Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns zudem die erfreuliche Nachricht, dass der DTKV-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzende im Tonkünstlerverband Baden-Württemberg Prof. Hans-Peter Stenzl in den Vorstand der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen gewählt wurde. Zur neuen Vorsitzenden wurde Angela Bauer bestimmt, Thomas Kronenberger übernimmt weiterhin das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Als neue Beisitzerinnen und Beisitzer wurden zudem Jeanne Kompare-Zecher und Robert Weis-Banaszczyk gewählt. Christina Schäfer und Josef Offele wurden in ihren Ämtern als Beisitzer bestätigt. Der DTKV ist Mitglied im Trägerverein der renommierten Bildungseinrichtung und engagiert sich seit vielen Jahren aktiv für die Förderung musikalischer Bildung in Deutschland. Wir gratulieren allen Gewählten und wünschen viel Erfolg in bewegten Zeiten.
Nachklang Workshop Unterrichten mit Weitblick
Entwicklungsprozesse im Geigenunterricht ganzheitlich betrachtet
Was sind Kinder in welchem Alter überhaupt im Stande zu leisten? Wie unterstützen wir sie in der Anfangsphase des Instrumentalunterrichts entwicklungspsychologisch betrachtet am besten? Warum ist es problematisch, einen Schüler mit „Toll, du hast einfach schnelle Finger!“ zu loben oder einer Schülerin problemlösende Vorschläge zu machen? In dem Workshop „Unterrichten mit Weitblick – Entwicklungsprozesse im Geigenunterricht ganzheitlich betrachtet“ mit Dr. Patrizia Bieber wurde kritisch nachgefragt. Der Veranstaltungsraum im Musentempel Karlsruhe wird ehrenamtlich vom Förderverein Musentempel e.V. getragen und ist eng mit Mitgliedern des Tonkünstlerverbandes Baden-Württemberg verknüpft.
Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden spieltechnisch-musikalische Lernprozesse bei Grundschulkindern eingehend unter die Lupe genommen und daran anknüpfend erörtert, wie Lehrkräfte im Instrumentalunterricht agieren sollten, damit Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt und in ihrem Lernverhalten motiviert werden. Nach einer kurzen Einführung in die Entwicklungspsychologie ging es ins Detail. Im Bereich der kognitiven Entwicklung von Grundschulkindern stellte sich vor allem die Beschäftigung mit Metakognition als hochinteressant und für unser instrumentalpädagogisches Tun als relevant heraus. Neue Erkenntnisse mündeten in die Skizze eines kleinen Reflexionstagebuchs für Schüler:innen zur Förderung metakognitiver Fähigkeiten. Danach ging es weiter mit der beim Musizieren auf faszinierende Weise ablaufenden Sensomotorik und neuronalen Prozessen, deren Verstehen schnell zu dem Schluss führte: „Bloß nichts falsch einprogrammieren!“. Der Bereich Emotion und Motivation rundete den Vormittag schließlich ab und schloss mit einer eingehenden Betrachtung von Feedback und verbalen Äußerungen von Lehrkräften, die zu manchem Aha- Moment führte. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der praktischen Anwendung und hielt wundervolle kleine, inspirierende Lehrproben-Einheiten bereit, die spontan sowohl von der Workshop-Leiterin als auch von engagierten Teilnehmenden gestaltet wurden.
Viel Selbstreflexion war den Tag über angesagt und jede:r der Teilnehmenden ertappte sich wohl bei der ein oder anderen routinierten Handlung, die bei genauerem Hinsehen selbstgesteuertes Lernen eher unterbindet oder aber dem sich im Grundschulalter wesentlich formierenden Selbstkonzept einen Dämpfer verpasst. Nach einem fröhlichen, ereignisreichen Tag und viel neuem Input, waren sich alle einig: Wir machen uns viele Gedanken über Inhalte und Methoden, aber nicht-sichtbare Prozesse im Instrumentalunterricht schauen wir uns viel zu selten an. Dabei sind sie möglicherweise sogar wichtiger als all das, was sich so einfach von außen beobachten lässt.