Von Musik leben: Rechtssicherheit tut not

Zu einer Diskussion in Düsseldorf


(nmz) -
80 Komponistinnen und Komponisten, Musikerinnen und Musiker sowie Akteure der Musikbranche diskutierten am 13. November in Düsseldorf zusammen mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart über die Möglichkeiten, wie musikalisch Kreative noch Geld verdienen können, und über die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in nationales Recht. Zusammengerufen hatten sie der Landesmusikrat NRW, das Kompetenzzentrum CREATIVE.NRW und das Kompetenzzentrum Kultur- & Kreativwirtschaft Düsseldorf.
Ein Artikel von Robert v. Zahn

Andreas Pinkwart erkannte ein Nebeneinander von traditionellen Erlösmodellen und neuen digitalen Marktmechanismen. Die Digitalisierung habe den Vorteil, dass man mit vergleichsweise geringen materiellen Ressourcen produzieren und theoretisch ein globales Publikum erreichen könne. Diese niedrige Markteintrittsschwelle führe dazu, dass viel mehr Menschen produzieren können. Doch wer ordnet den Markt? Das waren früher Labels, Verlage, auch Netzwerke. In einem separierten Teil des Markts funktionieren diese auch heute, doch unter erschwerten Bedingungen. Im übrigen Markt aber gebe es viel mehr Angebot. Wer dringt da als Künstler noch durch? Und wer ist noch bereit, dafür Geld zu bezahlen?

Neben Pinkwart saßen nicht nur Moderator Peter Grabowski, sondern auch Fachleute wie der Komponist und Vizepräsident des Landesmusikrats NRW Matthias Hornschuh, der Komponist Anselm Kreuzer und die Label-Managerin Dorette Gonschorek, die dieser Sicht widersprachen. Die alten Player, die Verlage und Labels, funktionierten nicht mehr ordnend, so Hornschuh. Selbst die elektronische Popmusik habe zwar durch YouTube eine unfassbare Reichweitenerweiterung erfahren, doch die, die sie herstellen, seien an den Erlösen praktisch nicht beteiligt.

Das hatte schon Michael Mayer vom Kult-Label „Kompakt“ in einem Impuls dargelegt. Auch eine Band auf Erfolgskurs wie AnnenMayKantereit hat Schwierigkeiten durch unberechtigte Nutzung ihrer Musik, wie Christopher Annen beschrieb. Hoffnungsträger wie der Streaming-Dienst Deezer bieten zwar mit nutzerbasierten Abrechnungsmodellen neue Erlösmöglichkeiten, wie Richard Wernicke (Deezer) ausführte. Doch die Plattformen, die den Markt dominieren, werden nicht in die Pflicht genommen, die Erlöse in den Markt zurückzuführen, kritisierten Mayer, Hornschuh und Kreuzer. Eine national gut umgesetzte EU-Urheberrechtslinie wird hingegen Nutzern von Plattformen Rechtssicherheit gewähren.

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