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Gordon Kampe, in Jacke, hellem Hemd, mit dunklen kurzen Haaren, ohne Bart und mit schmaler Brille

Gordon Kampe. Foto: privat

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Cluster 09/2026 von Gordon Kampe
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Ich stehe auf einem Festival herum und esse Donauwelle. Ein Kollege kommt und sagt lächelnd: „Der Kinder-Kampe ist auch schon da!“ Ich lache, was sonst. Ich schreibe gerne Stücke, die als „Kinderoper“ gelabelt werden – und wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme, mache ich das auch weiterhin! Das Genre hat aber ein paar Blessuren: In der Neuen-Musik-Welt reden wir gern über Zukunft. Und dann kommt die nächste Generation tatsächlich – und die Kunst, die dort stattfindet, wird in die pädagogische Abteilung abgeschoben. Man kann die künstlerisch und formal experimentellsten, die inhaltlich wildesten Dinge tun: Kolleg:innen kommen nicht, nicht mal in Berlin. 

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Presse kommt auch selten. Die Marktmechanismen sind einfach: „Kinder-Kampe“ – zack, rein in die Schublade. Erst langsam komme ich da wieder raus, andere stecken fest. Und dann, heute ist Tacheles-Tag, gibt es noch den „Genre Pay Gap“. Kinder­oper ist für halbgroße Menschen. Folglich sind die Honorare auch nur halbgroß – uncool! Neben dem grausamsten Übel, den allwissenden „Eltern“, ist zudem die Erfindung des Wortes „kindgerecht“ eine Katastrophe. Erwachsene überlegen sich, was Kinder verstehen, lustig finden oder aushalten können: kurz, laut, bunt, eine (bekannte) Geschichte, möglichst noch eine Mitmachstelle. In letzter Zeit führt das zu einem – sorry – Sinkflug im Anspruch der Stücke: Jene, die das vermeintlich „Kindgerechte“ bedienen, liefern ungroovend-melodiearme Musicals wie am Fließband. Ich würde mir wünschen, das Genre wieder so ernst zu nehmen, wie es sein sollte, wenn wir über Zukunft nachdenken. Überlasst diese phantastische Erfindung nicht den üblichen Mechanismen. Habt die Einsicht, dass es nur Kunst und kein Künstchen gibt. Das wäre dann nämlich wirklich kindgerecht.

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