2025 jährte sich der Geburtstag des Komponisten Herbert Baumann zum 100. Mal. Er war einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit für Theater und Film. Sein breit angelegtes, von Lied und Kammermusik bis zu Orchesterwerken reichendes Schaffen erfreute sich großer Beliebtheit. So erlebten die Ballette „Alice im Wunderland“ und „Rumpelstilzchen“ jeweils über 100 Aufführungen. Die noch zu Lebzeiten des Komponisten gegründete Herbert-Baumann-Stiftung initiierte und förderte 2025 mit verschiedenen Partnern zahlreiche Konzerte. Aber sie fördert nicht nur Baumanns Musik, sondern auch Wettbewerbe, Konzerte und Festivals. Dazu zählt auch der „Herbert- Baumann-Kompositionswettbewerb“ des Tonkünstler-Verbandes Bayern, der 2026 für Gitarre stattfindet. Die prämierten Kompositionen werden in der Edition „Neue Töne“ veröffentlicht und sollen vor allem junge Musiker*innen für Neue Musik begeistern. Dr. Franzpeter Messmer führte mit Dr. Thomas Baumann, seit 2021 Vorstandsvorsitzender der Stiftung, das folgende Gespräch:
Dr. Thomas Baumann. Foto: © Franzpeter Messmer
100 Jahre Herbert Baumann: Rückblick und Projekte
neue musikzeitung: Herr Dr. Baumann, 2025 feierte die Stiftung den 100. Geburtstag von Herbert Baumann. Was waren für Sie die musikalischen Höhepunkte?
Baumann: Es gab viele Höhepunkte, da es auch eine Vielfalt an Konzerten gab: beispielsweise in Berlin die Aufführung der einfühlsam vertonten Gedichte von Mascha Kaléko, die Werke für Flöte, die ich in München hören konnte, oder die „Japanischen Impressionen“, die zu einer schönen Aufführung in Mülheim an der Ruhr gelangt sind.
nmz: Die Musik von Herbert Baumann umfasst viele Gattungen. Welche sind besonders beliebt?
Baumann: Nach meiner Wahrnehmung ist seine Musik für Zupfinstrumente und -orchester besonders beliebt. Sie ist präsent als Werk; ich kann das auch daran erkennen, dass sich einige Orchester eigeninitiativ bei der Stiftung gemeldet und mitgeteilt haben, sie wollten Musik zum 100. Geburtstag von Herbert Baumann aufführen. Ich habe auch festgestellt, dass es im Bereich der Zupfmusik weiterhin viele Menschen gibt, die ihn persönlich kannten. Viele Arbeiten im Bereich der Zupfmusik sind Auftragsarbeiten, die Herbert Baumann gezielt für bestimmte Orchester auf Bitten der Dirigenten oder der Verantwortlichen in den Orchestern geschaffen hat. Das ist auch sicherlich mit ein Grund dafür, dass er Ehrenmitglied im Bund deutscher Zupfmusiker wurde.
nmz: Was hat Ihnen im vergangenen Jahr weniger gefallen?
Baumann: Ich hätte mir eine dem Werk von Herbert Baumann angemessenere Würdigung in Fachzeitschriften gewünscht. Die Kammermusik und die Orchesterwerke sind leider nur wenig zur Aufführung gelangt.
nmz: Herbert Baumann war Ihr Onkel. Welche persönlichen Erinnerungen haben Sie an ihn?
Baumann: Ich erinnere mich an viele Begegnungen mit ihm. Dabei hat mich besonders seine positive Lebenshaltung beeindruckt. So sagte er bei einem Besuch mit seiner Frau Marianne in Köln-Mülheim, wo ich damals mit meiner Schwester bei meinen Eltern lebte, in der netten, gelösten Atmosphäre gefühlt ein Dutzend Mal: „Kinder, was ist das schön bei euch“. Meine Mutter assoziiert diesen Ausspruch immer noch, wenn von Herbert die Rede ist.
nmz: Sie leiten seit 2021 die Herbert- Baumann-Stiftung. Was sind Ihre vorrangigen Ziele?
Baumann: Vorrangig sind, die Erinnerungen an Herbert Baumann wach zu halten und die Aufführung seiner Werke zu fördern. 100 Jahre zeigen uns aber auch, dass die Zahl derjenigen abnimmt, die ihn persönlich kannten, und deshalb wollen wir das Werk besonders bei jüngeren Musikern bekannt machen.
nmz: Wie entscheidet die Stiftung, wer gefördert wird? Sie fördert ja nicht nur die Werke von Herbert Baumann.
Baumann: Grundsätzlich ist die Förderung der Musik in der Satzung festgeschrieben. Dabei steht natürlich das Werk von Herbert Baumann im Vordergrund. Wir haben Richtlinien, nach denen wir verfahren. Es ist keine sehr große Stiftung. Die Mittel sind begrenzt. Wir fördern vor allem Konzerte. Die Höhe der Förderung hängt auch davon ab, wie groß die Veranstaltung ist und ob es andere Einnahmequellen gibt. Wir sind auch bemüht, Aufführungen zu fördern, die ohne einen Zuschuss der Stiftung gar nicht zustande kommen könnten.
nmz: Welche Erwartungen verbinden Sie mit der Neuauflage des „Herbert-Baumann-Kompositionswettbewerbes“?
Baumann: Er wird, so hoffen wir, eine größere öffentliche Wahrnehmung haben. Der entstehende Band mit Werken für Gitarre ist anders als ein Konzert etwas Bestandskräftigeres, etwas Nachhaltigeres. Besonders freut uns, dass ein Fokus auf die Jugend gelegt wird. Gitarre ist ein verbreitetes Instrument und der entstehende Notenband will die tägliche Basisarbeit mit jungen Menschen unterstützen.
nmz: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, um die Musik Herbert Baumanns im Konzertleben lebendig zu halten?
Baumann: Da wir die Jugend erreichen wollen, müssen wir die sozialen Medien erschließen. Ein schon lange vorgesehenes Projekt, die Gestaltung der Homepage, muss jetzt umgesetzt werden.
Wir wollen stärker auf die Werke von Herbert Baumann blicken, die zuletzt weniger aufgeführt wurden, also insbesondere die Kammer- und Orchestermusik und vielleicht sogar die beiden Ballette.
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