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Alle Artikel kategorisiert unter »Jürgen Oberschmidt«

Relevant im Spiel der Systeme

19.07.21 (Jürgen Oberschmidt) -
„Wohl dem, der, wann der irdische Boden untreu unter seinen Füßen wankt, mit heitern Sinnen auf luftige Töne sich retten kann“, so ruft der „Tonkünstler“ Joseph Berlinger in Wackenroders „Herzergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ (1797) aus. Seine Weltflucht ist eine Reaktion auf das poesielose Gefühl und die rastlose, ausschließlich vom „gemeinen Zweck und Nutzen“ bestimmte Prosa jener Welt, der man zu entkommen suchte.

Musikunterricht neu denken!?

29.06.21 (Carl Parma) -
Mit seiner programmatischen Schrift Musikerziehung und Musikpflege (1921) leitete Leo Kestenberg eine fundamentale Neubestimmung des Musik­unterrichts ein, die unser Fach- und Professionsverständnis bis heute entscheidend geprägt hat und „die am authentischsten seine eigene musikpädagogische und musikpolitische Haltung widerspiegelt“ (Wilfried Gruhn).

Wie stark ist nicht dein Zauberton?

10.04.21 (Jürgen Oberschmidt) -
Es war einmal im Jahre 1817, als Ignaz von Seyfritz, der als Teenager die Uraufführung der Zauberflöte miterleben durfte, die sogenannte „Bruchtheorie“ zum Spätwerk eines 35-jährigen Tonschöpfers in die Welt setzte: Mozart und Schikaneder hätten mitten im Produktionsprozess ihre Pläne umgeworfen und urplötzlich die Handlung in das freimaurerische Ägypten verlegt. Aus der treusorgenden Mutter wurde dann eine Rachehexe und der finstere Sarastro wandelte sich zum Gutmenschen. Was hat diese Bruch­theorie mit einem Buch „Praxisschock Kompositionspädagogik“ zu tun, das im nüchternen Untertitel „Sachdienliche Hinweise für Schule und Musikschule verspricht“?

Mit Musik lernen, unsere Welt (wieder) zu verstehen

30.03.21 (Jürgen Oberschmidt) -
„Leere Herzen“ heißt der Roman von Juli Zeh, in dem sie bereits 2017 eine Social-Distance-Gesellschaft beschreibt, eine pragmatisch und nüchtern handelnde Gesellschaft einer nahenden Zukunft, die nicht erst in unseren ansteckenden Zeiten zur Gegenwart geworden ist. Wir verdursten an innerer Leere, vor allem jene, die feststellen, dass sich die Würde des Menschen nicht nur über Frisörbesuche definieren oder wiederherstellen lässt. Leer sind die Herzen, seit die Gesundheitsgefahren des Singens hinaufbeschworen wurden, leer sind die Herzen, weil es auf all den kleinen und großen Bühnen des Lebens still geworden ist.

Perspektivwechsel einleiten

26.02.21 (Jürgen Oberschmidt) -
Der „Schulmusiker ist für mich kein Musiker, das ist ein Lehrer mit Fach Musik. Er muß versuchen, eine Musik zu vereinfachen, so daß es jemand, der von nichts Ahnung hat, kapiert. Dabei geht an der Musik so viel kaputt. Wenn wir in der Schule eine Mahler-Symphonie durchgenommen haben, die ich kurz vorher im Orchester gespielt habe, hat mir das fast wehgetan. Musiklehrer [sein] ist eben eine frustrierende Sache, für den Lehrer selbst und für die Schüler“ (Bastian 1987, S. 737).

Mehr Musik in der Schule, aber wie?

27.11.20 (Jürgen Oberschmidt) -
Es ist in der nmz zur Tradition geworden, auf Artikel „vor 50 Jahren“, „vor 100 Jahren“ zu verweisen, um dabei – oft mit einem gewissen Augenzwinkern – auf Kuriositäten unseres Musiklebens hinzuweisen.

Fatale Wege in eine Öde ohne Musik

30.06.20 (Carl Parma) -
Wie wären die letzten Monate der Pandemie ohne sie verlaufen: die unzähligen Balkon-, Socken- und Streamingkonzerte. Selten wurde die gesellschaftliche, ja die System-Relevanz der Musik für alle sicht- und hörbarer als in den Wochen der erzwungenen Isolation, selten war ihre emotionale Leuchtkraft heller als in diesen sonst so dunklen Tagen.

Kein Musikunterricht im Land der Musik?

29.03.20 (Carl Parma) -
„Man sang nur, nach dem Gehör, das theoretische Verständnis war von magerster Sorte, und die Art des Unterrichts so unpädagogisch wie möglich.“ Mit diesen Worten fasste der englische Musikpädagoge John Hullah die Eindrücke seiner Inspektion deutscher Elementarschulen im Jahre 1879 zusammen.

Schulen musizieren – das BMU Festival

29.11.18 (Jürgen Oberschmidt) -
Ein Festival ist eine Veranstaltung, die sich durch den Ort und die Gestaltung aus dem gewohnten und alltäglichen Rahmen heraushebt. „Schulen musizieren“ ist solch ein Festival: Hier wird ein wichtiger Bestand kultureller Bildung direkt in die Öffentlichkeit hineingetragen. Im üblichen Format ist schulisches Musizieren oft nur einer eingeweihten Peergroup, eben Eltern, Großeltern mit den musizierenden Kindern, zugänglich. Und bei der Ausgestaltung von Schulfesten und -feiern bleibt die Musik vielfach lediglich schmückender Dekor: Als ästhetische Wandtapete darf sie der Verabschiedung der Abiturientia beiwohnen, auf der dann ein Preis für die besten Prüfungsleistungen der eben zweckdienlicheren MINT-Dynas­tien vergeben wird.

Musikunterricht mit Second-Hand-Lehrern?

10.10.18 (Jürgen Oberschmidt) -
Der Philosoph Peter Sloterdijk hat in seiner Essaysammlung „Du mußt dein Leben ändern“ bemängelt, dass sich Schule in einem „Selfish-System“ bewegt und sich in diesem durch das ständige Schmoren im eigenen Saft und ohne nötige Impulse von außen immer wieder selbst erneuert. Einen doch recht zweifelhaften Eingriff in dieses geschlossene System erleben wir derzeit durch Quer- und Seiteneinsteiger, in anderen Lebensbereichen wird dieses Modell mit wechselndem Erfolg praktiziert: In der Unterhaltungsbranche machte uns ein Teamchef ohne Trainerlizenz bereits 1990 zum Fußballweltmeister, ein Schauspieler und Theaterwissenschaftler führte als 40. Präsident die Vereinigten Staaten, der Inhaber eines Mischkonzerns und erfolgreiche Immobilienmakler ist der nicht unumstrittene Nachmieter in Washingtons Pennsylvania Avenue.
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