Mit Klarheit, Schönheit und Gefühl vorgetragen

Dmitry Gladkov am Hammerklavier präsentierte Juwelen der Frühklassik und Klassik


(nmz) -
Das erste Konzert aus der Reihe „Klavier, Klavier und nochmals Klavier“ in den Räumen des Musikstudios und Galerie von Gabriele Paqué, gestaltete Dmitry Gladkov am Hammerklavier mit großer Überlegenheit und Emotionen.
Ein Artikel von Gabriele Paqué

Schon das erste Stück, die Sonata IV in A-Dur von C. Ph. E. Bach, verzauberte das Publikum und hielt es in seinen Bann und das bis zum Schluss des Konzertes. Den ersten Satz spielte Gladkov spritzig, fröhlich und spielerisch virtuos sowie nuancenreich in der Spieltechnik und der Dynamik. Einfühlsam hingegen der 2. Satz, der einen sehr improvisatorischen Charakter aufwies und entsprechend des galanten Stils hoch empfindsam und nachdenklich vorgetragen wurde. Hier konnte man in der Komposition schon einen Mozart im kompositorischen  Vorgriff heraus hören. Der 3. Satz voller Impulsivität von Gladkov gespielt, mit vielen melodischen und dynamischen Überraschungen von Bach versehen etwa mit seinen ständig wechselnden Motiven, wurde nie langweilig für den Zuhörer. Hier explodierte die Musik in ihrer Vielseitigkeit und Gladkov konnte viele Seiten des Instruments hörbar machen.

Josef Haydn schrieb ca. 60 Sonaten für Klavier. Gladkov spielte die Sonate Nr. 56 in D-Dur (Hob. XVI, 42). Der erste Satz (Andante con espression), eine zögerliche, erzählerische, mit vielen Pausen versehene Komposition, die auch sehr nachdrücklich werden kann und fast wie eine Liebeswerbung klingt. Diesen Satz überzeugend und die Spannung haltend vorzutragen, ist eine unglaubliche Herausforderung für den Spieler, die aber Gladkov mit Bravour meisterte.  Auch der 2. Satz war klanglich und stilistisch sehr gut umgesetzt mit den so typischen klassischen Spielfiguren.

Den 1. Satz der Mozartsonate KV 457 in C-Moll spielte Gladkov mit größter Genauigkeit, wohl überlegt und mit außerordentlicher klanglicher Schönheit. Die tragische, geheimnisvolle Komposition nimmt den Zuhörer in unterschiedliche Gefühlswelten mit.

Das Pedalspiel wird dazu nur in einigen Passagen verwendet, um Gefühle noch deutlicher voneinander abzuheben. Gladkov spielte mit Klarheit, ja einer gewissen Nüchternheit, ohne vom Wesentlichen abzulenken. Der 2. Satz (Adagio) war klanglich und musikalisch ein Hörgenuss. Die Feinsinnigkeit der Motive wurde gut herausgespielt und der Zuhörer hatte die Möglichkeit beim Hören der Musik in sich einzutauchen, Ruhe zu finden und bei sich zu bleiben und die Musik ganz in sich aufzunehmen und zu spüren. Den 3. Satz spielte Gladkov sehr kraftvoll und mit technischer Brillianz. Mit der Sonate op. 25 Nr. 5 in fis-Moll von M. Clementi war das Programm in der Klassik zur Gänze angekommen. In allen drei Sätzen konnte Gladkov die unterschiedlichen Charaktere der Sätze hervorragend herausarbeiten und der Komposition absolut gerecht werden.

Zum Abschluss des Konzertes hörte das Publikum die 7 Bagatellen von Beethoven, die er 1803 komponiert hat, wobei es sich meistens um sehr heitere Charakterstücke handelt. Egal welche Bagatelle gespielt wurde, Gladkov konnte jedes einzelne Stück hervorragend zu Gehör bringen. Die erste Bagatelle klang sehr lustig oder witzig. Die zweite, spieltechnisch anspruchsvoll und sehr kompakt komponiert, trug Gladkov mit viel Spaß und Glanz am virtuosen Spiel vor. Die dritte Bagatelle, die einen fröhlichen Charakter hat, die vierte eher sehr ausdrucksvoll, die fünfte  virtuos in der Komposition, wurde von ihm mit großer Brillianz, mit klarer Struktur und einem feinen Gefühl für  klare und deutliche Artikulation gespielt. Die siebte erinnerte gleich an den typischen Klavierklang von Beethoven, fast eine Anlehnung an die Waldsteinsonate, wobei Gladkov kein Problem hatte, so viel Klang, Kraft und Lautstärke aus diesem vermeintlich „leisen“ Instrument herauszuholen.

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