Cello-Hauptstadt im Südwesten

Internationale Cello Akademie Rutesheim


(nmz) -
„Kronberg ist die Welthauptstadt des Cellos“, sagte Mstislaw Rostropowitsch einmal über die Heimat des 1993 gegründeten Internationalen Cello-Festivals der Kronberg Academy im Taunus. Inzwischen ist aus der Cello- die Streicherakademie „Cello Plus“ geworden, bei der sich nicht nur die besten Cellisten, sondern auch die besten Geiger und Bratscher der Welt ein Stelldichein geben. Somit ist der Titel als reine „Cello-Hauptstadt“ für eine kleine Stadt im Westen Stuttgarts frei geworden: Rutesheim.
Ein Artikel von Helmuth Meyer, Ulrike Albrecht

Ausgebuchte Meisterkurse

Zum fünften Mal fand hier in den Herbstferien vom 27. Oktober bis 2. November 2013 die „Internationale Cello Akademie Rutesheim“ statt. Mit sechs der führenden Celloprofessoren Deutschlands – Claudio Bohórquez (Stuttgart), László Fenyö (Karlsruhe), Jens Peter Maintz (Berlin), Wolfgang Emanuel Schmidt (Weimar), Troels Svane (Lübeck) und Wen-Sinn Yang (München) – stand dem Cello-Spitzennachwuchs in Rutesheim quasi die Folgegeneration der Kronberg-Gründer in hochkarätigen Meisterkursen zur Verfügung. Mit 80 Studenten aus aller Welt waren die offen zugänglichen Kurse voll belegt – und rund vier Mal so viele Interessenten hatten sich um die begehrten Plätze beworben.

 Cello-Orchester

Darüber hinaus war in Rutesheim auch wieder ein Cello-Orchester-Kurs für Cello-Enthusiasten jeden Alters ausgeschrieben. Cellist und DTKV-Vizepräsident Ekkehard Hessenbruch hat das Orchester vor drei Jahren zusammen mit seinen ehemaligen Schülern und heutigen Kollegen Jochen Kefer und Giga Khelaia (ebenfalls DTKV-Mitglieder) gegründet, und seither strömen jährlich mehr als 120 Cellistinnen und Cellisten aus ganz Deutschland nach Rutesheim, um an diesem Projekt teilzunehmen – vom Sieben- bis zum zum Siebzigjährigen, vom Anfänger bis zum Jugend-musiziert-Bundespreisträger.

Neu geschaffenes Stipendium

Um jungen Hochbegabten den Weg vom Jugend-musiziert-Bundespreisträger zum Meisterschüler der Akademie zu ebnen und ihnen den Einstieg in eine professionelle Ausbildung zu erleichtern, hat Hessenbruch in seiner Funktion als Projektbeirat für Jugend musiziert im Deutschen Musikrat gemeinsam mit Festivalleiter Matthias Trück ein Stipendium ins Leben gerufen. Es wurde in diesem Jahr erstmals vergeben, an den 17-jährigen Paul Böhme, der beim Bundeswettbewerb mit Höchstpunktzahl ausgezeichnet worden war. Im Abschlusskonzert gehörte er mit einer beeindruckenden „Ungarischen Rhapsodie“ von David Popper zu den ausgewählten Studenten, die als Solisten gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester musizierten.

Gut besuchte Veranstaltungen

Wer zwischen dem 27. Oktober und dem 2. November 2013 in Rutesheim vorbeischaute, zweifelte nicht mehr am Titel „Cello-Hauptstadt“. Orchester, Studenten und Dozenten zusammen genommen, bevölkerten weit über 200 Cellistinnen und Cellisten mit bunten Cellokästen das kleine Städtchen.

Zahlreiche Gasthörer verfolgten interessiert die Meisterkurse, den Jazz-Wokshop des 2010 beim internationalen Jazzwettbewerb in Bukarest ausgezeichneten Jazz-Cellisten Stefan Braun oder die Proben der 120 Celli.

Zu den abendlichen Konzerten kamen Hunderte von Besuchern von nah und fern. Begleitet vom Stuttgarter Kammerorchester war im Eröffnungskonzert die beeindruckende Dozenten-Riege unter anderem mit der Uraufführung von „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ zu hören, einem Doppelkonzert, das Enjott Schneider für Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt komponiert hat. Am zweiten Abend spielten Stephan Braun und das Duo „ponticellos“ mit Festivalleiter Matthias Trück ein mitreißendes Konzert.

Zwei weitere Konzerte mit Akademie-Studenten und -Dozenten waren der Kammermusik gewidmet. Der Abend vor dem Schlusskonzert gehörte dem Cello-Orchester: 126 Celli unter der mitspielenden, energiegeladenen Leitung von Ekkehard Hessenbruch und Jochen Kefer sowie 5 Schlagzeuger unter der Führung von DTKV-Mitglied Gregor Daszko hoben mit Superhits wie „Nothing Else Matters“, Carl Orffs fulminantem „O Fortuna“ oder „Final-Countdown“ regelrecht ab.

Mit tosendem Applaus forderten über tausend Zuhörer gleich mehrere Zugaben.

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