Kristjan Järvi geht: Der Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters verlässt Leipzig


23.03.17 -
Wie der MDR und die Leipziger Volkszeitung berichten, wird Kristjan Järvi, Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters, sein Amt am Ende der Spielzeit 2017/18 beenden. "Nach insgesamt sechs Jahren intensiver und erfolgreicher Zusammenarbeit möchte der gebürtige Este und international renommierte Dirigent, Komponist und Produzent den Fokus künftig verstärkt auf verschiedene Projekte richten", so der MDR.
23.03.2017 - Von kiz-lieberwirth, KIZ

Järvi ist neben der Chefposition im MDR vielbeschäftigt: Er ist Chef der von ihm gegründeten Baltic Sea Philharmonic und des Gstaad Festival Orchesters, überdies steht er dem ebenfalls von ihm mitbegründeten Klassik-Hip-Hop-Jazz-Kombinat „Absolute Ensemble“ vor. Er betreibt die eigene Produktionsfirma „Sunbeam Productions“ und ist seit 2016 auch Mitglied des Estnischen Olympischen Komitees ("Sound Estonia"). In Zusammenarbeit mit Tom Tykwer entwickelt er mit "Absolute Babylon" eine Konzertaufführung, die auf der gerade entstehenden Fernsehserie "Babylon Berlin" basiert.

MDR-Programmdirektorin Nathalie Wappler Hagen, die auch die Orchester und Chöre des MDR verantwortet, würdigte die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Publikumsliebling: "Kristjan Järvi hat das Repertoire des MDR-Orchesters enorm erweitert. Durch Kristjan Järvis musikalische und freundschaftliche Beziehung zu internationalen Spitzenkomponisten wie Steve Reich, Arvo Pärt, Max Richter, Tan Dun und Sven Helbig konnten diese eng an den MDR gebunden und intensive Zusammenarbeiten sowie Auftragswerke realisiert werden. Seine Neugier und ständige Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten, ermöglichten die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Jonny Greenwood, Hauschka, Bryce Dessner, Mùm, Lukas Ligeti, Gabriela Montero und Apocalyptica und vielen anderen Musikern. Gerade seine genre-übergreifenden Festivals in neuen Spielstätten wie alten Kinos und Fabrikhallen begeisterten ein junges Publikum für sinfonische Musik."

Dem neuen Chefdirigenten, den der MDR jetzt unter Hochdruck suchen muss, stehen große Aufgaben bevor. Järvi gelang es zwar, das Repertoire des ältesten deutschen Rundfunkorchesters drastisch umzukrempeln und ihn dadurch flexibel und dem Crossover zugänglich zu machen. Die klangliche Identität des Orchesters ist so allerdings verloren gegangen.

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