Mit viel Herz und Virtuosität

Dominic Chamot spielt Beethoven, Debussy und Rachmaninow im Musikstudio Gabriele Paqué


(nmz) -
Zum Abschluss der Klavierreihe „Klavier, Klavier und nochmals Klavier“ spielte sich der erst 18 Jahre alte Dominic Chamot am 13. Juli mit seinem musikalischen und kompetent-technischem Spiel in die Herzen der Zuhörer. Diesen Namen sollte man sich für die kommenden Jahre merken.
Ein Artikel von Gabriele Paqué

In der ersten Hälfte seines Programms trug Chamot die Sonate Nr. 15 op. 28 „Pastorale“ von Ludwig van Beethoven vor. Bereits der 1. Satz (Allegro) ließ aufhorchen. Klanglich klar in seiner Aussagekraft und sehr reif in der Interpretation. Das Publikum wurde sofort in den Bann des Zuhörens gezogen und durch den Klang und der klanglichen Fülle der Musik vollkommen verzaubert. Im 2. Satz (Andante) besticht Chamot mit seiner deutlichen Artikulation, was sich in dem sauberen Spiel, das klar und durchlässig wirkt, zeigt. Die gegensätzlichen Motive wurden klanglich sehr gut herausgearbeitet und die kompositorischen Pausen in eine für den Zuhörer „entsetzliche“ Spannung und Ruhe zugleich umgesetzt. Es war ein wahrer Ohrenschmaus für alle, denn Chamot konnte die unterschiedlichen  klanglichen Facetten des Stückes am Instrument hervorragend herausarbeiten. Der dritte Satz, ein Scherzo, wurde von Chamot souverän gemeistert. Im vierten Satz (Rondo, Allegro) spielte er sehr schön den 6/8 Takt mit dem bordunartigen Swing heraus. Die arpeggierten Akkorde wirkten fast betörend auf den Zuhörer, überhaupt wurde dieser Satz von der Wiedergabe her sehr inspiriert und reif gespielt. Die Ähnlichkeit mit einer Pastorale wurde am Schluss des Satzes sehr deutlich vermittelt.

„Images“ (Bilder) komponierte Claude Debussy zwischen 1904 und 1907 in zwei Folgen zu je drei Kompositionen. Chamot spielte zwei Stücke aus dieser Sammlung: „Reflets dans l´eau“ und „Hommage à Rameau“. Im erstgenannten Stück konnte er sehr deutlich durch die mit der rechten Hand gespielten Läufe die hochpeitschende Wellenfiguren suggerieren, wobei Eindrücke von Licht und Wasser entstanden. Für den Zuhörer war es möglich, sich mit geschlossenen Augen die spielerisch suggerierten Lichtreflexe auf der Wasseroberfläche vorzustellen. Chamot spielte nachdenklich und traumhaft schön. Debussy hätte seine Freude gehabt. Auch bei der „Hommage à Rameau“ zeigte er sein interpretatorisches Können. Er spielte hier sehr introvertiert, versonnen, in sich ruhend, ausdrucksvoll, die impressionistischen Klänge berührend vor, so dass man sich in eine andere Zeit versetzt fühlte. Dieses Werk spielte er mit größter Aufmerksamkeit für die Harmonien und die Struktur des Stückes. Eine große Klanglichkeit der Musik stand zentral in seinem Vortrag, die er mit innerer Größe und Ausgewogenheit wiedergab.

Bei den „Études-Tableaux“ (Bilder-Etüden) von Sergej Rachmaninoff geht es in erster Linie um die Verschmelzung der virtuosen Konzertetüde mit einer Tondichtung für Klavier. Chamot hatte sich fünf Étüden vom op. 39 herausgesucht. Diese Etüden passten kompositorisch und klanglich hervorragend zu dem „Kaps“ Flügel von 1875, der von Frits Janmaat (Amsterdam) und Egon Zähringer (Köln) restauriert worden war. Die erste Etüde (Allegro agitato Nr. 1) trug er mit Intensität und viel Emotion vor. Die Wellenbewegung der Läufe am Anfang des Stückes machte den Zuhörer mit den typischen Klängen sowie der Virtuosität Rachmaninoffs vertraut. Die zweite (Lento assai Nr. 2) Etüde war wie eine Bildmalerei, vorgetragen mit musikalischen Mitteln. Man konnte sich dem nicht entziehen. Erst ruhig, verträumt und dahinströmend, dann scheint es, als ob sich das Meer aufbäumt und wieder ruhiger wird. Die Suggestion eines Gemäldes wurde perfekt in Musik umgesetzt. Die dritte Etüde (Allegro Nr. 6) spielte Chamot mit großer Virtuosität und innerer Überlegenheit. Bei seinem Spiel fühlte man die Betroffenheit und das Engagement für dieses Werk. Die vierte (Lento Nr. 7) Etüde stellte Chamot mit seinen Läufen und Akkorden vor großen technischen Aufgaben, die er wunderbar meisterte, während er die klangliche Vielfalt im Auge behielt. Bei der fünften (Allegro moderato Nr. 9) Etüde zeigt Chamot noch einmal alles was in ihm steckt. Schon bei den ersten Tönen kam sein leidenschaftliches Spiel voll zum Tragen – die ruhigen Passagen wurden dagegen kontrolliert und mit innerer Ruhe gespielt. Wo holt dieser junge Mann das her? Er spielt so, als wären die Töne gerade aus ihm heraus entstanden. Sicher wird er mit diesem Spiel in Zukunft noch viele Zuhörer in den Konzertsälen begeistern.

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