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Alle Artikel kategorisiert unter »Philipp Meierhöfer«

Radikal modern? – Radikal altbacken! – „La Traviata“ an der Komischen Oper Berlin

10.12.19 (Peter P. Pachl) -
Als „Klassiker – radikal modern“ hatte die Komische Oper Berlin Giuseppe Verdis einzige aktuelle, in seiner Gegenwart spielende Oper über Leben und Tod einer Edelkurtisane angekündigt. Aber die Inszenierung von Nicola Raab verschenkt die sich in Beliebigkeiten nicht vermittelnde Handlung und erzeugt einen vergleichsweise radikal altbackenen Eindruck, dem leider auch die musikalische Seite nichts entgegenzusetzen vermag, außer Lautstärke. Peter P. Pachl ist enttäuscht.

Musikalisch neu gedeutet im aseptischen indischen Urwald – Händels „Poros“ an der Komischen Oper Berlin

17.03.19 (Peter P. Pachl) -
Nach 15 Jahren ist Harry Kupfer, der frühere Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, als Gast erstmals an dieses Haus zurückgekehrt und hat sich einen alten Wunsch erfüllt: Händels Oper „Poros“, mit welcher er in jungen Jahren als Assistent in Halle zu tun hatte, erklingt nun erstmals in der Komischen Oper – und das mit deren früherem Alleinstellungsmerkmal, der Aufführung in Landessprache sowie mit einer gegenüber dem Original schwerpunktmäßig umgetopften Besetzung. Peter P. Pachl hat sich das angesehen und angehört.

Das letzte Foto – Puccinis „La Bohème“ an der Komischen Oper Berlin

28.01.19 (Peter P. Pachl) -
Henry Murgers Vorlage zu den „Bohème“-Opern von Leoncavallo und Puccini wurde bezeichnenderweise vom Dichter der ersten Räterepublik, Erich Mühsam, unter sozialistischem Aspekt betrachtet. Barrie Koskys Neuinszenierung verzichtet auf politische Dimensionen, sie konzentriert sich ganz auf die Begegnung junger Leute mit dem unerwartet in das heitere Leben einbrechenden Tod. Die Premiere wurde ob ihrer Spielfreude und lauten Gesangs fast einhellig goutiert.

Erotischer Opern-Traum – Händels „Semele“ an der Komischen Oper Berlin

14.05.18 (Peter P. Pachl) -
Der drei-dreiviertelstündige, aber in seinen szenischen Erfindungen und Umsetzungen überaus kurzweilige Premierenabend, durchwegs mit sängerischen Spitzenleistungen, erntete einhellige Begeisterung.

Varieté des Todes – Offenbachs „Blaubart“ an der Komischen Oper Berlin

25.03.18 (Peter P. Pachl) -
Kaum ein anderes Werk des Musiktheaters ist so stark mit dem Erfolg der Komischen Oper Berlin verknüpft, wie gerade Jacques Offenbachs „Blaubart“. 1963 von Walter Felsenstein inszeniert, erlebte dessen Produktion 360 Reprisen. Etwas weniger erfolgreich, wenn auch viel beachtet, wurde zwei Jahre später Felsenstein Remake im Opernhaus Frankfurt am Main. Der Erfolg scheint also spezifisch etwas mit dem Bewusstsein von Kultur in der DDR zu tun zu haben.

Peter Cornelius’ Oper „Der Barbier von Bagdad“ in Gießen

12.02.17 (Peter P. Pachl) -
Eine stärkere Einheit von Wort und Ton, selbst gemessen an den Musikdramen von Cornelius’ Busenfreund Richard Wagner, der dem Jüngeren in Wien eine dauernde häusliche Gemeinschaft, ein Leben wie Mann und Frau, angeboten hatte, ist auf der Opernbühne selten zu erleben. Im Gießener Stadttheater wird die vielschichtige und beziehungsreiche Handlung des „Barbier von Bagdad“ musikalisch domestiziert und szenisch verschmälert zu einer „Biene Maja“-Geschichte.

Liebe in Zeiten der SMS-Kommunikation – Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ an der Komischen Oper Berlin

10.10.16 (Peter P. Pachl) -
Angeblich soll schon so manche vom falschen Rezipienten gelesene SMS oder E-Mail Beziehungen abrupt beendet haben. In Rossinis Oper, die der russische Regisseur Kirill Serebrennikov zur Spielzeiteröffnung an der Komischen Oper Berlin inszenierte, sind projizierte SMS-Botschaften der Liebenden an die Stelle der heimlichen Briefchen getreten.

Im Ballett-Kranken-Saal – Massenets „Cendrillon“ an der Komischen Oper Berlin

13.06.16 (Peter P. Pachl) -
Stärker als andere musiktheatrale Versionen des Aschenputtel-Stoffes unterscheidet Jules Massenets 1989 uraufgeführte Oper die Ebenen Realität und Märchenhandlung. Die Märchentraumwelt entsteht nur rund um die Protagonistin und zeigt dem Publikum der Belle Epoche eine Fluchtmöglichkeit aus prosaischer Alltagsexistenz auf.

Forciert Ergötzlich – Herbert Fritsch inszenierte Mozarts „Don Giovanni“ an der Komischen Oper Berlin als Slapstick

04.12.14 (Peter P. Pachl) -
Vermutlich hat bereits Richard Wagner in seiner Züricher Bearbeitung, ganz sicher aber Gustav Mahler in Wien das lieto fine des „Don Giovanni“ weggelassen, um die Handlung vom bestraften Wüstling mit dessen Höllenfahrt dramatisch zu beenden.
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