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Alle Artikel kategorisiert unter »Annika Schlicht«

Walküren-Hügel auf dem Walküren-Flügel – Wagners „Walküre“ an der Deutschen Oper Berlin

28.09.20 (Peter P. Pachl) -
Hauptproblem dieses Premierenabends sind kurioserweise weniger die freien Plätze zwischen den Besucher*innen mit Mund-Nasenschutz während der gesamten Aufführung, als die Tatsache, dass der neue „Ring“-Zyklus in der Inszenierung von Stefan Herheim in seiner Ikonographie der Tetralogie kontinuierlich aufbaut. Nachdem jedoch „Das Rheingold“ dem Lockdown zum Opfer gefallen war und stattdessen eine Ersatz-Inszenierung auf dem Parkdeck herauskam, fehlt den Betrachter*innen der „Walküre“ das erforderliche Vorwissen dieser spezifischen Lesart.

Mit norwegischem V-Effekt: Bergs „Wozzeck“ an der Deutschen Oper Berlin

06.10.18 (Peter P. Pachl) -
Man stelle sich vor: Verdis „Aida“ in Rom, von einem deutschen Regisseur inszeniert, und jeder Handlungsträger ist mit einem Deutschlandfähnchen in der Hand oder am Anzug bestückt, alle in bayerischer Tracht – der Skandal wäre nicht auszumachen. Anders in Berlin, wo 1925 Alban Bergs „Wozzeck“ an der Staatsoper herauskam und wo jetzt in der Deutschen Oper eine Neuinszenierung Büchners Handlung radikal nach Norwegen verlegt: keinerlei Widerspruch beim Publikum.

Der allgegenwärtige Tod – Aribert Reimanns „L’ Invisible“ an der Deutschen Oper Berlin

09.10.17 (Peter P. Pachl) -
Die Dramen des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck, angefangen von „Pelléas et Mélisande“ über „Ariane et Barbe-Bleu“ bis zu „Mona Vanna“, halten sich als Opern auf internationalen Bühnen kontinuierlicher als die originalen Dramen. Aus fünf frühen, ursprünglich fürs Marionettentheater bestimmten Stücken Maurice Maeterlincks hat Aribert Reimann drei ausgewählt um ein pausenloses, neunzigminütiges Musiktheater über den allgegenwärtigen Tod zu komponieren, und das in der Originalsprache des Dichters, einem flämisch akzentuierten Französisch.

Düsternis im Herrenanzugskonfektionshaus – Claus Guth inszeniert Richard Strauss’ „Salome“ an der Deutschen Oper Berlin

25.01.16 (Peter P. Pachl) -
Missbrauch von Kindern ist das zentrale Thema des Regisseurs Claus Guth. Das kitzelt er mit Vorliebe aus jenen Opern, die er inszeniert, heraus, bisweilen durchaus zwingend, manchmal weniger treffend. Überzeugend gelang ihm in dieser Hinsicht die Staatsopernproduktion von „Fairy Queen“ in der Bearbeitung von Klaus Oehring als „Aschemond“, überraschend auch in der Ausdeutung der Beziehung von Daland zu seiner Tochter Senta (in Guths Bayreuther „Holländer“-Inszenierung) – und zwischenzeitlich auch in Opern von Richard Strauss, etwa in Frankfurt bei „Daphne“, wo der Vater seine Tochter in einen Schrank zerrt. Derselbe Ansatz missglückte dem Regisseur jedoch bei „Salome“ an der Deutschen Oper Berlin.

Ein Musiktheatercoup – Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ an der Staatsoper im Schillertheater

15.06.15 (Peter P. Pachl) -
Die vier männlichen Komödianten der Truppe um die schöne Zerbinetta legen lange schwarze Gummi-Phallusse an, die sie zur Verzweiflung des Komponisten („In mein Heiligtum hinein ihre Bocksprünge! Ach!“) rhythmisch schwingen lassen. Im verklingenden Vorspiel tritt Ariadne in die Mitte der Bühne. Aber nicht, wie sonst üblich, beginnt umgehend der Opern-Akt. Stattdessen lässt Stückezertrümmerer und Bühnenprovokateur Hans Neuenfels im Hintergrund Kultur-Felsbrocken herabpoltern, und – nach nur 45 Minuten – gibt es eine ausgiebige Opernpause.

Ein großes Missverständnis – Ernst Kreneks „Tarquin“ in der Werkstatt der Staatsoper Berlin

22.04.15 (Peter P. Pachl) -
Die Staatsoper Berlin im Schillertheater, die in ihrer Werkstatt-Reihe mit Opern des 20. und 21. Jahrhunderts im Vorjahr Ernst Kreneks „Vertrauenssache“ herausgebracht hat, versuchte sich nun in der Revitalisierung von dessen Kammeroper „Tarquin“ aus dem Jahre 1940. Das als Pendant zu Chaplins „Großer Diktator“, Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ und Brechts „Arturo Ui“ angekündigte Werk, mit „eine[r] grimmige[n] Karikatur Adolf Hitlers“ erweist sich als großes Missverständnis: ein verquastes, langatmiges Libretto mit wenig inspirierter Zwölftonmusik, szenisch langweilig umgesetzt.

Psychoreise in menschliche Abgründe – Birtwistles „Punch and Judy“ in der Werkstatt der Staatsoper

17.05.14 (Peter P. Pachl) -
Den bevorstehenden 80. Geburtstag des britischen Komponisten Harrison Birtwistle feiert die Staatsoper Berlin, die im Jahre 2000 bereits dessen „Last Supper“ herausgebracht hat, mit dem einstens aufmüpfigen Opernerstling „Punch and Judy“ in einer musikalisch stimmigen, szenisch überaus kurzweiligen Inszenierung.

Ohne „h“, dafür aber länger und mit Kalauern – Uraufführung der Neufassung von Rein Gold an der Staatsoper Berlin

10.03.14 (Peter P. Pachl) -
Intendant Jürgen Flimm, der anstelle des erkrankten Dramaturgen die Einführung in den Premierenabend übernommen hatte, nannte die Produktion rheinisch-launig eine seiner „schändlichen Ideen“, lobte den Regisseur Nicolas Stemann als ehemaligen Schüler und prognostizierte: „Sie können auch Buh rufen, das ist erlaubt, aber sie werden es nicht tun!“ Der Hausherr hat Recht behalten.
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