unüberhörbar 2017/10

Emil Tabakov, Valentin Silvestrov und Ludwig van Beethoven


(nmz) -
Emil Tabakov: Symphonie No. 8; Fünf Bulgarische Tänze. Bulgarian National Radio Symphony Orchestra, Emil Tabakov. Toccata Classics +++ Valentin Silvestrov: Hieroglyphen der Nacht. Anja Lechner, Agnès Vesterman, Violoncello. ECM +++ Ludwig van Beethoven: Sinfonien 1–9; Gewandhaus-Orchester Leipzig, Herbert Blomstedt. Accentus
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann, Mátyás Kiss, Wolf Loeckle

Emil Tabakov: Symphonie No. 8; Fünf Bulgarische Tänze. Bulgarian National Radio Symphony Orchestra, Emil Tabakov. Toccata Classics

Haben wir in der Person des nun auch schon 70-jährigen Dirigenten Emil Tabakov womöglich den bedeutendsten Symphoniker an der Wende vom 20. ins 21. Jahrhundert übersehen? Während die sich wie ein Wirbelwind gebärdenden Bulgarischen Tänze bewusste Bartóknähe suchen, klingt die urwüchsige und kompromisslos dissonante Achte Symphonie völlig eigenständig. Diese erste Folge einer Gesamtaufnahme aller neun zwischen 1981 und 2015 entstandenen Symphonien macht auf die Fortsetzungen neugierig (Folge 2 ist soeben erschienen). [Mátyás Kiss]

Valentin Silvestrov: Hieroglyphen der Nacht. Anja Lechner, Agnès Vesterman, Violoncello. ECM

„Achte die Kargheit der Sprache, achte die armen Gedanken“ heißt es bei Alexander Wwedenskij (1904–1941). Davon lässt sich Valentin Silvestrov inspirieren für das Album „Hieroglyphen der Nacht“, das Anja Lechner, die Cellistin des unvergessenen Rosamunde-Quartetts zusammen mit ihrer ebenfalls Cello spielenden Partnerin Agnès Vesterman bei ECM vorlegt. Sternstunden der Kontemplation, Hochebenen spirituell durchdachter, durchmessener Landschaften, realer und seelischer. [Wolf Loeckle]

Ludwig van Beethoven: Sinfonien 1–9; Gewandhaus-Orchester Leipzig, Herbert Blomstedt. Accentus

Mit bedenkenlos impulsiver Resolutheit, in Ansatz und Durchführung, gelingt es dem Nestor der gegenwärtigen internationalen Dirigenten-Elite (siehe auch Seite 13), seinen nie nachlassenden Gestaltungswillen umzumünzen in ein über jeden Zweifel erhabenes objektivierendes Wertungsstreben. Blomstedts narrative Unbedingtheit vermittelt sich mit perfekter Überschaubarkeit so natürlich wie ein Alltagsphänomen. Eine von innovatorischer Durchdrungenheit gezeichnete Leistung erwächst zum Hör-Fest. [Hanspeter Krellmann]

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