„Auf die Bühne gebracht“ – Neue Musik macht Schule

Ein Projekt der St. Ursula-Schule mit dem Duo Pianoworte


(nmz) -
Jeder kann heutzutage mit den Musikstilen Pop, Jazz oder klassischer Musik etwas anfangen, mit dem weiten Feld der Neuen Musik jedoch kaum. So ist es nicht verwunderlich, dass die Klasse 10c der St. Ursula- Schule Hannover nicht grade begeistert war, als dieses Thema im Fach Musikgeschichte auf dem Programm stand. Hier musste also ein Zugang gefunden werden, der einerseits bei den Schülerinnen und Schülern Interesse weckt und andererseits das Kerncurriculum für das Fach Musik in Niedersachsen nicht außer Acht lässt, bei dem ausdrücklich auf die Kompetenz „Musik in Verbindung mit Sprache, Bild, Szene, Film und Programm“ verwiesen wird.
Ein Artikel von nmz

Somit bot sich eine Zusammenarbeit mit einem außerschulischen Lernpartner an. Diesen hat die Klasse im niedersächsischen Duo Pianoworte gefunden, das sich seit vielen Jahren für die Vermittlung zeitgenössischer Musik einsetzt. Da die St. Ursula-Schule ein christlich geprägtes Gymnasium ist, war ein Thema für die vierwöchige Arbeitsphase schnell gefunden: Die Christophorus-Legende in der 1998 von Christoph Keller geschaffenen Vertonung für Sprecher und Klavier. Bei der 10. Klasse war es den Verantwortlichen ein wichtiges Moment, die eigenen Arbeitsergebnisse mit den Ideen des Komponisten zu vergleichen, um so einen Zugang zu den zunächst fremdartig erscheinenden Klängen zu erhalten. Nach einer ersten Experimentierphase mit verschiedenen Percussionseffekten, Flügelinnenraumklängen und Schattentheaterspiel waren die Schüler gefordert, eigene Vorstellungen für eine szenisch-musikalische Umsetzung der Legende zu entwickeln. Dabei kamen die Schüler auf unterschiedlichste Ideen. So gab es unter anderem eine Angst- und Teufelsszene, eine Narren-Rap-Moonwalk-Szene und eine perfekte Lichtregie samt Beamereffekten zu verschiedenen Motiven der Keller’schen Vertonung. Mit Hingabe zauberten die Schüler zu selbst geschaffenen musikalischen Begleitungen Silhouetten auf die Schattenbühne: ein lebendiger Reigen aus Teufel, Pferden, einem lebendig werdenden Wald und einem sich durch den reißenden Fluss kämpfenden (Christ) Ophorus – eingelassen in die vom Duo Pianoworte erzählte Legende von Christophorus. So war für die Schüler immer wieder der Anreiz gegeben, sich intensiv mit der Musik Kellers auseinanderzusetzen. Am Ende des Projektes entstand bei den Aufführungen vor der übrigen Jahrgangsstufe und der gesamten Oberstufe bei den Zuhörern von ganz allein Aufgeschlossenheit für Neue Musik und darüber hinaus die Erkenntnis, dass viele Jugendliche spielerisch eine Menge über Neue Musik, Theater und Organisationsfragen gelernt haben. Die Wege zu einer solchen Offenheit möchte die St. Ursula-Schule auch in Zukunft in das musikalische Angebot der Schule einbinden.

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