Altfranzösische Obszönitäten und schwedische Naturbilder


(nmz) -
Am 25. Februar 2013 fand in der Reihe Studio für Neue Musik des Tonkünstlerverbands München ein Liederabend mit altfranzösischen, deutschen und schwedischen Liedern in der Bayerischen Versicherungskammer statt.
Ein Artikel von Theresa Kalin

Am 25. Februar 2013 fand in der Reihe Studio für Neue Musik des Tonkünstlerverbands München ein Liederabend mit altfranzösischen, deutschen und schwedischen Liedern in der Bayerischen Versicherungskammer statt.

Die Musiker des Abends, Monika Lichtenegger (Sopran) und Rudi Spring (Klavier), begeisterten gleich zu Beginn das Publikum. Der für beide bedeutsame schwedische Spätromantiker Wilhelm Stenhammar war vertreten mit Vertonungen deutscher und schwedischer Gedichte und bildete damit einerseits die Umrahmung und andererseits den Dreh- und Angelpunkt der Programmgestaltung: Lieder zu Texten, die nicht in der Muttersprache der jeweiligen Komponisten verfasst wurden. Dazu gesellten sich drei der unzähligen Vertonungen von Goethes „Wanderers Nachtlied“ von Franz Schubert, Robert Schumann und Anders Eliasson. Sofern notwendig las Spring zur besseren Textverständlichkeit die passende Übersetzung vor – eine sehr empfehlenswerte Vorgehensweise.
Der auf mehrerlei Art und Weise zu verstehende Höhepunkt des Konzerts war die Uraufführung der „Neuf fatrasies“ (2011/12) von Johannes X. Schachtner. Die altfranzösischen Texte aus dem 13. Jahrhundert waren nicht nur ungewohnt obszön, sondern auch äußerst anschaulich und bildgewaltig geschrieben. Die phantasievollen Skizzen waren gleichermaßen ausdrucksstark in der Musik zu finden, dennoch gelang es dem eingespielten Duo, bei der musikalischen Beschreibung des Coitus nicht zu erröten. Nicht wegzudenken waren klangliche Rückbezüge, wie zur Fauxbourdon-Technik, die der Komponist in seinen Liedern überzeugend reflektierte. Musikalische Anspielungen verbanden sich hier mit einem heterogenen Ausdrucksspektrum zu neun expressiven Charakterbildern und überzeugten auf ganzer Linie.
Vor der erwähnten Uraufführung interpretierte das Duo Springs eigene Kompositionen. Zuerst sang Lichtenegger drei Galgenlieder nach Christian Morgenstern aus Springs Opus 19 und führte uns anschließend gemeinsam mit dem Komponisten durch die spannende Welt von „Fyra svenska sånger“ op. 58 (fünf schwedische Gesänge). Der zu Unrecht vernachlässigte Komponist Alfred Kaiserswerth war mit seinen „Usiai – Metamorfosi per piano solo“ vertreten. Das aufbrausende Werk interpretierte Spring so wunderbar, dass sich hierfür keine Worte finden lassen.
Mit fünf traurigen und an anderer Stelle tosenden Liedern, die Stenhammar in seiner schaffensreichen Lebensphase zwischen 1894 und 1918 komponierte, schickte das Duo das Publikum passend zum Programm schließlich auf eine nachdenkliche, nächtliche Wanderung zurück nach Hause. Stenhammars Lieder zeigten beruhigende und zugleich traurige Bilder von der Natur („I en skogsbacke“, „En Strandvisa“, „Stjärnan“).
In „Flickan kom ifrån sin älsklings möte“ sang Lichtenegger vom unendlichen Leid einer jungen Dame, die ihren Geliebten an eine andere Frau verliert, und machte ihren Schmerz zusammen mit Spring am Klavier im Saal greifbar.

Das könnte Sie auch interessieren: