Musikhochschule Freiburg lässt Klavier-Bewerber ferngesteuert vorspielen


10.06.20 -
Freiburg im Breisgau - Es ist ein Novum: Weil die coronabedingten Reisebeschränkungen derzeit eine Anreise für internationale Bewerber erschweren, dürfen Klavier-Anwärter in Asien erstmals über ein ferngesteuertes Piano an der Hochschule für Musik in Freiburg vorspielen.
10.06.2020 - Von dpa, KIZ

Zum ersten Mal veranstaltet die Hochschule für Musik in Freiburg am Mittwoch (9.30 Uhr) eine Aufnahmeprüfung, bei der Studienbewerber aus dem Ausland per ferngesteuertem Klavier vorspielen. Vor einer Jury dürfen drei Pianisten in Tokio und Shanghai auf einem sogenannten Reproduktionsklavier ihre Aufnahmeprüfung absolvieren, wie die Hochschule mitteilte. Das erste Vorspiel komme aus China mit einem Stück von Johann Sebastian Bach.

Übertragen wird die komplexe Tastenbewegung per Internet auf ein Klavier in Freiburg. Parallel dazu gibt es eine Videoübertragung. Grund für die außergewöhnliche Aufnahmeprüfung sei die Corona-Krise, sagte ein Sprecher. Die Reisebeschränkungen erschweren derzeit eine Anreise für internationale Bewerber. Deshalb habe man neben einer Video-Bewerbung auch dieses aufwendigere Live-Spiel angeboten.

Das Disklavier - so der Markenname - biete bis zu 1024 Möglichkeiten, wie stark der Hammer auf die Seite im Klavier schlagen kann. So eine hochauflösende Präzision erlaube es, künstlerische Differenziertheit bestmöglich zu erfassen. Ob man nach der Corona-Pandemie bei dieser Möglichkeit des Vorspiels für internationale Bewerber bleiben werde, sei noch offen.

«Ich bin sehr erleichtert und froh. Es hat sich absolut gelohnt, dass wir den großen Aufwand auf uns genommen haben», sagte der für die Prüfungen verantwortliche Professor Christoph Sischka. Bei der weltweit ersten Aufnahmeprüfung per Disklavier habe es klanglich keinen Unterschied gemacht, dass die Bewerber in Übersee statt vor Ort waren. Ob man diese Möglichkeit der Eignungsprüfung nach der Pandemie für internationale Bewerber beibehalten werde, sei noch offen. In Lehre und Forschung setze die Hochschule das Disklavier schon seit 15 Jahren ein - bei Bewerbungen war es aber das erste Mal.

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