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Stile Antico TAM 2026 (c) JM Koch

Goldstandard: Stile Antico bei den Tagen Alter Musik Regensburg 2026. Foto: Juan Martin Koch

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Erstklassige Grundversorgung: Eindrücke von den Tagen Alter Musik Regensburg 2026

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Nach der 40. Ausgabe im vergangenen Jahr machten die Tage Alter Musik nun einfach da weiter, wo sie schon immer waren: am Puls der Szene und nahe am Ohr ihres enthusiastischen Publikums.

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Nahe am Ohr: Diesen Anspruch im Namen trägt das französische Ensemble Près de votre oreille und zelebrierte in einem stimmungsvollen, am Ende beinahe komplett abgedunkelten Nachtkonzert eine bewegende Hommage an den englischen Komponisten William Lawes. Der tat sich bis zu seinem Tod 1645 vor allem mit „Consort Music“, also Kammermusik für verschiedene Besetzungen hervor. Im Mittelpunkt standen hier nun seine Harp Consorts, intime, exquisit melancholische Musik, die unter anderem vom Leiter Robin Pharo an der Gambe und Fiona Émilie Poupard an der Violine feinsinnig gespielt wurde. Leider ging dabei die Harfe (Bérangère Sardin) akustisch etwas unter. Weltliche und geistliche, bis zu dreistimmige Vokalmusik ergänzte das Programm, bezwingend ausdrucksstark, bisweilen vielleicht eine Spur zu theatral gesungen von Malys De Villoutreys, Fiona McGown und dem kurzfristig eingesprungenen Cyril Costanzo.

Ähnliches könnte man über die Vokalisten von L’Escadron Volant de la Reine sagen. Doch zu der bemerkenswerten Sakralmusik des Opernspezialisten Alessandro Scarlatti (Musik zur Karwoche) passte dieser leicht dramatisierende Zugriff. Die prägnanten Stimmen, vor allem von Anthea Pichanick (Alt) und Paco Garcia (Tenor), ergaben einen leicht aufgerauten Ensembleklang, was dem immer wieder auch instrumental durchsetzten Programm gut anstand.

Eine aparte, in diesem Fall dunkle Färbung hat auch das Ensemble Irini, in dem zwei Mezzosprane die höchsten Stimmen darstellen. Unter der Leitung von Lila Hajosi verschränkten die acht Sängerinnen und Sänger Motetten von Heinrich Isaac mit georgisch-orthodoxen Gesängen. Deren außergewöhnlicher, dreistimmiger Stil ist mündlich überliefert und entfaltet einen ganz eigenen Klangraum. Der Wechsel mit Isaac schärfte die Ohren für die ganz unterschiedlichen Satztechniken, leichte Intonationsprobleme trübten allerdings den anregenden Eindruck.

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Tiburtina TAM 2026 (c) JM Koch

Hans Memlings Altargemälde, umsungen vom Tiburtina Ensemble, umspielt von Oltremontano. Foto: Juan Martin Koch

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Fast unwirklich homogen ist der Gesang des Tiburtina Ensembles. Wenn Leiterin Barbora Kabátková, Sopranistin Hana Blažiková und weitere vier Frauen mit absolut ebenmäßiger, warmer Stimmfärbung und innerlich bewegtem Fluss einstimmige Choräle ausatmen, fühlt man sich wahrlich in das Engelskonzert aus Hans Memlings berühmtem Altargemälde (um 1490) hineingezogen. Auf eine Leinwand projiziert bildete es den Ausgangspunkt dieses Programms, das von einem wissenschaftlichen Symposium flankiert wurde. Auf den Boden instrumentenbaulicher Tatsachen zurückgeholt wurde man leider vom indiskutablen Klang einer nach dem Gemälde rekonstruierten gotischen Harfe. Dieser konterkarierte die vor allem hinsichtlich der Blasinstrumente reizvollen Instrumentalanteile, für die Oltremontano unter Wim Becu verantwortlich zeichnete.

Eine fragwürdige Rekonstruktion eines noch fragwürdigeren Textes stellte Alexander Grychtolik mit Il Gardellino vor. C.F. Henrici („Picander“) hat zwar einige Passagen seines Passionsoratoriums in die Matthäuspassion übernommen, aber seine „Erbaulichen Gedanken auf den Grünen Donnerstag und Charfreitag über den leidenden Jesum“ hätte Johann Sebastian Bach in dieser Form sicher nicht vertont. Was Grychtolik aus anderen Bach-Werken zurechtarrangiert oder selbst komponiert hatte, wurde aber wenigstens von einem herausragenden Solistenensemble, darunter Miriam Feuersinger (Sopran) und Saniel Johannsen (Evangelist), zur Diskussion gestellt. Auch der 16-köpfige Chor, in den die Solisten sich einreihten, leistete Außergewöhnliches.

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Il Gardellino TAM 2026 (c) JM Koch

Fragwürdige Rekonstruktion, hervorragend präsentiert: Passionsoratorium nach Bach mit Il Gardellino. Foto: Juan Martin Koch

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Ebenfalls in hervorragender Verfassung präsentierten sich die Regensburger Domspatzen unter Christian Heiß beim Eröffnungskonzert, das mit Mendelssohns 115. Psalm, vor allem aber mit Webers „Jubelmesse“ (Missa sancta Nr. 2 op. 76) überraschte. Dessen überzeugend ins Sakrale gewendetes, klassisch-romantisches Brio war hier ebenso mitreißend wie in dem von Musica Florea farbig und flexibel begleiteten ersten Klarinettenkonzert Webers, das Ernst Schlader als tonschöner, geistreicher Solist anführte.

Zurück zu Bach, der im Mittelpunkt eines kleinen Tastenschwerpunkts des Festivals stand. Da glänzten unter anderem der Cembalist Pierre Gallon mit glasklaren, rhythmisch elastischen Französischen Suiten (nebst Auszügen aus François Couperins Sixième Ordre) und Hammerflügel-Spezialist Jermaine Sprosse mit Werken der Bach-Söhne und -Verwandten Johann Christoph Friedrich, Carl Philip Emanuel, Wilhelm Friedemann und Wilhelm Friedrich Ernst. Mit zeittypischen Improvisationselementen durchsetzt war das eine faszinierende Reise in eine Zwischenwelt aus Barock, Empfindsamkeit und Klassik, wie man sie selten in solch erhellender Zusammenstellung zu hören bekommt.

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Les Epopees TAM 2026 (c) JM Koch

Airs de Cour von Marc-Antoine Charpentier mit Claire Lefilliâtre von Les Épopées. Foto: Juan Martin Koch

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In ein ganz besonderes Repertoire führte außerdem die Matinee mit Les Epopées und einer abwechslungsreichen Auswahl aus Marc-Antoine Charpentiers Airs de Cour. Von Claire Lefilliâtre, Cyril Auvity, Marc Mauillon und Geoffroy Buffière hinreißend charakterisiert grätschten immer wieder köstliche humoristische Airs in die pathetischen Herzschmerz-Gesänge, was für exquisite Unterhaltung sorgte.

Für die orchestrale Grundversorgung waren diesmal drei Formationen zuständig: Das portugiesische Ensemble Bonne Corde machte unter dem griffigen, aber geografisch leicht verschobenen Motto „Tropical Baroque“ mit drei Concerti grossi seines Landsmannes António Pereira da Costa bekannt. Die erwiesen sich in engagierten, hochklassigen Wiedergaben als durchaus konkurrenzfähig mit Werken Francesco Geminianis und Arcangelos Corellis.

Von Letzterem hatte auch Verità Baroque ein Concerto grosso im Programm, drückte dabei aber im Vergleich zum gediegenen Understatement der Portugiesen das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Die Akzente bei Corelli, Vivaldi und Telemann waren rauer, die musikalischen Gesten – bei entsprechendem Körpereinsatz – markanter. Als Rarität im Rahmen der Tage Alter Musik gab es obendrein ein zeitgenössisches Stück: Stefan Johannes Hanke hat für Verità Baroque einen brachial neobarocken Sechsminüter geschrieben, der mit seinen Rhythmuswechseln und Akzentverschiebungen gut zum schmissigen, effektvollen, mitunter auch etwas aufdringlichen Stil des Ensembles passt.

Nach Russland führte schließlich das Ensemble Altera Pars und präsentierte mit frischem, kompetentem Zugriff Werke deutsch-österreichischer Komponisten, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Moskau und St. Petersburg wirkten. Vor allem Ernst Wanczuras Symphonie „sur airs Ukrainiennes“ war hier bemerkenswert und auch Sebastian Georges konzertante Symphonie machte Freude, in der die meist in Paaren gekoppelten Soloinstrumente (2 Violinen, 2 Flöten, Viola und Cello) schön beschäftigt werden.

Das vielleicht höchste, einheitlichste Interpretationsniveau dieses Jahrgangs erreichten zum Abschluss die zwölf Sängerinnen und Sänger von Stile Antico. Mit welcher Klarheit, Wärme und Brillanz sie Renaissance-Polyphonie in den Raum stellen, zählt zum Goldstandard nicht nur im Bereich der britischen Vokalensembles. Das Programm „Polyphonic Postcards“ mag musikologisch nicht sonderlich schlüssig gewesen sein, doch ergab dieses Motto unter den Vorzeichen musikhistorisch wichtiger europäischer Städte eine Werkauswahl (u.a. mit Tallis, Janequin, Guerrero, Lasso, Palestrina, Cardoso und Monteverdi), die so wunderbar vielfältig war wie das Festival insgesamt.