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Alle Artikel kategorisiert unter »Gerhard R. Koch«

Vor- und rückwärts im Nicht-Gleichschritt

29.10.19 (Gerhard R. Koch) -
Kommt man zurück aus Donaueschingen, so erwarten einen oft die obligaten Fragen: Was gab es Neues, was war das herausragende Werk, wofür steht es, wie wird es weitergehen, wohin führt langfristig die Entwicklung? Und skeptisch wird man beäugt auf die Antwort hin: So einfach ließe sich das nicht sagen, Prognosen, gar Prophezeiungen blieben allemal riskant. Zudem: Noch in den Achtziger Jahren gab es Berichte über Donaueschingen, auch die Film-Festivals in Cannes oder Venedig, bei denen ein Werk als epochal herausgestellt wurde, die anderen mehr oder minder Beiwerk waren. Derlei hatte den Vorzug der Entschiedenheit – auf Kosten perspektivischer Verengung.

Dirigent Michael Gielen im Alter von 91 Jahren gestorben

09.03.19 (dpa) -
Der deutsch-österreichische Dirigent und Komponist Michael Gielen ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Wie seine Familie dem öffentlich-rechtlichen SWR am Freitag mitteilte, starb Gielen in seinem Haus in Mondsee in Österreich. Gielen leitete von 1986 bis 1999 das Sinfonieorchester des SWR. Er gehörte mit seinem umfangreichen Repertoire von Bach bis zur Moderne, von sinfonischer Literatur bis zur Oper, zu den wichtigen Dirigenten der Gegenwart. (Wir haben für Sie einige Texte zu Gielen aus der neuen musikzeitung von Gerhard Rohde, Gerhard R. Koch und Wolf-Dieter Peter für Sie zusammengestellt).

Aufstieg eines Untergehers, Partnerschaft der Maschine

02.11.18 (Gerhard R. Koch) -
Natürlich unterliegen auch die Donaueschinger Musiktage dem jährlichen Ritual-Turnus – analog zu Weihnachten und Ostern, oder den Bayreuther und Salzburger Opern-Pres­tige-Events. Nietzsches Formel von der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ findet darin ebenso untilgbar ihre Bestätigung – lapidar lautet sie: „Nichts Neues unter der Sonne!“. Aber was wäre Kontinuität ohne die gelegentliche Abweichung: „keine Regel ohne Ausnahme“. So gab es auch diesmal, verblüffend für den jahrzehntelangen Festival-Pilger, gleich drei unerwartete Neuerungen, eine mehr zum Populären, eine mehr zum Erhabenen hin, die dritte im Zeichen revisionistisch wiedergutmachenden Avantgarde-Archäologie.

Vom neuen Geist im alten Material

12.07.18 (Gerhard R. Koch) -
Was ist Musik? „Alles, was nicht nur Gymnastik ist“, definierte fröhlich resigniert der Wiener Komponist und Pianist Otto M. Zykan. Und zielte damit satirisch auch auf den choreographischen Zirkus mancher Pultstars, nicht aber auf das Sichtbare des Tönenden im Theater. Was aber ist ein Dirigent?

Der Anti-Kaiser

09.03.18 (Gerhard R. Koch) -
Was war, was ist ein Musik-Kritiker, was sollte er sein, was wird er sein – oder vielleicht auch nicht (mehr)? Die Frage mag nach einer leicht scholastisch gefärbten Gleichung mit gar vier Unbekannten klingen. Ganz inaktuell indes ist sie nicht. Denn die Gesellschaft wandelt sich, analog der Kulturbegriff, also auch der Kulturbetrieb – und nicht minder die Medienlandschaft, das Leseverhalten wie die ökonomische Situation der Print-Institutionen.

Idyllen, Inferno und mancherlei Rätselhaftes

03.11.17 (Gerhard R. Koch) -
„Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ – in diesem schönen frühen Film (1968) Alexander Kluges, dessen Kino-Kunst leider kaum mehr sonderlich präsent ist, will die Zirkus-Erbin Leni Peikert mit ihrem „Reform“-Unternehmen, inklusive Elefanten auf dem Hochseil, übers „Gebirge“ ziehen, um das Genre authentisch zu erhalten: „Menschen, Tiere, Sensationen“ zu höherem, lauterem Zweck präsentieren. Doch die ganz große Utopie misslingt, es bleiben die kleinen Schritte auf dem langen Marsch durch die Institutionen.

Stiller Aufrührer und Vaterfigur

29.08.17 (Gerhard R. Koch) -
Das Image des Streichquartetts ist seit jeher gespalten. War es als Diskurs gleichberechtigter „Vernünftiger“ zunächst ein aufklärerisch-demokratisches Modell intensiver musikalischer Kommunikation, so wurde das Genre später zum Inbegriff kammermusikalischer Intimität, ja, zumal in Deutschland, bildungsbürgerlich elitärer Kunst-Erhabenheit. Wer bevorzugt Quartett spielte oder hörte, setzte sich ab von der „Masse“ derer, die es lieber mit zirzensischer Virtuosität, spätromantischem Orchester-Schwall und opulent-kulinarischem Opern-Applomb hielten. Bei Kammermusik-Abenden traf man denn auch in der Regel auf ein eher älteres, gewiss kenntnisreiches, aber auch konservativ abgeschottetes Publikum. Gleichzeitig war das Quartett aber auch die Experimentier-Kammer der Komponisten – von Beethoven über Bartók und die Wiener Schule bis zu Ligeti, Nono, Lachenmann und Ferneyhough.

Sympathisant und Protagonist des Neuen

29.08.17 (Gerhard R. Koch) -
Ein giftiges Bonmot lautete: Kunst-(also auch Musik-)Wissenschaft, hieße so, weil sie weder mit Kunst noch Wissenschaft zu tun habe. Ähnliches ließe sich von manchen Kulturpolitikern sagen, denen es sowohl an ästhetischer Empathie gebricht, als auch an Macht, sprich Geld. Ähnlich löst das Wort „Kulturmanager“ widerstrebende Gefühle aus, lässt es doch an Technokraten denken, denen es mehr um das Wie des administrativen Procedere geht als um das Was der Kunst. Institution, Organisation, Finanzierung, Legitimierung von Nicht-Profitablem oder aber Nicht-„sozial Relevantem“ sind deren Hauptprobleme. Sie zu ignorieren, ist nicht ratsam, will man innerhalb des bestehenden „juste milieu-Systems bestehen.

Am Lichte hängt doch alles

30.06.17 (Gerhard R. Koch) -
Dass wir im „optischen Zeitalter“ leben, ist zunächst eine Banalität. Natürlich waren auch die gotischen Kathedralen Licht-Kunstwerke, und die Barock-Kunst stand im Zeichen der Illusion. Aber erst die Elektrizität hat die allumfassende Beleuchtung ermöglicht – in Alltag, Reklame und Film. Entsprechend schrumpfen schon die Räume, in denen es nachts völlig dunkel wird. Ja mehr noch: Wirklichkeitserfahrung verlagert sich für nicht wenige auf‘s Virtuelle des Displays. Wohin also mit ästhetischen Visionen?

Rückzug ins neunzehnte Jahrhundert 

09.06.17 (Gerhard R. Koch) -
Vor dem Hintergrund einer durch innenministeriale Wortmeldungen einmal mehr angefachten Diskussion um eine so genannte „deutsche Leitkultur“ lohnt es sich, auch einen genaueren Blick auf Tendenzen der Geisteswissenschaften zu richten. Deren Prominenz, so die These unseres Autors Gerhard R. Koch hängt einem immer engeren National-Kultur-Ideal nach.
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