, indem aus Amateuren Profis werden, die ihre Erfahrungen als engagierte Musikpädagogen an ihre Schüler weiter geben. Da ist es nicht mal mehr ein großer Schritt hin zum Impuls, den Wettbewerb dann auch mitgestalten zu wollen. Das Ehrenamt bekleiden sie teilweise über Jahrzehnte und sorgen so für Unaufgeregtheit, Perspektive und Tiefe.

Ehrenamt unerwünscht?

Unter den Suchbegriffen „Ehrenamt“ und „Bewertung“ finden sich im Internet durchaus bedenkenswerte Dinge. So steht in Wikipedia:

„(…) Aber: Das Ehrenamt erfährt derzeit einen Wandel. War ehrenamtliche Tätigkeit bei der Stellensuche, im Lebenslauf und in Bewerbungsgesprächen gerne gesehen, weil es einem Bewerber eine soziale Kompetenz zusprach, so ist es bei vielen Arbeitgebern inzwischen unerwünscht, weil es nicht mehr in die moderne Personalpolitik passt.“

Keine guten Aussichten für Ehrenämter, so scheint es, grenzt es bereits an ein Wunder, dass es noch Freiwillige gibt? Die gute Nachricht ist, dass dieses Engagement sehr wohl öffentlich und von offizieller Stelle wahrgenommen wird. Sichtbares Zeichen sind die feierlichen Auszeichnungen verdienter Bürgerinnen und Bürger durch Verantwortliche auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. 

Ausgezeichnete Claudia von Lewinski

Da das Engagement bei „Jugend musiziert“ für solch eine Auszeichnung geradezu prädestiniert scheint, soll die neue musikzeitung die angemessene Plattform sein, um über ausgezeichnete Persönlichkeiten zu berichten: Am 5. Dezember erhielt Claudia von Lewinski, Vorsitzende des Regionalausschusses Frankfurt im Rathaus der Stadt, aus den Händen des Oberbürgermeisters die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main. Die Ausgezeichnete nahm die Ehrung mit Rührung und Stolz entgegen. In seiner Rede anlässlich der Verleihung sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann unter anderem: „Mit der Ehrenplakette ehrt die Stadt Frankfurt Persönlichkeiten, die sich auf kommunalpolitischem, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet um die Stadt verdient gemacht haben und durch ihr Wirken dazu beigetragen haben, das Ansehen der Stadt zu mehren. Sie, geehrte Frau von Lewinski, fördern das Ansehen Frankfurts auf kulturellem Gebiet und in besonderer Weise seit vielen Jahren.“
„Jugend musiziert“ gratuliert Claudia von Lewinski zu dieser ehrenvollen Auszeichnung! 

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