Zahlreiche Festivals wegen Coronakrise abgesagt


16.04.20 -
Nach dem gestern verlautbarten Verbot, keine Veranstaltungen bis zum 31. August stattfinden zu lassen, haben auch zahlreiche Musikfestivals ihre Konsequenzen gezogen: Die Eutiner Festspiele, das Africa Festival Würzburg, die Konzerte der Dresdner Philharmonie sowie die Dresdner Musikfestspiele haben ihre diesjährigen Veranstaltungen abgesagt. Auch in Rudolstadt werden sich 2020 keine Folk-, Roots- und Weltmusikfans treffen.
16.04.2020 - Von dpa, KIZ

Eutiner Festspiele wegen Corona-Pandemie abgesagt

Eutin - In diesem Sommer wird es keine Eutiner Festspiele geben. Wegen der Corona-Krise sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, die Vorstellungen der 70. Spielzeit komplett abzusagen, teilte Geschäftsführer Falk Herzog am Mittwoch mit. Die Entscheidung sei allen Beteiligten schwergefallen, doch die Entwicklung habe keine andere Wahl gelassen. Als Gründe für die Absage nannte Falk die Corona-Schutzmaßnahmen sowie die eigene Verantwortung für die überwiegend älteren Besucher der Festspiele.

Die 1951 gegründeten Festspiele sollten ursprünglich am 20. Juni eröffnet werden. Auf dem Programm der 70. Spielzeit standen das Musical «Ein Käfig voller Narren», die Oper «Madama Butterfly» und ein Galaabend. Die bereits gekauften 12 500 Karten können nach Angaben Herzogs zurückgegeben, in Gutscheine für die Spielzeit 2021 umgetauscht oder gespendet werden.

 

Africa Festival in Würzburg fällt wegen Corona-Pandemie aus

Würzburg - Das internationale Africa Festival in Würzburg wird in diesem Sommer wegen der Corona-Auflagen nicht stattfinden. Das teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit. Grund ist die vom Bund geplante Absage von Großveranstaltungen bis zum 31. August.

Das Festival sollte ursprünglich vom 29. Mai bis zum 1. Juni stattfinden und damit zum 32. Mal. Es ist laut den Organisatoren Europas größtes Festival für afrikanische Musik und Kultur. Das für dieses Jahr geplante Programm soll nun soweit wie möglich im nächsten Jahr vom 3. bis 6. Juni umgesetzt werden. Bis zu 80 000 Besucher tummeln sich alljährlich auf dem Festivalgelände am Main. Dutzende Musiker und Tänzer vermitteln afrikanisches Flair. Die für dieses Jahr verkauften Tickets sollen für 2021 gelten; sie könnten aber auch zurückgegeben werden.

Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Mittwoch zwar auf erste vorsichtige Lockerungen in der Coronavirus-Krise verständigt. Großveranstaltungen aber sind den Beschlüssen zufolge bis zum 31. August grundsätzlich untersagt.

 

Dresdner Philharmonie beendet Saison wegen Corona-Pandemie vorzeitig

Dresden - Die Dresdner Philharmonie hat wegen der Corona-Pandemie alle Konzerte bis zum Saisonende abgesagt. Das betrift auch alle Veranstaltungen Dritter im Konzertsaal im Kulturpalast, wie das Orchester am Donnerstag mitteilte. «Leider war bereits in den letzten Wochen abzusehen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus verlängert werden müssen. Nun tatsächlich weitere Konzerte absagen zu müssen, ist für uns alle betrüblich», betonte Philharmonie-Intendantin Frauke Roth.

Zugleich drückte Roth Zuversicht aus: «Positiv stimmt mich, dass wir zur Zeit alle rasant schnell lernen. In kürzester Zeit haben wir neue Formate geschaffen, mit denen unsere Musikerinnen und Musiker und unsere internationalen Künstler präsent bleiben und wir Kontakt zu unserem Publikum halten können.» Unter dem Label «weiter hören» biete die Dresdner Philharmonie online eine Reihe von Formaten zum Hören, Sehen und In-Kontakt-Bleiben an. Anstelle jedes ausgefallenen Konzerts würden Aufnahmen des Programmes zur Verfügung gestellt.

 

Dresdner Musikfestspiele abgesagt - Vogler plant Online-Musikmarathon

Dresden - Die Dresdner Musikfestspiele sind wegen der Corona-Krise abgesagt worden - erstmals in ihrer mehr als vier Jahrzehnte umfassenden Geschichte. Die Festspiele wollen aber kreative Wege finden, «auch in dieser schweren Zeit ihr wunderbares Publikum zu erreichen und den Ruf Dresdens in der Welt weiter zu stärken», versicherte Intendant Jan Vogler am Donnerstag.

Einige Höhepunkte der diesjährigen Ausgabe, die unter dem Motto «Inspiration Natur» vom 12. Mai bis 12. Juni stattfinden sollte, werden 2021 nachgeholt, hieß es. Zudem plant Cellist Vogler mit Künstlerkollegen ein Live-Programm, das im Internet übertragen wird. Der in New York und Dresden lebende Musiker hatte schon Ende März mit der Initiative «Music Never Sleeps NYC» als Antwort auf Corona für Furore gesorgt.

«Gerade jetzt ist es wichtig, weit vorauszuschauen. Dresden ist eine Musik- und Festivalstadt und im Charakter eine ausgeprägte Kulturstadt», betonte Vogler. Man wolle trotz der Umstände der Aufgabe gerecht werden, «durch Musik das menschliche Zusammenleben zu harmonisieren und zu inspirieren».

Damit die 43. Dresdner Musikfestspiele nicht ersatzlos ausfallen, arbeitet das Festivalteam nun mit «Music Never Sleeps NYC» an einem Livestream-Festival, das mit Künstlern aus aller Welt Festspielatmosphäre in die Wohnzimmer tragen soll. Für Mai wurden nähere Informationen angekündigt.

«Die Absage der Dresdner Musikfestspiele macht uns alle traurig, jedoch reiht sie sich in die Absage von Festivals deutschland- und europaweit ein», erklärte Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch. Angesichts der weltweiten Pandemie gingen Verzicht und Rücksichtnahme vor. Klepsch bedankte sich bei Künstlern und Fans für ihr Verständnis.

Die Dresdner Musikfestspiele wollten sich in diesem Jahr von der Natur anregen lassen. 63 Konzerte waren geplant. Ein Schwerpunkt blieb dem Werk Beethovens zu seinem 250. Geburtstag vorbehalten. Als Gäste wurden unter anderem die New Yorker Philharmoniker, Pianist Murray Perahia mit der Academy of St Martin in the Fields, Countertenor Philippe Jaroussky und die Philharmoniker aus St. Petersburg erwartet. Das Finale sollte Rockmusiker Sting bestreiten.

Bereits gekaufte Tickets für die Musikfestspiele können ab sofort in Gutscheine umgewandelt, zugunsten des Festivals gespendet oder zurückerstattet werden.

 

Rudolstadt Festival wegen Corona-Pandemie abgesagt

Rudolstadt - Das berühmte Rudolstadt Festival fällt wegen der Corona-Krise dieses Jahr aus. Soweit möglich, solle das Programm in das kommende Jahr geschoben werden, teilten die Veranstalter am Donnerstag mit. «All die wichtigen Vorkehrungen, die jetzt notwendig sind, lassen sich einfach nicht mit einem Festival vereinbaren, das ja gerade von der Nähe und Begegnung so vieler Menschen lebt und international ausgerichtet ist», hieß es in der Mitteilung. Bereits gekaufte Tickets sollen erstattet werden.

Das Rudolstadt Festival gilt als größtes Festival für Folk-, Roots- und Weltmusik in Deutschland und war für den Zeitraum 2. bis 5. Juli geplant gewesen. Es wäre die 30. Ausgabe gewesen. Im vergangenen Jahr waren die 25 000 Vier-Tages-Ticket für die gesamte Festivalzeit im Vorfeld ausverkauft gewesen - am besucherstärksten Tag zählten die Organisatoren insgesamt rund 34 000 Gäste. Das Festival in der Südthüringer Stadt zieht Künstler und Besucher aus aller Welt an.

Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Mittwoch zwar auf erste vorsichtige Lockerungen in der Coronavirus-Krise verständigt. Großveranstaltungen sind den Beschlüssen zufolge aber bis zum 31. August grundsätzlich untersagt.

Ob deshalb etwa auch die Domstufen Festspiele (10. Juli bis zum 2. August) in Erfurt und die Kulturarena in Jena (2. Juli bis 16. August) ausfallen müssen, konnten die Verantwortlichen am Donnerstagnachmittag noch nicht sagen. Unter anderem gehe es darum, abzuwarten, wie das Land Thüringen Großveranstaltungen definiere.

 

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