Landesmusikrat NRW sorgt sich um Zukunft der Essener Philharmonie


24.09.08 -
Langsam wirds peinlich: Nach Michael Kaufmann wurde auch die Pressesprecherin der Essener Philharmonie fristlos gefeuert. Sie hatte eine Solidaritätserklärung zumindest eines Teiles der Belegschaft namentlich gezeichnet. Essens vielgepriesener Kulturchef Oliver Scheytt (unser Foto) spielt in der wohl recht etatlastigen Entscheidungsstruktur offensichtlich eine ziemlich hilflose Rolle. Jetzt hat sich auch der nordrheinwestfälische Musikrat zur Affäre geäußert:
24.09.2008 - Von Theo Geißler, KIZ

Pressemitteilung des Landesmusikrats NRW zur Philharmonie Essen

Mit Sorge hat der Landesmusikrat NRW die Nachricht von der Entlassung Michael Kaufmanns als Intendant der Philharmonie Essen aufgenommen. Unter Michael Kaufmanns Ägide hat das Programm der Philharmonie internationales Format gewonnen und vor allem mit seinem Einsatz für Qualitätsmusik der Gegenwart, aber auch mit Jugendprojekten und mit Konzerten von Jugendorchestern und -ensembles überzeugt. Der Landesmusikrat hat deshalb auch die Auszeichnung des Programms durch den Deutschen Musikverleger-Verband als "Bestes Konzertprogramm der Saison 2007/2008" begrüßt.

Die Begründung der Kündigung durch den Aufsichtsrat der Theater und Philharmonie Essen lässt befürchten, dass die Programmpolitik der Philharmonie Essen künftig stärker auf populäre Programme ausgerichtet wird. Das würde weder dem Kulturauftrag des Hauses entsprechen, noch die Rolle in der europäischen Kulturhauptstadt 2010 ausfüllen. Gerade das Konzept von Michael Kaufmann passt zum Weg in Richtung auf 2010. Insofern ist die Entlassung unverständlich.

Der Landesmusikrat NRW erhofft von der Philharmonie Essen auch künftig die Vermittlung der Kunstmusik aller Sparten unserer Zeit an breite Zielgruppen. Hierbei kann die Musik der nordrhein-westfälischen Jugendensembles und -orchester eine wichtige Rolle spielen.

Um bei einer solchen Programmstruktur eine stärkere Auslastung des Hauses zu ermöglichen, sollte man der Intendanz künftig die Terminhoheit im Hause sichern und die Struktur unter dem Dach der Theater und Philharmonie Essen entsprechend verändern.

Prof. Dr. Werner Lohmann
Präsident des Landesmusikrats NRW

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