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Alle Artikel kategorisiert unter »Marco Štorman«

Musikalisch: Konzentrierter Schmerz! Inszenatorisch: Massiv unklar dekonstruiert – Alban Bergs Wozzeck in Freiburg

27.11.22 (Georg Rudiger) -
Melodische Linien überall. Die Streicher zaubern einen weichen, schimmernden Klang und veredeln die Übergänge. Auch im Blech und in den Holzbläsern ist alles fein modelliert. Eine Belcanto-Oper, wie man nach dem Klangeindruck meinen könnte, hat sich der neue Freiburger Generalmusikdirektor André de Ridder für seine erste Premiere allerdings nicht gewünscht, sondern mit Alban Bergs 1925 uraufgeführtem „Wozzeck“ die erste abendfüllende atonale Oper der Musikgeschichte.

Postapokalyptische Allegorie – Luigi Nonos „Intolleranza 1960“ an der Komischen Oper Berlin

24.09.22 (Stefan Drees) -
Es ist ein Statement, das die Komische Oper Berlin unter der neuen Intendanz ihrer Doppelspitze Susanne Moser und Philip Bröking nach dem Ende der Ära Barrie Kosky zum Auftakt der Saison 2022/23 abgibt. Mehr als deutlich signalisiert die Produktion von Luigi Nonos „Intolleranza 1960“ (1960/61) den Anspruch, dass Musiktheater im Rahmen der Institution Oper sich dem Anspruch kritischer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten stellen muss und, die herkömmlichen Hör- und Sehweisen über den Haufen werfend, nicht allein der Unterhaltung eines primär bildungsbürgerlichen Publikums mit musealem Repertoire dienen soll.

In Nürnberg sucht Marco Štorman ausgerechnet beim „Rosenkavalier“ nach dem Kern der Sache

03.04.22 (Joachim Lange) -
In normalen Zeiten gehört es sich eigentlich nicht, über Generalproben zu schreiben. Aber was ist schon noch normal heutzutage. An der Oper in Bonn zum Beispiel wäre man sicher froh, wenn denn jemand über eine stattgefundene Generalprobe der Inszenierung von Giacomo Meyerbeers „Feldlager in Schlesien“ berichtet hätte, von dem hierzulande niemand eine Vorstellung hat, wie das wohl klingen mag. Schlimmer kann es kaum kommen für die Bonner: das Feldlager muss erneut leer bleiben….

Die furchtbare innere Welt – Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ in Bremen

03.02.20 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Kammeroper des jungen Wolfgang Rihm reißt in der Bremer Inszenierung von Marco Štorman mit, sie mache die Zuschauer*innen zu betroffenen Zeugen. Claudio Otelli in der Rolle des Lenz bietet eine überragende Leistung, findet unsere Kritikerin Ute Schalz-Laurenze.

Lulus Utopie – Marco Štorman inszeniert am Theater Bremen Alban Bergs „Lulu“

29.01.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Der Regisseur Marco Štorman mag nicht, dass Alban Bergs „Lulu“ ein Opfer ist. Das ist zwar nicht neu, aber 2019, im Jahr „einer aufregenden Debatte über Geschlechterrollen und -Definitionen“ (Štorman) will er mit unglaublicher Energie und Folgerichtigkeit in der 1937 uraufgeführten Oper gar eine Utopie darin sehen, dass gegenseitiges Unverständnis doch überwunden werden kann – wie auch immer.

Am Ende gibt's nichts mehr zum Erlösen – Theater Bremen eröffnet die letzte Spielzeit von Markus Poschner mit Wagners „Parsifal“

13.09.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
So richtig Oper wie immer gibt es in Marco Štormans neuer Inszenierung von Richard Wagners letztem Oper „Parsifal“ am Theater Bremen nur im zweiten Akt: wenn der böse Klingsor seine Mädels rumschickt und besonders Kundry im Tüllkleidchen zusetzt, dass sie die Verführung Parsifals zu schaffen habe. Das Orchester sitzt im Graben und die großartige Nadine Lehner scheitert. Im ersten und im dritten Akt ist dann eher so etwas von der neuen Bremer Handschrift zu sehen, die wir seit den Arbeiten Benedikt von Peters kennen: Orchester auf der Bühne, es wird vor- und zurückgefahren, Chor aus dem Off und auf den Rängen, Rolle des Publikums als Erweiterung des Chores: hier werden wir grell beleuchtet und sind somit Teilnehmende an der Abendmahlshandlung der Gralsritter.

Tödliche Albträume – „Peter Grimes“ von Benjamin Britten am Theater Bremen

05.10.15 (Ute Schalz-Laurenze) -
Es gelingt dem Fischer Peter Grimes nicht, irgendeine Kommunikation zu den Mitbewohnern seines Dorfes am Meer in Suffolk herzustellen. Und weil er so eigenartig ist, steht er zweimal unter Verdacht, seine Lehrlinge – Kinder aus dem Armenhaus – ermordet zu haben. In der Oper von Benjamin Britten wird nicht gesagt, ob das stimmt, aber der drohenden Lynchjustiz kann er nur entgehen, indem er sich umbringt – weit draußen auf dem Meer lässt er sein Boot absichtlich kentern.

Junge Oper experimentiert, irritiert und inspiriert mit Medienstück

22.06.14 (dpa) -
«Ist alles ein großes Rauschen?», fragen sie. Und fragen sich selbst. Drei Kandidaten einer Reality Show wetteifern um den Einzug in die nächste Runde. Sie probiert es mit Sozialkritik durchs Megafon. Er versucht es mit verzerrten Klängen, gebastelt am Mischpult. Der Dritte versetzt die Leute in Angst und Schrecken. Das Motto: «Stop Listening Start Screaming». Die gleichnamige Medienoper von Komponist Jorge Sánchez-Chiong hinterlässt am Samstagabend bei den applaudierenden Premieregästen im baden-württembergischen Stuttgart Stirnrunzeln.
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