unüberhörbar 2020/06

Richard Wagner | Heimo Eller | Sergej Prokofieff


(nmz) -
Richard Wagner: Die Walküre. Stuart Skelton, Eva-Maria Westbroek, Iréne Theorin, Eric Halfvarson u.a. SO des BR, Simon Rattle. BR-Klassik +++ Heino Eller: Symphonic Poems – Night Calls, White Night, Twilight, Dawn. Estnisches Nationales Symphonieorchester, Olari Elts. Ondine +++ Sergej Prokofieff: Sinfonien 3 und 6; Deutsche Radio Philharmonie, Pietari Inkinen. SWR Music
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann, Mátyás Kiss, Wolf Loeckle

Richard Wagner: Die Walküre. Stuart Skelton, Eva-Maria Westbroek, Iréne Theorin, Eric Halfvarson u.a. SO des BR, Simon Rattle. BR-Klassik

Das inspirierte böhmische Musikantentum – Rafael Kubelik hat es dem BRSO eingeprägt – markiert bis heute die akus­tische Visitenkarte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks mit. Samt der analytischen Strenge des Gründungsdirigenten Eugen Jochum, der perlenden Musikalität eines Colin Davis, inklusive der US-typischen Virtuosität, die Lorin Maazel einbrachte. Vor allem Mariss Jansons sollte es gelingen, dank der gemeinsamen Besessenheit, eine unverwechselbare Klangklasse zu etablieren. Von der Grundidee her war der Klangkörper nicht als Opernorchester konzipiert. Dennoch haben sich die BR-Symphoniker in die eine oder andere Oper eingearbeitet – Leonard Bernsteins Tristan bleibt unvergessen. Jetzt also der Ring. Der „Rheingold“-Live-Mitschnitt wurde früher veröffentlicht, aktuell folgt „Die Walküre“ unter Sir Simon Rattle, der mit dem Orchester in gegenseitig ausstrahlender Sympathie und Zuneigung arbeitet. Was unschwer zu hören ist. Prächtig ergänzt durch die Schar internationaler Solisten. [Wolf Loeckle]

Heino Eller: Symphonic Poems – Night Calls, White Night, Twilight, Dawn. Estnisches Nationales Symphonieorchester, Olari Elts. Ondine

Der Vater der estnischen Musikkultur starb vor genau fünfzig Jahren betagt und hochgeehrt, geriet aber zunächst ein wenig in Vergessenheit. Heino Ellers ehedem viel gespielte Orchesterstücke „Zwielicht“ und „Morgendämmerung“ entstanden nämlich bereits ein halbes Jahrhundert früher, am Ende des 1. Weltkriegs. Größeren Umfang erreicht „Rufe in der Nacht“. Hier wie in der halbstündigen Suite „Weiße Nacht“ (gemeint ist eine durchwachte) vereint sich das makellos beherrschte symphonische Idiom mit brillanter Instrumentationskunst zu einem ohne folkloristische Plattitüden auskommenden, dabei gut nachvollziehbaren Personalstil. Das lange Warten auf Ellers naturnahe Musik hat sich gelohnt: So dürfen wir sie dank Olari Elts und seinem estnischen Spitzenklangkörper bereits zum zweiten Mal in einer wunschlos glücklich machenden Wiedergabe erleben. [Mátyás Kiss]

Sergej Prokofieff: Sinfonien 3 und 6; Deutsche Radio Philharmonie, Pietari Inkinen. SWR Music

Der Finne Pietari Inkinen (40), Chef dreier Orchester (Prager Sinfoniker, Japan Philharmonic, Deutsche Radio Philharmonie Kaiserslautern/Saarbrücken), beginnt mit seinem bestens disponierten deutschen Orchester CD-Serien der Sinfonien Dvoráks und Prokofieffs. Von Prokofieff sieben arbeitet Inkinen zum Beginn der Edition an den Nummern 3 und 6 ambitioniert und unangestrengt zugleich deren wie selbstverständlich sich ergebenden originären Qualitäten heraus. (Nebenbei relativiert sich dadurch die dominante Beliebtheit der Sinfonien 1 und 5.) Eruptiv harte Wirkungen verdankt die dritte Sinfonie nicht zuletzt der Thematik, die Prokofieff aus seiner Oper „Der feurige Engel“ übertragen hat. Mitreißend die raffinierte Durchkonstruktion der sechsten, vor allem ihrer Sätze 1 (mit der herausgehobenen Allusion eines Parsifal-Zitats) und 2 (mit der emotional tief eindringenden Trauerhaltung). Inkinen erreicht auf der Basis seiner Dirigier-Kompetenz und mit gestalterisch souveräner Entschlossenheit den zwingenden Eindruck, dass beiden Sinfonien Prokofieffs eine Repertoire-Revision zustünde. [Hanspeter Krellmann]

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