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Alle Artikel kategorisiert unter »Gordon Kampe«

Franz! – Cluster 2015/06 - Gordon Kampe

30.06.15 (Gordon Kampe) -
Während einer Aufführung von Brahms’ Requiem in Takt 304 entschied ich mich fürs Musikstudium. Der Dirigent war mein Musiklehrer. Franz hieß er und war ein fleischgewordenes Weihnachtsoratorium. Er dirigierte, sang, schwitzte, kämpfte und liebte was er tat. Ohne ihn hätte ich BWL studiert und würde nun, was natürlich noch kommen kann, Korkenzieher in Wanne-Eickel verkaufen.

Block H

15.05.15 (Gordon Kampe) -
Meine Lieblingsmomente in Maybrit Illners Talkshow sind jene, in denen öffentlich-rechtlicher Ungehorsam herrscht. Zuweilen übersieht die Regie unflätig reagierendes Publikum, das gähnt, popelt, blödelt oder nicht klatscht, während die Politprofis und Experten ihre Stanzen absödern. Wunderbar! In nächtlich-schlaflosen Internet-Sitzungen achte ich neuerdings mit Begeisterung auf das Publikum in klassischen Konzerten. Mein bevorzugtes Untersuchungsobjekt ist der Block H der Berliner Philharmonie.

Vita brevis

13.04.15 (Gordon Kampe) -
Mein Rostocker Partiturspiellehrer hieß Burkhard Meier. Er hatte einst bei Günter Kochan studiert, einem Meisterschüler Hanns Eislers, der ja bekanntlich bei Arnold Schönberg studierte. Drückt man ein Auge zu, war Schönberg so etwas wie ein Schüler Alexander Zemlinskys, dieser von Robert Fuchs und Fuchs von Anton Bruckner, Bruckner von Simon Sechter und Sechter von Antonio Salieri! Ich bin also Ur-hoch-x-Enkel-Schüler von Antonio Salieri, was sowohl meinen Drang zur Oper als auch die Giftvorräte im Keller erklärt. Ha, welch ein Augenblick!

Fünf Gebote

01.03.15 (Gordon Kampe) -
Handschlag drauf und es läuft! Das wär’s! Ist leider etwas aus der Mode gekommen ... Immerhin gilt: „Verträge müssen eingehalten werden!“ Allerdings müssen sie zunächst mal geschlossen werden. Unvorstellbar, dass so eine Plattitüde oft gar nicht so platt ist. Mir scheint es, dass das in unserer Musikwelt, wo sich immer alle duzen, sich Küsschen geben und von einem total spannenden zum anderen total spannenden Projekt hüpfen, gar nicht (mehr?) selbstverständlich ist. In den allermeisten Fällen klappt es tadellos! Meistens reicht aber nicht. – Wir lieben unseren Beruf und wir (wir, damit meine ich: wir!) beuten uns zuweilen selbst aus, wir jammern nicht und machen nicht den Kunst-Märtyrer. Aber, eine Bitte an Förderfürsten und Entscheidungskings: Macht Verträge. Musiker können sich nicht einen Monat freihalten für ein total spannendes Projekt, das dann kurzfristig wegen XY entfällt und Komponisten stellen nicht for fun Orchestermaterial etcetera her. Und überhaupt: Wie peinlich ist es, dem verdienten Honorar hinterherjagen zu müssen? Kommt vor, darf aber nicht.

Es steht ein Komponist am Wupperstrand

02.02.15 (Gordon Kampe) -
„Es gibt doch noch gute Nachrichten aus Wuppertal!“, dachte ich mir, als ich die Pressemitteilung im „Bergischen Merkur“ las. Nachdem man dort das feste Ensemble losgeworden war und sich mittlerweile ja auch der Generalmusikdirektor in Auflösung befindet, will man das drohende Vakuum positiv nutzen und die Institution schnell wieder mit Leben und mit Kunst füllen. Anstatt sich also allgemeiner Verödung hinzugeben, wird ein Experimental-Ensemble eingestellt: Sänger, Performer, Videoleute, Elektrofrickler, Schauspieler, Tänzer und so weiter und so Fortschritt.

Kleine Musik

27.12.14 (Gordon Kampe) -
Rosario, ein mittlerweile recht betagter Bergmann, hat an Weihnachten Geburtstag. Wie jedes Jahr wird ihm der Pastor gratulieren und ihm etwas schenken. Er wird aufstehen, dem Pastor ein paar Meter entgegenhumpeln und dann, wie an jedem gewöhnlichen Sonntag auch, wird er mit herrlichstem italienischem Akzent während des Vater Unsers – weil zu laut, zu schnell und stets außerhalb jeglicher metrischer Logik –, die Gemeinde völlig rausbringen. Ich sitze derweil auf der Orgelbank und freue mich heimlich über das liturgische Theater. (Und in diesem Jahr werde ich ihm das auch sagen.)

Trüffelblick

14.11.14 (Gordon Kampe) -
Ich polierte gerade meinen Markenkern, da musste ich an Trüffelschweine denken. Hat ein Schwein Trüffeln gefunden, kommt der Bauer und verkantet einen Maiskolben im Schweinemaul, auf dass die edlen Gewächse nicht gefressen werden: Eine vollkommen frustrierte Sau ist die zwingende Folge.

V-Leute

18.10.14 (Gordon Kampe) -
Wir brauchen mehr Vermittlung! … Na, noch wach? Gut! Folgendes: Neulich im Vermittlungseinsatz – Feldmans „neither“ traf auf Seniorentruppe. Und während ich so: „bla-Cage-bla-graphisch-bla“, malten mir die Damen Zahlen in die Partituren, bis eine „Bingo!“ rief.

Das Herdstipendium

31.08.14 (Gordon Kampe) -
Wenn ich vor Stille nicht schlafen kann, mich pottwalgroße Killer-Hornissen verfolgen oder ich mit Grafikern aus Kaliningrad beim Frühstück mit Müsli und Vodka sitze, dann weiß ich: Ich habe ein Stipendium und lebe meine Kreativität in „arkadischer Einöde“ aus, wie der Musikpublizist Michael Rebhahn es treffend formulierte.

Brizzelbrazzel

09.07.14 (Gordon Kampe) -
Was 1785 das Dideldudel der Albertibässe war, ist heute der zumeist mit noisigem Brizzelbrazzel begleitete YouTubeschnipsel, jedenfalls in quantitativer Hinsicht. Qualitativ heißt das nichts, denn auch mit dem Albertibass konnte man ebenso schöne (vgl.: Mozart) wie dämliche Stücke schreiben (vgl.: Sonatinen des Grauens). Gab das Begleitreadymade einst der rechten Hand die Freiheit zu virtuoser Entfaltung, gibt es den linken Gehirnhälften vieler Komponisten nun die Möglichkeit zu virtuoser Verarbeitung der rezipierten theoretischen Schriften.
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