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Alle Artikel kategorisiert unter »Gerhard R. Koch«

Wollust mit Frust, Jazz mit Garküche

13.11.13 (Gerhard R. Koch) -
In der Wirtshausszene von Büchner-Bergs „Woyzeck“/„Wozzeck“ sinniert der betrunkene Erste Handwerksbursche: „Jedoch wenn ein Wanderer, der gelehnt steht an dem Strom der Zeit…“ – und drückt in diesem prächtig paradoxen Bild ein Zentralproblem der Musik aus. Denn diese ist Zeit-Kunst par excellence, entspricht in ihrer ungreifbar ungegenständlichen Immaterialität Heraklits Grundfomel „Alles fließt“; während zum (sich) Anlehnen ein stabiles, dreidimensionales Widerlager – eine Wand, ein Geländer, ein Körper – gehört. Das tönende ätherische Fluidum, gar das Säuseln der „Äolsharfe“, ist, zumindest im Sinne eurozentrischer Kunstmusik, an historisch vermittelte Formen gebunden. Doch schon das abschätzige Wort „formlos“ führt als Negativ-Bestimmung ins Dilemma: Was heißt „Form“, was gar „formvollendet“?

Beethoven und die Sklaverei

28.03.13 (Gerhard R. Koch) -
Filme von einigem Anspruch haben nicht selten etwas vom multimedialen Palimpsest: Als „Gesamtkunstwerk“ verschränken sie nicht nur die Genres ineinander, sondern überkreuzen dabei auch, bisweilen sogar gegenläufig, die Anspielungsebenen, werden zu „Filmen über Filme“. Ob das die Regisseure jeweils so kalkuliert haben oder ob sich das im Kopf der Rezipienten so ergibt, ist im Sinne der synthetischen Gattung Kino kaum eindeutig zu klären.

Ein plastischer Doppelabend in Südfrankreich

04.02.13 (Gerhard R. Koch) -
„Und ewig lockt das Weib“ hieß 1956 ein Film mit Brigitte Bardot – schon mit Titel und Star ein eindeutiger Hinweis auf die unwiderstehliche Anziehungskraft genuin weiblicher Sinnlichkeit. Doch die Anspielung bleibt nicht nur auf den Sex-Appeal der Schmollmund-Ikone beschränkt, sondern lässt sich auch auf eine ganz andere, kaum minder unstillbare Begierde übertragen: das Verlangen wie Widerstreben nicht weniger Komponisten gegenüber der Erotik der Diva Oper.

Nestor der Gegenwartsmusiker – Elliott Carter stirbt im Alter von 103 Jahren

06.11.12 (Gerhard R. Koch, kiz) -
Der amerikanische Komponist Elliott Carter ist gestern, kurz vor seinem 104. Geburtstag, in New York gestorben, wie der Musikverlag Boosey and Hawkes mitteilt. Carter war einer der renommiertesten klassischen Komponisten der Moderne. Seine anspruchsvollen, rhythmisch komplexen Arbeiten brachten ihm internationale Anerkennung und zwei Pulitzerpreise ein. Die nmz würdigte in der Dezember-Ausgabe des Jahres 2008 den Komponisten anlässlich seines 100. Geburtstages. Lesen Sie hier noch einmal den Beitrag von Gerhard R. Koch:

Das Land der Oper mit der Seele suchend

08.02.12 (Gerhard R. Koch) -
Der Begriff der Postmoderne ist – selbst als historischer – von nur begrenzter Triftigkeit. Denn natürlich hätten schon die „Neudeutschen“ (Berlioz, Liszt, Wagner, Wolf, Strauss) mit diesem etwa Brahms als Abtrünnigen ihrer „Zukunftsmusik“ schmähen können: als Verräter an der Avantgarde, kompromisslerischen Sucher nach heilig-heilen Traditionsbezügen – und im Wahn befangen, die Historie halte Rettendes fürs unübersichtliche Heute bereit.

Heimat ist nur im innergalaktischen Labyrinth

05.06.11 (Gerhard R. Koch) -
„Fair is foul, and foul is fair“. So umwispern im schottischen Nebel die Hexen Macbeth; vielleicht aber sind es auch nur die verführerischen Stimmen aus dem Innersten des finsteren Helden. Entsprechend schlecht ist das Image des Mottos: nihilistischer Relativismus, Infragestellen aller Werte. Man kann das Hexen-Credo aber auch positiv sehen: als heilsame Aufforderung, sich von den obligaten Polarisierungen und rigiden Grenzziehungen zu verabschieden – gut und böse, schön und hässlich, sinnvoll und sinnlos, nützlich und unnütz, Kunst und Nicht-Kunst.

In den Hohlräumen zu singen: Aribert Reimann wird 75 und erhält den Ernst von Siemens Musikpreis

06.03.11 (Gerhard R. Koch) -
Beim Musikfest „Heidelberger Frühling“ gab es im April 2006 eine Art kompositorisches „Drei-Kaiser-Treffen“: Aribert Reimann, Wolfgang Rihm und Jörg Widmann traten da als dominierende Komponisten auf, Widmann zusätzlich noch als Klarinettist – und plötzlich schienen sie imaginär nicht nur miteinander vernetzt, sondern auch mit der Vergangenheit.

Sechzig Jahre Spiegel und Motor zugleich – was kann eine Musikzeitschrift leisten? Überlegungen zur nmz

31.01.11 (Gerhard R. Koch) -
Jubiläen bleiben heikel, zumal im Zusammenhang mit den großen „runden“ Zahlen und den entsprechenden Festivitätszwängen. Diese freilich wer­den, trügt der Anschein nicht, stetig äußerlicher: Das Absterben des Bildungsbürgertums, das man auch nicht allzu sehr glorifizieren sollte, und die zunehmende Dominanz von Kommerz und Medien, die man ebensowenig pauschal verteufeln sollte, haben den traditionellen Kulturbegriff ausgehöhlt. [Vorabveröffentlichung aus nmz 2-11]

Sechzig Jahre Spiegel und Motor zugleich

29.01.11 (Gerhard R. Koch) -
Jubiläen bleiben heikel, zumal im Zusammenhang mit den großen „runden“ Zahlen und den entsprechenden Festivitätszwängen. Diese freilich wer­den, trügt der Anschein nicht, stetig äußerlicher: Das Absterben des Bildungsbürgertums, das man auch nicht allzu sehr glorifizieren sollte, und die zunehmende Dominanz von Kommerz und Medien, die man ebensowenig pauschal verteufeln sollte, haben den traditionellen Kulturbegriff ausgehöhlt. Dem Kult um die „höchsten Werte“, „größten“ Werke und Namen haftet mehr und mehr etwas Hilfloses an. Selbst CDU und CSU tun sich immer schwerer damit, zu definieren, was sie eigentlich unter „konservativ“ oder „Tradition“ verstehen sollen und wollen, was ihnen das ominöse „C“ im Parteinamen bedeutet. Zu mehr als Sonntagsreden-Lippenbekenntnissen jedenfalls reicht es kaum mehr. Vielleicht ist das auch ganz gut so.

Mythen-Manie ohne Ende – und ewig girrt das Weib

06.09.10 (Gerhard R. Koch) -
Seit 1920 existieren die Salzburger Festspiele, deren Gründer-Trio Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss, Max Reinhardt sich sehr wohl dessen bewusst war, dass Zeit und Ort höchst sig­nifikant gewählt waren. Gerade nach den Zerstörungen, Verwerfungen, Verunsicherungen durch den Ersten Weltkrieg, den Krisen von Nation, Thron und Altar, dem Ende von Donaumonarchie, Wilhelminismus und Zarentum und der alten Ordnungen galt es, ein Zeichen zu setzen: Im Zentrum des „christlichen Abendlands“, ja in dessen katholischer „Mitte“, sollte ein temporäres kulturelles, wenn nicht kultisches Sammelbecken höchster, edelster geis­tiger Werte und Kräfte geschaffen werden.
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