Neues DFG-Forschungsprojekt zu „Stimme und Gesang in der populären Musik der USA (1900-1960)“


27.02.12 -
Was fasziniert uns an Pop-Musik? Auf diese spannende Frage versucht ein vor kurzem gestartetes Forschungsprojekt an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar neue Antworten zu finden. Das Projekt zum Thema „Stimme und Gesang in der populären Musik der USA (1900-1960)“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zwei Jahre mit zwei Mitarbeiterstellen unterstützt.
27.02.2012 - Von PM, KIZ

Anfang Februar 2012 konnten die beiden Mitarbeiter die neuen Projekträume im Erdgeschoss des Palais Altenburg in Weimar beziehen. Initiator und Leiter des Projektes ist der Professor für die Geschichte des Jazz und der populären Musik am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena, Dr. Martin Pfleiderer.

Im Forschungsprojekt soll die Ausdruckspalette des Singens in populärer Musik erstmals grundlegend musikanalytisch untersucht werden. Ziel ist es darüber hinaus, die stimmlichen Ausdrucksweisen, Gestaltungsmittel und Vokalstile seit den Anfängen der Musikaufnahmen um 1900 bis zum Jahr 1960 im Rahmen von sozial- und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen und hinsichtlich bestimmter kulturell verankerter Mustern, Stereotypen und Images zu interpretieren. Populäre US-amerikanischen Musikgenres wie Blues, Jazz, Gospel Music, American Popular Song, Country Music, Folk Music, Rhythm&Blues und Rock&Roll haben über diesen Untersuchungszeitraum hinaus weltweit andere regionale Traditionen beeinflusst, überlagert oder gar verdrängt und stehen daher im Zentrum der Untersuchung.

Auch wenn sich der Untersuchungszeitraum auf die Zeit bis 1960 beschränkt ist, so werden viele Forschungsergebnisse darüber hinaus reichende Implikationen haben. Denn es ist kein Geheimnis, dass z.B. Whitney Houston viel von ihrer Patentante, der Queen of Soul Aretha Franklin übernommen hat, die wiederum an die Vokalkunst der seit den 1930er Jahren aktiven Gospelsängerin Mahalia Jackson anknüpft, oder dass britische Rocksänger wie Mick Jagger oder Robert Plant sich vom Blues-Gesang eines Robert Johnson, Muddy Waters oder Howlin Wolf inspirieren ließen.

Die Grundüberlegung des Forschungsprojekts ist einfach: Populäre Musik besteht in erster Linie aus Liedern, aus Songs. Viele Pop- und Rock-Hörer gewinnen nun, so die Annahme von Martin Pfleiderer, ihren Zugang zur Musik über die Stimme und den Gesang ihrer Stars. Ungeachtet der bisweilen hohen vokalen Virtuosität einer Whitney Houston oder Amy Winehouse lehnen sich die vokalen Gestaltungsmittel in Pop und Rock oft eng an den Ausdrucksgehalt der alltäglichen Sprechstimme an, weshalb Hörer mit popmusikalischen vokalen Ausdruckweisen oft vertrauter sind als z.B. dem hochstilisierten klassischen Belcanto-Gesang.

Sängerinnen und Sänger wie Houston oder Winehouse verwenden zahlreiche Möglichkeiten des unmittelbaren affektiven Ausdrucks von Emotionen, Stimmungen, aber auch performative Stilisierungen von Charakteren. Nicht selten erschaffen sie durch ihren Gesang neue vokale Ausdrucksweisen, die in die Alltagskultur zurückwirken. Zwar spielen auch die Inhalte der Songtexte für manche Hörer eine große Rolle, und das Image eines Stars – sein Aussehen, sein Auftreten, die Geschichten, die sich um ihn ranken – trägt mit zur hohen Attraktivität von populären Musikgenres bei. Der musikalische Reiz von Pop-Musik gründet jedoch vielfach auf der direkten, für jeden Hörer nachvollziehbaren Verbindung der Stimme mit emotionalen Befindlichkeiten und Bedürfnissen, zwischenmenschlichen Haltungen und Persönlichkeitsdispositionen.
  

Das könnte Sie auch interessieren: