10.4.2022: Veranstaltungen aktuell +++ Veranstaltungen


10.04.22 -
Benefizkonzerte für die Ukraine in der Hamburger Elbphilharmonie +++ Salzburgs Osterfestspiel-Chef: Kunst mit Haltung ohne Vereinnahmung +++ Thüringer Bachwochen mit virtueller Version von Weimarer Schlosskapelle +++ Ruhrfestspiele öffnen ganz - Ukraine-Band als Botschafterin im Krieg
10.04.2022 - Von dpa, KIZ

Benefizkonzerte für die Ukraine in der Hamburger Elbphilharmonie

Hamburg (dpa/lno) - Mit zwei Benefizkonzerten zeigt die Hamburger Elbphilharmonie ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Am Dienstag (12. April) gestalten das NDR Elbphilharmonie Orchester, das Ensemble Resonanz und das NDR Vokalensemble erstmals ein gemeinsames Programm, teilte das Konzerthaus mit. Es erklingt Musik von Benjamin Britten, Robert Schumann und Peteris Vasks, außerdem ein Stück der ukrainischen Komponistin Hanna Havrylets sowie ein Werk ihres Landsmanns Valentin Sylvestrov: Sein «Prayer for Ukraine» entstand 2014 nach den blutig niedergeschlagenen Bürgerprotesten auf dem Majdan-Platz in Kiew.

Am Montag (11. April) spielt das Elbphilharmonie Publikumsorchester ein eigenes Benefizkonzert. Das ausschließlich aus Amateuren bestehende Orchester präsentiert Musik von Johann Sebastian Bach, Edgard Varèse, Igor Strawinsky und Piotr I. Tschaikowsky. Alle Mitwirkenden verzichten auf ihr Honorar, die Ticketeinnahmen gehen zu 100 Prozent an die Nothilfe Ukraine der «Aktion Deutschland Hilft». Beide Konzerte sind bereits ausverkauft.

 

Salzburgs Osterfestspiel-Chef: Kunst mit Haltung ohne Vereinnahmung

Salzburg (dpa) - Haltung in der Kunst ist aus Sicht des Chefs der Osterfestspiele Salzburg nicht nur angesichts aktueller Krisen gefragt. Man müsse den Kulturschaffenden aber zugestehen, dass sie sich mit künstlerischen Mitteln äußern statt sich politisch vereinnahmen zu lassen, sagte Intendant Nikolaus Bachler vor Beginn des Festivals am Samstag. «Die Kunst ist keine Bürgerinitiative», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Osterfestspiele 2022 markieren eine Zeitenwende. Zum einen ist es die letzte Saison mit dem Dirigenten Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die das Festival seit 2013 als künstlerischer Leiter und als Stammorchester prägten. Zum anderen finden die Festspiele vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine statt. Im Unterschied zu anderen Veranstaltern kam man in Salzburg jedoch nicht in Verlegenheit, sich für oder gegen Auftritte prominenter russischer Künstler entscheiden zu müssen.

Auf dem Programm stehen Wagners Oper «Lohengrin» in einer Neuinszenierung von Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito sowie Schostakowitschs siebente Symphonie, die er teils in Leningrad während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg schrieb. Das Publikum werde merken, «dass es im Moment wahrscheinlich kein richtigeres Werk gibt», sagte Bachler. Doch das Werk sei weit über die Ukraine hinaus von Bedeutung. «Wir werden zwar jetzt auf diesen Konflikt fokussiert, der derzeit stattfindet, aber es gibt permanent Krieg». Brennpunkte wie Afghanistan, Syrien oder die ukrainischen Gebiete Krim und Donbass hätten in der Vergangenheit offenbar nicht interessiert, kritisierte er.

Aus Bachlers Sicht sollten Kulturveranstalter künftig sorgfältigere ethische Überlegungen zu ihren Sponsoren anstellen und sich mehr Gedanken über die Umwelt machen. «Der internationale Kunstbetrieb ist kein nachhaltiger Betrieb, das muss man ganz eindeutig sagen», meinte er. Statt kurzen Engagements mit vielen Flugreisen sollte es mehr kontinuierliche Zusammenarbeit mit Künstlern geben.

Ab 2023 setzt das Festival auf jährlich wechselnde Gastdirigenten und Orchester. Den Anfang machen Andris Nelsons und das Gewandhausorchester Leipzig.

 

Thüringer Bachwochen mit virtueller Version von Weimarer Schlosskapelle

Weimar/Erfurt (dpa/th) - Mit einem nahezu so prall wie in Vor-Pandemie-Zeiten gefüllten Programm gehen die Thüringer Bachwochen in ihren 30. Jahrgang. Bis zum 1. Mai sind nach Angaben der Organisatoren rund 40 Konzerte, Stadtrundgänge und weitere Veranstaltungen geplant. Virtuell lässt das bedeutendste Barockmusikfestival in Thüringen dabei auch die Schlosskapelle in Weimar als Wirkungsstätte des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) auferstehen. Die Bachwochen sollten am Samstagabend mit einer szenischen Aufführung von Bachs Johannes-Passion im Theater Erfurt eröffnet werden.

Besonderheit des Festivals ist die Verbindung von Barockmusik und Bach-Kompositionen mit zeitgenössischen Werken, die an authentischen Wirkungsstätten des Komponisten in Thüringen aufgeführt werden. Dazu gehören unter anderem Eisenach, Arnstadt, Erfurt und Weimar. In der Weimarer Schlosskapelle hatte Bach als Hoforganist einen Großteil seiner Orgelwerke komponiert. Für die Bachwochen ist eine virtuelle Version entwickelt worden. Mit Spezialbrille und Kopfhörer ausgerüstete Besucher der in einem Überseecontainer untergebrachten Installation können sich so einen optischen und akustischen Eindruck von der nicht mehr existierenden Kapelle verschaffen.

Im vergangenen Jahr hatte es wegen Corona nur eine verkürzte Version der Bachwochen gegeben. Auch in diesem Jahr funkt die Pandemie noch dazwischen. Die für Freitag geplante lange Nacht der Hausmusik, die die Bachwochen normalerweise eröffnet, musste coronabedingt abgesagt werden.

 

Ruhrfestspiele öffnen ganz - Ukraine-Band als Botschafterin im Krieg

Nur noch drei Wochen bis zum Kulturfestival Ruhrfestspiele. Die Corona-Lockerungen erlauben voraussichtlich wieder volle Häuser, aber die Bilder aus der Ukraine belasten alle Akteure. Einen prinzipiellen «Russen-Boykott» findet Intendant Kröck trotzdem falsch.

Recklinghausen (dpa) - Angesichts der bundesweiten Corona-Lockerungen wollen die Ruhrfestspiele ihre bisher geplanten Platzbeschränkungen aufgeben. «Wir öffnen - außer bei der Eröffnungsinszenierung mit «Sibyl» - mit 100 Prozent der Plätze», sagte Intendant Olaf Kröck der Deutschen Presse-Agentur. Dabei werde aber die Maskenpflicht beibehalten. Bei «Sybil» liegen die Einschränkungen nicht an Corona, sondern an Sichtbehinderungen auf Randplätzen durch das Bühnenbild.

Bisher sollten im Großen Haus in Recklinghausen aus Coronaschutzgründen nur 60 Prozent der Plätze verkauft werden. «Der Zuspruch der Zuschauerinnen und Zuschauer ist überwältigend», sagte der Intendant. In den ersten drei Wochen des Vorverkaufs seien bereits 40 Prozent der Karten verkauft worden.

2020 war das Festival wegen der Pandemie ganz abgesagt worden, 2021 fand es nur in der zweiten Hälfte in Präsenz und mit stark reduzierten Zuschauerzahlen statt. 92 Produktionen sind bei dem vom DGB mitgetragenen Kunst- und Theaterfestival vom 1. Mai bis zum 12. Juni geplant.

Die Vorbereitungen würden von den bedrückenden Nachrichten des Ukrainekrieges überlagert. «Wir merken ein Erschrecken, eine Erschütterung nicht nur bei uns, sondern auch bei künstlerischen Partnern», sagte Kröck. Die für den 22. bis 24. Mai geplanten Auftritte der ukrainischen Folk-Punk-Band Dakhabrakha rückten vor diesem Hintergrund besonders in den Fokus.

«Wir wissen, dass die Band zum Glück aus der Ukraine draußen ist. Seit wenigen Tagen», sagte Kröck. Die Band aus Kiew - drei Frauen und ein Mann - habe sich entschieden, nun eine Art Botschafter ihres Landes zu werden. «Sie intensivieren ihre Reisetätigkeit. Sie sind aktuell noch in den Vereinigten Staaten», sagte der Intendant. «Sie spielen Folk-Punk, aber sie sind auch wirklich ein politisches Sprachrohr. Sie positionieren sich da sehr klar.»

Dakhabrakha habe schon bei den Protesten in der Ukraine am Maidan mitgespielt. «Die Band zählt zu den großen Akteuren, die Stimme waren, die laut waren», sagte Kröck. «Sie sind Botschafter ukrainischer Kultur und eine Stimme gegen diesen Aggressionskrieg, die auch kein Blatt vor den Mund nehmen.»

Die Band spielt selbstbewusst mit der ukrainischen Folklore, auffallend sind die hoch aufragenden Lammwollmützen der Musiker. «Wir werden Konzerte auf der ganzen Welt geben, um die Ukraine zu unterstützen und Geld zu sammeln», kündigte die Band auf ihrer Homepage an. Den russischen Präsidenten Putin bezeichnen die Musiker dabei als «Hitler des 21. Jahrhunderts».

Russische Künstler seien in diesem Jahr eher zufällig nicht im Programm. Wenn sie es wären, dürften sie auch auftreten, betonte Kröck. «Für uns gibt's keinen grundsätzlichen Boykott russischer Künstler bei den Ruhrfestspielen.»

«Ich würde auch keine belarussischen Künstler aus Prinzip ausladen», sagte der Intendant. «Denn wir interessieren uns für Künstler, auch aus Ungarn oder Polen, die eine hohe zivilgesellschaftliche Kraft zeigen, die sich in der Kunst organisiert, die Gegenpositionen einnehmen zur der Staatsdoktrin von Russland, Belarus oder anderen autoritären Regimen.» «Wir fokussieren auf diese Künstler. Die brauchen Unterstützung, mehr denn je», sagte Kröck.

«Gerade jetzt bedarf es der universellen Kraft der Kunst, um Brücken der Hoffnung und Verständigung in die Welt zu bauen», sagte die NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen der dpa. Die Produktionen aus 22 Ländern hätten «das Potenzial, uns Visionen für den Zusammenhalt Europas und der Welt zu geben».

2019 hatten rund 64 000 Besucher die Vorstellungen der Ruhrfestspiele besucht. Bei insgesamt rund 71 000 Karten im Verkauf entsprach das einer Auslastung von rund 90 Prozent.

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