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Alle Artikel kategorisiert unter »Helmut Hein«

Nachschub

01.09.01 (Helmut Hein) -

„Revenants“, das sind Wesen aus dem Horror-Kosmos: Untote, Wiedergänger; Gespenster, die keine Ruhe geben können, weil es da noch etwas Unabgegoltenes gibt. Im Pop-Kontext spricht man gern, harmloser, von „Revival“. Aber Revivals sind etwas anderes: Dinge, die niemand braucht; außer denen vielleicht, die ihre Miete bezahlen müssen.

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01.07.01 (Helmut Hein) -

Man könnte es auch zynisch betrachten: Der beste Star ist der Anti-Star. Am meisten Beachtung findet der, der sich verweigert oder zumindest rar macht. Die suggestivste PR-Strategie ist die, die sich permanent selbst dementiert. Aber vermutlich meint es Thom Yorke genauso bitterernst wie Kurt Cobain: Er will den Erfolg, aber nicht seinen Preis. Er will für die Kids all over the world und ein paar versprengte bohemienistische Intellektuelle der Held ihrer Wünsche sein – und scheut dann doch davor zurück: keine Macht für niemand; dafür Subversion, ewige Revolte, eine „Suche“, die sich nie zufrieden gibt und ein Festhalten an Idealen, von deren Unmöglichkeit man sich längst überzeugen konnte. Wie Nirvana nach „Nevermind“, versuchte auch Radiohead nach dem 97er-Mega-Seller „OK Computer“ einen Erfolg zu unterlaufen, der ihnen selbst unheimlich war, weil er Kommerz und Kult zu verbinden schien. Die, die nur Teil einer Jugendbewegung sein wollten, waren plötzlich die Mitte der Welt, Cash-Kühe für die Industrie und role-models für alle, die das eigene Leben gern delegieren und als pure „substitutes“ ihrer Heroen konsumieren. Aber die Wurzellosigkeit eines globalisierten Erfolgs erzeugt einen regressiven Impuls: Cobain wollte zurück „in utero“, Thom Yorke zumindest zur Peripherie, wo er herkam und wo alles Neue sich ereignet.

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01.06.01 (Helmut Hein) -

Natürlich ist die Tatsache, dass man schon seit Jahrzehnten im Geschäft ist, immer beides: kulturelles Kapital und schiere Last. Denn Pop ist die Mythen schaffende und destruierende Lust an der ewigen Wiederkehr des Gleichen und die Feier der puren Beschleunigung, des Immer-wieder-neu-Seins, der rückhalt- und voraussetzungslosen Jugend als dem Geheimnis der Gegenwart.

Die sanfte Macht der leisen Töne

01.06.01 (Helmut Hein) -

Das Pop-Business gehorcht denselben Regeln wie einst die Avantgarde mit ihren permanenten Tabubrüchen und „Revolutionen“: Zuerst wird, von den Rändern her, aus dem „Underground“ der Jugend- und Subkulturen, ein neuer, alles bisherige umwerfender Kode oder Stil instituiert, der aber im besten Fall rasch selbst zur Norm und Regel wird, sich in der Wiederholung erschöpft und schließlich durch einen weiteren, „unerhörten“ ersetzt werden muss.

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01.05.01 (Helmut Hein) -

Geschichten über Frauen im Pop-Business sind immer noch Opfer-Geschichten. Aber sie enden nicht mehr so oft und vor allem nicht mehr so leicht und selbstverständlich tragisch wie in der Ära der großen Jazz-, Blues- und Soul-Queens, die über kurz oder lang in der Gosse oder im Grab landeten. Die Opfer-Geschichten werden jetzt von den Frauen selbst erzählt und sie sind nur das Vor-Spiel einer vertrackten Erfolgsgeschichte, bei der man nicht so genau weiß, ob sie tatsächlich der Emanzipation und geänderten Geschlechts- und Geschäfts-Verhältnissen dient oder doch nur den Renditewünschen der renovierten Traum-Fabriken des 21. Jahrhunderts. Sind die Frauen im Pop souverän geworden – oder wurde Cinderella nur ein neues Outfit verpasst?

Der Papst wird zum Pop-Star

01.05.01 (Helmut Hein) -

Thomas Groß: Berliner Barock. Popsingles, edition suhrkamp

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01.04.01 (Helmut Hein) -

Natürlich ist Kunst Kode: ein Reich der Zeichen, das nicht die Welt selbst, sondern ihr Reflex ist; künstlich, also hergestellt; virtuell, also ohne „eigene“ Schwerkraft und Tragik, flirrend und voller Referenzen auf alles, was es sonst noch gibt. Ihr Innerstes aber ist das Gegenteil von Kode: Physiologie und Physiognomie; der ganze Apparat an Wünschen und Ängsten, Gesten und Dramen, der ewig zu sein scheint und doch Produkt von Evolution und Geschichte ist.
Johnny Cash, der schon mehrere Leben und Karrieren hinter sich hat, der längst eine Ikone mit mehreren Identitäten ist, weiß, dass alles von weit her kommt und viele Voraussetzungen hat. Auf „Solitary Man“ (American Recordings/Columbia), dem gefeierten Abschluss der Americana-Trilogie, die sich seiner Kooperation mit dem Produzenten Rick Rubin verdankt, singt er davon, dass es Songs schon gab, lange bevor irgend jemand etwas von Radio wusste – von MTV und Napster ganz zu schweigen! – und dass die Liebe nicht mit Mr. Cash auf die Welt kam und auch nicht mit ihm verschwinden wird. Johnny Cash beschreibt die dunkle „backside“ von Niklas Luhmanns „Liebe als Passion“: love, devotion, surrender nicht als Gesellschaftsspiel und Zeichensystem, sondern als das Schicksal roher Körper und reiner Seelen.

Ein Beatnik auf dem Bauernhof

01.04.01 (Helmut Hein) -

Zwei Jahre ist es her, da standen Robert Forster und Grant McLennan auf der improvisierten Bühne des Roten Salons der Berliner Volksbühne und spielten vor einem insiderischen Publikum alte Go-Betweens-Songs: eine zum Kult mutierte Mini-Band aus der Post-Punk-Frühzeit, die „aus allen Zeiten herausgefallen“ war (was die „taz“ durchaus als Kompliment meinte), an Frank Castorfs Zeitgeist-Drehscheibe am Rosa-Luxemburg-Platz. Allen, die damals dabei waren, schien diese Reunion etwas Einmaliges; die Berichterstatter zitierten zustimmend das coole Go-Betweens-Auflösungs-Statement von 1989, sie hätten ihre Dekade gehabt, die 90er seien nicht mehr ihre Zeit.

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01.03.01 (Helmut Hein) -

Alles, was wir von der Welt wissen, sagt der Soziologe Niklas Luhmann, wissen wir über Medien. Das ist ein wenig zugespitzt – und so ins logische Paradox getrieben: denn wo es überhaupt nichts „Primäres“ mehr gibt, kann es auch nicht „sekundär“ vermittelt werden. Aber es formuliert recht treffend eine Grunderfahrung der Post-Moderne der sogenannten Informations- und Wissensgesellschaft und auch eine verbreitete ästhetische Strategie. Kunst ist nicht mehr Ausdruck oder Schöpfung, das Darstellen und Herstellen von etwas, das es so noch nicht gab; sie wird reflexiv; sie bezieht sich auf ein Anderes, das sie bricht und bearbeitet, vielleicht auch nur verschiebt und montiert. Kunst ist natürlich weiterhin (Arbeit an der) Form, aber der Materialcharakter, das Zitieren und Thematisieren dessen, was in sie eingeht und sie mitkonstituiert, wird immer wichtiger.

Ethnografische Expedition in eine fremde Welt

01.03.01 (Helmut Hein) -

Das neue Hörspiel der 60er- und 70er- Jahre, das weg wollte vom Radio-Theater ohne Bild und vom dialogisierten Prosa-Text, ist mittlerweile auch schon Geschichte. Neuere Formen reflektieren noch radikaler das Medium und seine Geschichte – und suchen neben dem Rundfunk andere Formen des Erscheinens, vom Live-„Event“ bis zur Compact Disc.

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