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Alle Artikel kategorisiert unter »Albrecht Dümling«

Polymorph und nicht-linear: Das Wunder als Betrug

01.06.08 (Albrecht Dümling) -

Walter Braunfels, der 1920 in München mit „Die Vögel“ einen nachhaltigen Erfolg errang, schuf 1938–1942 seine letzte Oper. Als „Halbjude“ diffamiert, lebte er in diesen Jahren der inneren Emigration isoliert am Bodensee. Seine Jeanne d’Arc-Oper verstand er als Ausdruck geistigen Widerstands gegen die NS-Diktatur. Die französische Nationalheldin, die allein der göttlichen Stimme gehorcht, betrachtete er als Heilige und Vorbild. Gestützt auf die Prozessakten von 1431 schilderte der Komponist in seinem Libretto das bewegte, trotz aller Widersprüche schließlich siegreiche Schicksal des Bauernmädchens: Die Oper endet mit einem Wunder, das sie als Heilige erkennen lässt.

Auf der Suche nach einer neuen Kunstform

01.02.08 (Albrecht Dümling) -

„Gluck. Gluck. Gluck.“ So prangte es auf großen Plakaten vor dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt und an anderen Orten in der Stadt. Nicht ein neues Getränk wurde hier beworben, sondern ein Zyklus dreier Opern Christoph Willibald Glucks in „konzertanten Aufführungen mit Szene“. Kenner des Berliner Musiklebens erinnerte es an das Projekt „Gluck-Gluck-Gluck“ der Neuköllner Oper, jenes kleinen, entdeckungsfreudigen Hauses, das im Herbst 1994 unter diesem Titel drei weniger bekannte Vaudeville-Komödien Glucks an einem Abend zusammenfasste. Mit „Gluck. Gluck. Gluck.“ wollten Lothar Zagrosek und das Konzerthausorchester nun mit drei großen Werken den Opernreformer Gluck ins rechte Licht rücken.

Übergroß das Prinzip Abstraktion

01.10.07 (Albrecht Dümling) -

Peter Mussbach, der bei früheren Inszenierungen oft auf eigene Bühnenbilder zurückgriff, arbeitet jetzt häufig mit prominenten Vertretern der bildenden Kunst zusammen. Wenn er Jörg Immendorff, Robert Longo, Jimmy Durham oder dem Duo Elmgreen & Dragset ein so großes Gewicht gibt, mag er an die spezifische Tradition der von ihm geleiteten Staatsoper denken, an die Krolloper, die in den zwanziger Jahren Bauhaus-Künstler wie Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy für ihre Bühnenbilder verpflichtete.

Ein Hauptstadt-Ereignis auf dem richtigen Weg

01.11.06 (Albrecht Dümling) -

Beim Eröffnungskonzert rieb man sich die Augen. Immerhin ist das Philadelphia Orchestra kein Nobody, sondern ein Star in der internationalen Orchesterlandschaft. Dennoch gab es an diesem Abend wie bei den Klangkörpern aus Birmingham, Cleveland und Bamberg viele leere Plätze – ganz anders als im Monat zuvor, als bei Young Euro Classic selbst unbekannte Jugendorchester für ein vollbesetztes Konzerthaus sorgten. Sind Jugendorchester in Berlin beliebter als internationale Star-Orchester? Den Grund für dieses Missverhältnis muss man wohl eher darin sehen, dass sich Young.Euro.Classic seit Jahren kontinuierlich ein Stammpublikum aufgebaut hat, das erst im Vorjahr geschaffene Musikfest Berlin dagegen noch nicht.

Weiter nach Osten geöffnet

01.09.06 (Albrecht Dümling) -

„Dieses Orchester gibt es eigentlich gar nicht.“ Die Schauspielerin Jenny Schily war Patin für einen Klangkörper, der sich erst wenige Tage zuvor konstituiert hatte und dennoch keine Luftnummer war: das Campus-Orchester China-Europa. Nun saßen die jungen Musiker aus Shanghai, Tschechien, Polen und Deutschland auf dem Podium des Konzerthauses Berlin und spielten zusammen ein anspruchsvolles Programm. Campus-Projekte, bei denen Mitglieder zweier Orchester aufeinandertreffen, gehören zu den Spezialitäten des Festivals Young.Euro.Classic. 2004 hatte es mit der Begegnung von Letten und Spaniern begonnen, ein Jahr später fortgesetzt – ebenfalls noch mit Kommunikationsproblemen – mit Deutschen und Russen. Die besten Ergebnisse zeigten sich in diesem Jahr, obwohl die größte geografische und kulturelle Entfernung zu überwinden war.

Föderalismusreform gefährdet Chancengleichheit

01.06.06 (Albrecht Dümling) -

Zur Postkutschenzeit war Deutschland in unzählige Fürstentümer, Grafschaften und Königreiche zersplittert und man hatte bei Reisen mühsam immer wieder Landesgrenzen und Zollschranken zu überwinden. Das Niveau des Musiklebens und der Bildung war abhängig vom kulturellen Interesse des jeweiligen Hofes. Von gleichen Bildungschancen im Deutschen Reich konnte nicht die Rede sein, weshalb die Vorkämpfer der Demokratie sich auch für die nationale Einigung einsetzten. Mehr als ein Jahrhundert ist seitdem vergangen, Deutschland ist längst geeint und hat sogar europaweit Grenzen überwunden. Durch die geplante Föderalismusreform kehrt es aber zur Kleinstaaterei der Postkutschenzeit zurück und gefährdet damit die Chancengleichheit.

Alarmierender Preisverfall

01.05.06 (Albrecht Dümling) -

Musik prägt unseren Alltag in einem ständig wachsenden Maße. Zu den bekannten Aufführungsformen in Konzert und Radio treten immer neue Medien wie Klingeltöne, iPods, MP3-Player, selbstgebrannte CDs, Webradios oder digitales Fernsehen. An dieser explodierenden Musiknutzung sind allerdings, wie die GEMA auf ihrer Berliner Jahrespressekonferenz beklagte, die Urheber nicht angemessen beteiligt. Dabei fordert das Urheberrechtsgesetz ausdrücklich eine angemessene Beteiligung der Musikautoren an dem durch ihr geistiges Eigentum erzielten wirtschaftlichen Erfolg. Trotz aller Bemühungen der großen deutschen Urheberrechtsorganisation sinkt die Vergütung des Autors für seine einzelnen Werke kontinuierlich. Dies liegt nicht nur an der großen Zahl illegaler Musik-Downloads im Internet, sondern auch an schlechteren Bedingungen bei legaler Musiknutzung.

Ausdauernde Begeisterung für nordische Musik

01.03.06 (Albrecht Dümling) -

Die skandinavischen Botschaften betreiben in Berlin aktive Kulturarbeit, etwa in Verbindung mit dem Finnland-Institut. Im Musik-Bereich werden sie seit mehr als zwei Jahrzehnten von Andreas Peer Kähler aktiv unterstützt. Dieser begeisterte sich nach seinem Dirigier- und Kompositionsstudium für nordische Musik und gründete 1980, gerade erst 22 Jahre alt, das Berliner Sibelius Orchester, das er bis 1986 leitete. Schon ein Jahr später rief Kähler die Deutsch-Skandinavische Jugend-Philharmonie ins Leben, deren künstlerischer Leiter und ständiger Dirigent er bis heute ist. In diesem Orchester spielen etwa einhundert junge Musiker, meist Musikstudenten, nicht nur aus Deutschland und Skandinavien, sondern aus fast allen europäischen Ländern. Reizvoll ist für sie die Aussicht, in der Berliner Landesmusikakademie mit erfahrenen Mentoren zusammenarbeiten und zum Abschluss der Orchesterwoche in der Philharmonie auftreten zu dürfen.

Ein zerplatzender Luftballon – der Tod als Absurdität

01.03.06 (Albrecht Dümling) -

Das Festival UltraSchall, eine gemeinsame Veranstaltung von kulturradio rbb und Deutschlandradio Kultur, fand zum achten Mal in Berlin statt. Sein Name erhielt in diesem Jahr eine zusätzliche Bedeutung, verweist er doch auch auf Krach hinter den Kulissen. Die bisher so fruchtbare Zusammenarbeit der verantwortlichen Redakteure Rainer Pöllmann und Martin Demmler endete jäh im August 2005, als das kulturradio seinen Redakteur Demmler in der bekannten Goebbelszitat-Affäre fristlos entließ. Obwohl das Berliner Arbeitsgericht kurz vor Festivalbeginn die Kündigung für unwirksam erklärte, verlor Demmler mit seiner Stelle auch die Mitverantwortung für UltraSchall. Ein zentrales Ereignis des Festivals war die Uraufführung von Pascal Dusapins „Faust“-Oper in der Deutschen Staatsoper.

Musik ist höhere Offenbarung

01.12.05 (Albrecht Dümling) -

Auf Norbert Lammert, in Angela Merkels Schattenkabinett zunächst als Kulturstaatsminister vorgesehen, lastete in den vergangenen Monaten ein hoher Erwartungsdruck. Da er sich in der Vergangenheit mehrfach für eine bessere Musikerziehung eingesetzt hatte, bemühte sich der Verband deutscher Musikschulen bei einem Familienkonzert der Deutschen Streicherphilharmonie, ehemals bekannt als Deutsches Musikschulorchester, um seine Schirmherrschaft. Der CDU-Politiker nahm an und war auch zu Begrüßungsworten bereit.

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