unüberhörbar 2013/09

Besondere Aufnahmen


(nmz) -
Paul Hindemith: Violinkonzert; Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 2; Sonaten für Violine und Klavier in Es op. 11 Nr. 1, in E (1935) und in C (1939) +++ Robert Schumann: Dichterliebe +++ Théodore Gouvy. Piano Trios no. 2–4 (Voces Intimae)
Ein Artikel von Mátyás Kiss, Michael Kube, Wolf Loeckle

Paul Hindemith: Violinkonzert; Sonate für Violine solo op. 31 Nr. 2; Sonaten für Violine und Klavier in Es op. 11 Nr. 1, in E (1935) und in C (1939). Frank Peter Zimmermann, Violine; Enrico Pace, Klavier; HR-Sinfonieorchester, Paavo Järvi, BIS SACD BIS-2024

Zimmermanns tiefe Vertrautheit mit dem seit David Oistrach kaum gepflegten Violinkonzert zahlt sich in Form einer neuen Referenzinterpretation aus. Mit den angehängten, leider unvollständig eingespielten Violinsonaten liefert er endlich ein Gegenstück zur legendären Aufnahme der Violasonaten durch Kim Kashkashian (1988). Spielmusik? Das auch. Aber vor allem: zeitlose, das lyrische Potential des Instruments unsentimental auslotende Geigenliteratur in bestmöglicher Aufbereitung und Darbietung.
Mátyás Kiss

Robert Schumann: Dichterliebe; Jan Vogler, Violoncello; Hélène Grimaud,  Klavier; Moritzburg Festival Ensemble, SONY 88697892582

Es gibt da vereinzelte Instrumente, denen innigliche Nähe zur menschlichen Stimme nachgesagt wird. Das Violoncello ist eines von ihnen. Und Jan Vogler ist einer seiner feinsten Meister. Er wagt sich an Schumanns Dicherliebe. Ohne Heinrich Heine? Ob das gelingen kann? Zusammen mit der wundervollen Hélène Grimaud gelingt hier ein Wunder an Aura pur. An Zärtlichkeit. An analytischer Reinheit in der textfreien Zone. Schumanns eigene Verletzlichkeit wird uns in seiner Musik immer auch als unsere eigene ergreifend vorgeführt. Ohne eingreifende Veränderung in den Notentext der einzelnen Mini-Dramen erschliesst sich hier Vieles über die Unabhängigkeit der Musik vom Text. Den abschliessenden Gesang „Die alten, bösen Lieder“ begreift Jan Vogler als Abgesang auf ein ganzes Leben. Hier liegt der Schlüssel zum Schumann-Verständnis insgesamt. Inklusive gerade auch der Klaviernachspiele. „Ausdrucks-Sehnsucht und Hellsichtigkeit, eingebettet in tiefe Melancholie“ markieren die unverrückbare Position Robert Schumanns. Unbedingt hören. Immer wieder.
Wolf Loeckle

Théodore Gouvy. Piano Trios no. 2–4 (Voces Intimae) Challange CC 72571 (2 CDs) (New Arts International).

Er würde heute als Europäer gelten – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber geriet Théodore Gouvy (1819–1898) als gebürtiger Grenzgänger zwischen dem Saarland und Lothringen zusehends zwischen die Fronten der von außen in die Musikgeschichte hineingetragenen deutsch-französischen Ressentiments. Kompositorisch auf eigenen Beinen stehend, konnte er es keinem Recht machen: Den einen erschien er zu gefällig, den anderen zu gründlich. Erst heute wird seine Musik wieder entdeckt – neben den Sinfonien sind es nun auch die Klaviertrios. Hier gelang Gouvy auf hohem Niveau der schwierige Spagat zwischen den Forderungen des bürgerlichen Salons und dem Anspruch intimer Kammermusik – vor allem in den beiden 1857 gedruckten op. 18 und 19. Unverständlich nur, warum das den Ton der Werke so wundervoll treffende Ensemble Voces Intimae die Nr. 1 und Nr. 5 ausgelassen hat – zumindest ein Stück hätte noch bequem  Platz gefunden.
Michael Kube

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