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Mehr CD-Tipps aus dem Ländle


(nmz) -
Als der Bundesverband uns nach CDTipps baden-württembergischer Tonkünstler für die Weihnachtsausgabe der nmz fragte, konnten wir uns kaum entscheiden. Zu viele schöne Silberscheiben haben unsere Mitglieder in diesem Jahr auf den Markt gebracht! Neben den drei CDs vom Uli Gutscher Quintett („Abendrot“), Lia Reyna („Color Jam“) sowie Hanno Gräßer & Rüdiger Gies („Stille Nacht“), die auf den Bundesseiten vorgestellt werden, wollen wir deshalb noch ein paar andere CDs unserer vielseitig und hochkarätig aktiven Mitglieder empfehlen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs ...
Ein Artikel von Ulrike Albrecht, Verena Großkreutz

Ganz schön alt: Argentum et Aurum

Rasch hat sich herumgesprochen, dass Marc Lewon und sein Ensemble Leones eine Idealbesetzung sind für die ganz, ganz Alte Musik. Die vier bereits erschienenen CDs decken ein Repertoire ab, das von einstimmiger Musik aus dem 13. Jahrhundert (des Minnesängers Neidhart) bis zu Instrumentalmusik um 1500 (von Josquin Desprez) reicht. Alle haben von der Presse viel Lob bekommen, drei davon wurden für die International Classical Music Awards (ICMA) nominiert. Nun hat das Ensemble Leones ein neues, spannendes Album vorgelegt: „Argentum et Aurum – Musical Treasures from the Early Habsburg Renaissance“ (Naxos 8.573346). Die Einspielung entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Wien und soll eine Epoche europäischer Musikgeschichte erlebbar machen, in der Habsburg zur Weltmacht und Wien zur Musikstadt wurde. Das gelingt! Musik zu unterschiedlichsten Anlässen – darunter zahlreiche Ersteinspielungen – sind auf der CD zu hören: Geistliche und weltliche Stücke entführen die Hörer in alpenländische Burgen und Kirchen, in Tanzsäle und Bürgerhäuser. Sie spiegeln wider, was das Leben der Menschen damals bestimmte – ihre Sorgen, Nöte, Freuden. Unter der Leitung von Marc Lewon musiziert das international besetzte Ensemble Leones sachkundig, differenziert und vor allem lebendig, mit klaren Stimmen, auf sorgfältig ausgewählten und souverän beherrschten Instrumenten.

Ganz schön melancholisch: Lieder von Licht und Schatten

Der berühmteste Singer-Songwriter aller Zeiten dürfte Bob Dylan sein. Aber die englischsprachige Tradition der Sänger-Texter-Komponisten reicht weit zurück: bis ins elisabethanische Zeitalter zu John Dowland, dem englischen Orpheus mit der Laute. Dowland war ein Melancholiker, wie er im Buche steht, stets versunken in die Vergänglichkeit alles Irdischen. In seinen wichtigsten Werken geben sich deshalb Dunkelheit, Trauer und Todessehnsucht die Hand. Seine Lieder waren sehr erfolgreich und wurden als „Vermählung von Musik und süßer Poesie“ gefeiert. Dowland hat’s auch dem jungen Stuttgarter Tenor und Gitarristen Roger Gehrig angetan. „Lieder von Licht und Schatten“ nennt er seine neueste CD (Karlklang 14004), auf der er Dowlands Vergänglichkeitspoesien nachspürt und ihr Werke anderer Komponisten gegenüberstellt: etwa Weltschmerz-Lieder des französischen Dowland-Zeitgenossen Adrian Le Roy. Klar dürfen auch Lieder aus Franz Schuberts düsterer „Winterreise“ („Die Nebensonnen“ und „Der Leiermann“) nicht fehlen. Gut, dass Gehrig nicht nur über geschmeidige Stimmbänder verfügt, sondern auch ein toller Gitarrist ist. So kann er sein Liederprogramm mit ein paar nicht weniger melancholischen Instrumental- Intermezzi von Schubert-Zeitgenossen kontrastieren: Variationen von Johann Kaspar Mertz und einem Sonaten-Andante von Anton Diabelli. Schön!

Ganz schön rar: Kammermusik von Adolf Busch

Dass die Kammermusik von Adolf Busch eine absolut lohnende und hörenswerte Entdeckung ist, haben die Karlsruher Klarinettistin Bettina Beigelbeck und das Busch Kollegium Karlsruhe bereits mit ihrer ersten CD eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Jetzt ist die Fortsetzung erschienen. Zur Erinnerung: Adolf Busch (1891–1952) war einer der berühmtesten Geiger der Zwischenkriegsjahre: ein begnadeter Solist und beseelter Kammermusiker (mit seinem Klavierpartner Rudolf Serkin, seinem Busch-Quartett und dem Busch-Klaviertrio), dessen Ruf bis in die heutige Zeit nachhallt. Sein Ruf als Geiger hat seine Bedeutung als Komponist stets überschattet; erst in den letzten Jahren entdeckt die Musikwelt auch sein kompositorisches OEuvre, das immerhin rund 70 Werke mit Opuszahl und zirka noch einmal so viele ohne umfasst. Auf der brandneuen CD „Adolf Busch, Chamber Music, Volume Two: Music for Clarinet II“ (Toccata Classics 0293) sind sechs kammermusikalische Kompositionen Buschs zu hören, in unterschiedlichen Besetzungen vom technisch beeindruckend anspruchsvollen Klarinettensolo über Duo- bis hin zu Trio-Konstellationen der Klarinette wahlweise mit Oboe, Englischhorn, Violine, Cello und Klavier. Drei der eingespielten Werke sind Ersteinspielungen – ein Verdienst, das man den Musikern hoch anrechnen darf!

Die Qualität der erstklassigen Vorgänger- CD wird hier durchwegs gehalten: Bettina Beigelbeck überzeugt bei souveräner Technik mit schönem, beweglichem Klarinettenklang und die exzellenten Musiker des inzwischen bestens etablierten Busch Kollegiums Karlsruhe stehen ihr in nichts nach. Man hört Neues auf hohem Niveau – mit großem Vergnügen!

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