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Alle Artikel kategorisiert unter »Gerhard R. Koch«

Mit absolutem Gehör und Lust am Experimentellen

09.06.10 (Gerhard R. Koch) -
Dass Streichquartette sich umgruppieren, ist üblich. Anders ist dies bei Klavier-Duos. Natürlich haben sich Stars zum ad-hoc-Spiel zusammengetan, wichtiger indes waren die stabilen Formationen, nicht selten Brüder oder Schwestern, sogar Zwillinge: Vertrautheit von Kind an, womöglich genetische Parallelen, auch dieselben Lehrer dienten spielerischer Symbiose, ja reflexhafter Synchronität – wichtig bei einem „Schlaginstrument“, wo Sekundenbruchteile übers „Klappern“ entscheiden.

Im Feedback stark

09.06.10 (Gerhard R. Koch) -
Von den 50er- bis in die 80er-Jahre galt Köln quasi als Mekka Neuer Musik wie Bildender Kunst. Überragende Komponisten mit ihren Schulen rivalisierten: Bernd Alois Zimmermann, Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel, auch Hans Werner Henze. Unter dem Dach des mäzenatisch potenten WDR mit seinem Elektronischen Studio gab es zudem für Vernetzer, Abweichler und Quergänger mancherlei Freiräume: eine einmalige Verquickung sowohl der Künste (auch Literatur, Film, Theater) untereinander als auch globaler wie lokaler Aktivitäten, bis hin zur politischen „Straßenmusik“: ein Kunst-Bio-top voller Spannungen, Anregungen und Synergien.

Sie war weit mehr als die Muse Messiaens

09.06.10 (Gerhard R. Koch) -
Immer wieder gab es Interpreten, die für Komponisten von entscheidender Bedeutung waren – die nicht nur „authentisch“ deren Werke aufführten, sondern sogar an deren Zustandekommen beteiligt waren, ja geradezu zum ko-kreativen Alter Ego wurden. So ist Joseph Joachims geigerisches Ingenium über den Solopart hinaus ins Brahms-Konzert eingegangen, ebenso Richard Taubers Tenorschmelz in Lehárs Operetten. Kaum zu überschätzen ist auch die aktive Identifikationsübertragung Dietrich Fischer-Dieskaus bei nicht wenigen bedeutenden Werken seit den fünfziger Jahren; nicht zuletzt fast im Sinne eines vexierbildhaften Dreifachporträts des Großdichters Gregor Mittenhofer alias Hans Werner Henze wie Fischer-Dieskau in Henzes „Elegie für junge Liebende“. Ähnliches gilt für Reimanns „Lear“. Und die livelektronischen, mikrotonalen und Raumklang -erkundungen des späten Nono wären ohne die Mitwirkung von Hans-Peter Hallers Freiburger Experimentalstudio so zumindest nicht fruchtbar geworden.

Im Fruchtland der Musik

28.03.10 (Gerhard R. Koch) -
Künstler, Autoren, aber auch Organisatoren sollten – so heißt es – möglichst wenig öffentlich in Erscheinung treten, ja am besten fast unsichtbar bleiben. Aus ihrer Arbeit in der Abgeschiedenheit oder hinter den Kulissen erwüchsen Legitimität wie Effizienz ihres Tuns. Man mag dies als rigiden Asketismus empfinden, als abstraktes Ideal oder auch nur frommen Wunsch – zumal in einer visuell dominierten Medienwelt. Gleichwohl gibt es etwa Komponisten, Theoretiker, Literaten oder Publizisten, die man als leibhaftige Person – bei Talkshows, auf Podien oder Fotos – kaum kennt; sie wirken im Hintergrund. Während andere wieder schier ubiquitär im Bild auftauchen. Doch gibt es auch den Typus des Intellektuellen, der bei aller Zurückgezogenheit auf die Sache in bestimmten Situationen fast sprichwörtlich zeremoniell auftritt, die sachdienliche Mitteilung zur Szene macht. Und dies fast so sehr, dass man ihn fast mit einer Theaterfigur assoziiert, wenn nicht identifiziert; ja unter Gleichgesinnten die Lust entfacht, ihn entsprechend zu besetzen.

Sprengsätze in Hohlräumen von Tradition und Körper: Dieter Schnebel zum Achtzigsten

13.03.10 (Gerhard R. Koch) -
Hauptwerk der Donaueschinger Musiktage 1992 war Dieter Schnebels ausladend-abendfüllende „Sinfonie X“. Wobei der Titel gleichermaßen nostalgische Beschwörung erhabener Tradition als auch radikale Utopie verhieß. Verwies doch der Buchstabe X auf die Fragment gebliebene „Zehnte“ des von Schnebel überaus verehrten Gustav Mahler als verzweifelte Grenzüberschreitung des klassisch-romantischen Mehrsätzers.

Es stürmt in einem fort

06.02.10 (Gerhard R. Koch) -
Shakespeare und kein Ende. Seit über zwei Jahrhunderten bewegt der elisabethanische Dramatiker nicht nur die Theater, sondern auch die Musikwelt – zumal nach Beethovens Ausspruch „Lesen Sie nur Shakespeares Sturm“, zu seiner d-Moll-Klaviersonate op. 31 Nr. 2. Und auch im vergangenen Jahrzehnt sind seine Stücke immer wieder adaptiert worden: so „Richard III“ von Giorgio Battistelli, „Hamlet“ von Christian Jost. Kaum minder treibt „The Tempest“ die Komponisten an und um.

Musik denken

09.12.09 (Gerhard R. Koch) -
Goethe hat seine Forderung: „Bilde Künstler, rede nicht“ zwar hinlänglich selbst widerlegt; gleichwohl hat der Satz seit jeher fatal die ästhetische Reflexion belastet, ja diskreditiert. Dabei haben gerade die Komponisten, Vertreter einer angeblich „sprach“-, erst recht „begriffslosen“ Kunst, schon seit der Renaissance über ihr Tun und seine Voraussetzungen nachgedacht: Schumann, Berlioz, Liszt, Wagner, Debussy, Busoni, Boulez, Nono, Henze, Schönberg, Stockhausen, Ligeti, Kagel, Ruzicka, Klaus Huber, Lachenmann und Wolfgang Rihm waren und sind als Theoretiker und Ästhetiker unverändert präsent. Ganz abgesehen von dem mehrere Generationen bis heute prägenden Einfluss Adornos, dem es darum ging, die fundamentalen Schwierigkeiten des Komponierens – also auch jeglicher Kunst – aus aktueller Sicht wie der eines imaginär utopischen Komponisten zu ergründen: ästhetische Theorie als produktiv kritischer Spiegel jeglicher Praxis – sofern diese nicht nur als begriffsloses „Machertum“ verstanden wird. Hegels These von der „Eule der Minerva“, die ihren Erkenntnis stiftenden Flug erst in der Dämmerung der festen, allzu festen Systeme wie Sachverhalte beginne, ist aus der Kunst der Moderne nicht wegzudenken.

Versuchsanordnungen – mehrdimensional

13.11.09 (Gerhard R. Koch) -
Ob es die „serielle Epoche“ wirklich gegeben hat? Pierre Boulez, lange Zeit als einer der Hauptprotagonisten, gar Hohepriester der „Darmstädter Schule“ gepriesen wie geschmäht, meinte dazu im September in Frankfurt nur lakonisch-lapidar: „Das war nur ein kurzer Tunnel.“ Wobei der Terminus schier pfiffig doppelsinnig zu verstehen war: als Situation extremer Hermetik, selbst dogmatischer Enge – aber auch als transitorische Notwendigkeit. Immerhin liegt sie bald ein halbes Jahrhundert zurück.

Halbamerikanischer Amerikaner – Elliott Carter zum Hundertsten

11.12.08 (Gerhard R. Koch) -
Heute vor 100 Jahren wurde Elliott Carter geboren. Gerhard R. Koch würdigt den amerikanischen Komponisten als: Nichtsosehramerikanisch. Carter, so Koch, „glaubte an eine transnationale, sogar transkontinentale zeitgenössische Musiksprache“. Ein Feature über den Komponisten im europäisch-amerikanischen Zusammenhang. (Vorabdruck aus der aktuellen nmz 12/2008)

Bewegung aus der Ruhe bringen

01.02.08 (Gerhard R. Koch) -

Der Tod Karlheinz Stockhausens hat noch einmal den Blick – staunend, bewundernd, selbst bestürzt – auf einen Künstlertypus gelenkt, der exemplarisch, ja epochal für den demiurgischen Anspruch stand: der egozentrisch-monoman bis in den Solipsismus hinein einzig dem eigenen Werk lebte. Wer Stockhausen seit den sechziger Jahren kannte und regelmäßig erlebte, wird in Erinnerung haben, wie relativ linear in dieser Hinsicht seine Entwicklung ver-lief. Seit den achtziger Jahren jedenfalls hat sich Stockhausen kaum mehr ernsthaft für andere Musik interessiert als die ausschließlich eigene; an der der Zeitgenossen, erst recht der Jüngeren, war ihm immer weniger gelegen. Solcherart Rigidität ist keineswegs gering zu schätzen, gehört zum Pathos des autonomen romantischen Originalgenies, ist darin zumindest smarter Kommunikationsgefälligkeit vorzuziehen. Zumal die historischen Vorbilder immerhin Richard Wagner und Alexander Skrjabin heißen.

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