«Die Vielen»: Künstler setzen Zeichen für Toleranz [update, 2.2.]


01.02.19 -
Immer mehr Künstler und künstlerische Einrichtungen schließen sich der Initiative „Die Vielen“ an. Jetzt positionieren sie sich auch in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Brandenburg gegen Rassismus, Ausgrenzung und rechten Populismus.
01.02.2019 - Von dpa, PM, KIZ

Bayerische Künstler setzen mit Erklärung Zeichen für Toleranz

Nürnberg (dpa) - Zahlreiche Künstler und kulturelle Einrichtungen in Bayern haben sich in der Initiative «Die Vielen» für mehr Toleranz und eine offene Gesellschaft zusammengeschlossen. Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung seien Teil der alltäglichen Erfahrungen, teilten die Initiatoren am Freitag in Nürnberg mit. Verächtlicher Umgang etwa mit hilfsbedürftigen Menschen auf der Flucht und mit Künstlern, die das Phänomen ihrer Zeit aufzeigen wollten, könne nicht geduldet werden.

310 Einrichtungen und freie Künstler aus ganz Bayern schlossen sich der Erklärung an - darunter etwa die Münchner Kammerspiele mit ihrem Intendanten Matthias Lilienthal, Nürnbergs Staatsintendant Jens-Daniel Herzog sowie das Staatstheater Augsburg. Die bundesweite Initiative «Die Vielen» war vergangenen November gestartet mit Erklärungen aus Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen.

 

«Die Vielen»: Kulturszene positioniert sich gegen Rechts

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Nach «Wir sind mehr» melden sich «Die Vielen» zu Wort: Zahlreiche Kulturschaffende haben die «Frankfurter Erklärung der Vielen» unterzeichnet, die an diesem Freitag (1.2.) offiziell vorgestellt werden soll. Mit der «Erklärung der Vielen» verpflichten sich die Unterzeichner zum Engagement gegen Nationalismus und Intoleranz und für die Freiheit der Kunst, wie die Initiatoren mitteilten.

Die Unterzeichner setzen sich für mehr Zusammenhalt in Kunst, Kultur und Wissenschaft ein und wenden sich «gegen populistische und autoritäre Weltbilder, gegen rechte Stimmungsmache, Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen», wie es in der Ankündigung heißt.

Mit der Erklärung wolle man «ein gesellschaftspolitisches Signal» setzen, schreiben die Initiatoren. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow, der Intendant des Künstlerhauses Mousonturm, Matthias Pees, und Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Die Kampagne ist Teil einer bundesweiten Initiative, der Verein «Die Vielen» existiert bereits seit Sommer 2017.

 

Celler Kulturtreibende setzen Zeichen für Solidarität und Vielfalt

Celle (dpa/lni) - Zahlreiche regionale Kulturtreibende haben am Freitag in Celle mit einer «Erklärung der Vielen» ein Zeichen für Solidarität und Vielfalt gesetzt. Die treibenden Kräfte seien das Schlosstheater Celle und die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten gewesen, wie eine Sprecherin des Schlosstheaters mitteilte. Aber auch Museen, Kirchenvorstände, Künstler sowie die Volkshochschule schlossen sich der Initiative an. Die Unterzeichner verpflichten sich, kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda zu bieten und Versuche von Rechtsnationalen abzuwehren, Kultur und Geschichte für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Auch in Lüneburg und im Nordwesten werden laut eines Koordinators der bundesweiten Initiative «die Vielen» am Freitag Erklärungen mit ähnlichem Wortlaut veröffentlicht. Die Erklärung der Region Nordwest haben zahlreiche Akteure aus Niedersachsen und Bremen unterzeichnet. Die Initiative war vergangenen November mit Erklärungen aus Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen gestartet.

 

Brandenburger Kulturschaffende beim Bündnis gegen Rechts

Cottbus (dpa/bb) - Fast vierzig Kulturinstitutionen in Brandenburg haben sich einem bundesweiten Bündnis gegen Rechts angeschlossen. Die Initiatoren stellten am Freitag in Cottbus ihre «Erklärung der Vielen» vor, in der sie sich zum Engagement gegen Nationalismus und Intoleranz und für die Freiheit der Kunst verpflichtet. Dies sei auch mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl geschehen, sagte ein Sprecher der Initiative. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, begrüßte die Erklärung: «Wir brauchen Kultur, in jeder Form, gerade auch Kultur, die sich politisch positioniert.»

Neben dem Land Brandenburg verkündeten am Freitag 13 weitere Städte und Regionen die Erklärung, in vier Städten laufen derzeit Vorbereitungen. In Berlin schlossen sich bereits am 9. November 2018 mehr als 140 Kulturinstitutionen der Initiative an. Bundesweit gibt es mehr als 2000 Unterzeichner. Der Anstoß zu der Kampagne kam von dem 2017 gegründeten Verein «Die Vielen». Gemeinsames Symbol ist eine gold-glitzernde Rettungsdecke. Nach lokalen Veranstaltungen in ganz Deutschland sind für Mai 2019 bundesweit «Glänzende Demonstrationen» geplant.

 

Pressemeldung der Ludwigsburger Festspiele:

WIR SIND VIELE, JEDE*R EINZELNE VON UNS

KUNST- UND KULTURSCHAFFENDE UND INSTITUTIONEN BADEN- WÜRTTEMBERGS POSITIONIEREN SICH FÜR EINE OFFENE GESELLSCHAFT

Heute, am 01. Februar 2019, wird die BADEN-WÜRTTEMBERGER ERKLÄRUNG DER VIELEN veröffentlicht und verbreitet. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele sind eine von mehr als 100 Kunst- und Kulturinstitutionen, Verbänden und freie Kunst- und Kulturschaffenden aus ganz Baden-Württemberg, welche die BADEN- WÜRTTEMBERGER ERKLÄRUNG DER VIELEN bereits jetzt erst-unterzeichnet haben.

DIE VIELEN sind regionale Bündnisse von Kunst- und Kulturschaffenden, welche Kunst und ihre Einrichtungen als offene und engagierte Räume begreifen, die Vielen gehören und in denen ein aufklärender und demokratischer Dialog geführt wird. Sie reagieren damit auf vermehrte politische Angriffe rechter Parteien und Gruppierungen, denen Akteure der Kunst und Kultur, ihre Institutionen, ihre Werke und ihr Wirken ausgesetzt sind. DIE VIELEN setzen diesen Angriffen Solidarität, Toleranz und ein klares Bekenntnis für Vielfalt und die Freiheit der Kunst entgegen. Sie positionieren sich gegen Rassismus, Ausgrenzung und rechten Populismus.

DIE VIELEN in Baden-Württemberg bilden die große Vielfalt der kulturellen Landschaft zwischen Lörrach und Ulm, Mannheim und Konstanz, Baden-Baden und Aalen ab. Akteur*innen der Bildenden Kunst sind ebenso vertreten wie Orchester, Theater, Museen oder Soziokultur. Alle haben sich verpflichtet, die Erklärung unter Besucher*innen und Mitarbeitern zu verbreiten und zur Diskussion zu stellen.

Die Erklärung ist nur der Beginn: In regelmäßigen Versammlungen werden Beteiligte in einen langfristigen Austausch treten, gemeinsame Aktionen, Veranstaltungen und Strategien entwickeln zur aktiven Solidarität untereinander und mit Menschen, die durch rechtsextreme Gruppierungen und Parteien an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Als selbst-aktives Netzwerk will es einen Beitrag zur Fortentwicklung der demokratischen Gesellschaft leisten und ein notwendiges Zeichen dafür setzen, dass die Kunst frei bleibt.

Weitere Unterzeichner aus Baden-Württemberg sind willkommen und können sich melden unter: produktion@theaterrampe.de

Die ERKLÄRUNG DER VIELEN startete am 09. November des letzten Jahres in Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen. Am heutigen Tage wächst die Bewegung auf etwa 20 Regionen bundesweit an: Neben Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen erklären sich DIE VIELEN auch in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Frankfurt, Bremen, Bayern, Rostock, Halle, Mannheim, Celle, Nordwestregion-Oldenburg, Thüringen, Brandenburg und Baden-Württemberg. Vorbereitungen zu Erklärungen der Vielen und damit zu einer europäischen Bewegung gibt es auch in Wien und Warschau.

Bundesweit haben damit an die 2000 Kunst- und Kulturinstitutionen mit ihren Aktiven aus der Kulturlandschaft eine Debatte zur Freiheit der Kunst und zur Fortentwicklung der offenen Gesellschaft angestoßen.

Zum 19. Mai werden bundesweite Glänzende Demonstrationen für ein „EUROPA DER VIELEN“ in mehreren Städten veranstaltet. Aktuelle Informationen und die Texte aller regionalen Erklärungen unter www.dievielen.de

 

 

 

 

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