170 Veranstaltungen und «Clärchen» zu Ehren von Clara Schumann


10.01.19 -
Leipzig - Mit mehr als 170 Veranstaltungen feiert die Stadt Leipzig in diesem Jahr Clara Schumann. Die Musikerin wurde vor 200 Jahren in der Stadt geboren. Das Festjahr «CLARA19» soll mit Musik, Theater und Ausstellungen das Schaffen der Pianistin und Komponistin würdigen. Leipzigs Kulturdezernentin Skadi Jennicke eröffnete den Veranstaltungsreigen am Mittwoch offiziell. Die Stadt fördert das Festjahr mit 340 000 Euro.
10.01.2019 - Von dpa, PM, KIZ

Eine süße Besonderheit hat sich ein Leipziger Bäcker einfallen lassen. In Anlehnung an das Traditionsgebäck Leipziger Lerchen backt er «Clärchen» und bietet sie in seinen Filialen zum Verkauf an.

Clara Wieck wurde am 13. September 1819 in Leipzig geboren. Sie heiratete einen Tag vor ihrem 21. Geburtstag den Komponisten Robert Schumann. In ihrem Wohnhaus in der Inselstraße in Leipzig ist heute das Schumann-Haus untergebracht.

Pressemeldung zu CLARA19_

Leipzigs Festjahr CLARA19 beginnt!
Über 170 Veranstaltungen zum 200. Geburtstag von Clara Schumann in ihrer
 Geburtsstadt

Leipzig feiert Clara Schumann! Schirmherrin und Kulturbürgermeisterin Dr.
Skadi Jennicke eröffnete heute am frühen Nachmittag das Festjahr „CLARA19“.
Präsentiert wurde das umfangreiche Programm in der Hochschule für Musik und
Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ (HMT), wo die vor 200 Jahren im
Zentrum Leipzigs geborene Clara kurzzeitig selbst unterrichtet hat. Umrahmt
wurde die Veranstaltung vom Mendelssohn Kammerorchester und der
diesjährigen Schumann-Preisträgerin der Stadt Zwickau, Ragna Schirmer, die
gemeinsam das Klavierkonzert op. 7 der Jubilarin interpretierten.

Das Publikum erwartet 2019 über 170 Veranstaltungen. Gestaltet werden sie
von rund 60 Institutionen der Leipziger Kulturszene (u.a.
Gewandhausorchester, Leipziger Ballett, MDR-Rundfunkchor, Bach-Museum,
Schumann-Haus, Theater der Jungen Welt) und international renommierten
Künstlern wie Lauma und Baiba Skride (Klavier/Violine), Antje Weithaas
(Violine), Andris Nelsons (als Chefdirigent des Gewandhausorchesters und
als Trompeter), Ragna Schirmer (Klavier), den Cellisten Marie-Elisabeth
Hecker und Peter Bruns sowie dem Vogler Quartett und dem Alinde Quartett.

Die Beschäftigung mit Clara Schumann reicht dabei weit über Orchester- und
Kammermusikkonzerte hinaus: Theater- und Ballettproduktionen,
Ausstellungen, Kolloquien sowie Wanderungen, Radtouren, Mitsingkonzerte in
den Parks und ein Freiluftfgottesdienst sind inspiriert von der
Vielseitigkeit des Stars des 19. Jahrhunderts. MDR Kultur produziert in
Zusammenarbeit mit Accentus Music und Arte eine Dokumentation über Clara
Schumann und deren Spuren in Europa, ausgehend von ihrer Heimat (Sept.
2019). Anlässlich des Geburtstages entwickelte die Bäckerei Jürgen Kleinert
ein „Clärchen“ – das Leipziger Traditionsgebäck „Die Lerche“ wird 2019 zur
„süßen Hommage“ an Clara Schumann und ist ab sofort in allen
Kleinert-Filialen erhältlich.

„Das Festjahr CLARA19 gibt der Musikstadt Leipzig ein neues Gesicht! Die
Pianistin, Komponistin, Konzertunternehmerin und Pädagogin Clara Schumann,
die sich europaweit auf Konzertreisen begab und eine europäische Kultur
mitgestaltete, inspiriert auf besondere Weise. Dies nehmen Leipzigs
Kulturakteure begeistert auf. Lassen Sie sich einladen zu einem Festjahr,
das den bislang umfangreichsten Versuch darstellt, weitgefächert die großen
und kleinen Kulturinstitutionen an einen Tisch zu bringen und ein
gemeinsames Thema zu gestalten“, so Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi
Jennicke. Die Stadt Leipzig fördert 2018 und 2019 das Festjahr mit rund
340.000 Euro, wovon 110.000 Euro Projekten der Freien Szene zur Verfügung
gestellt wurden.

CLARA19 ist ein Projekt der Stadt Leipzig mit Unterstützung der Leipzig
Tourismus und Marketing GmbH. Der künstlerische Leiter Gregor Nowak
(Schumann-Haus Leipzig) zeigt sich über die Resonanz beeindruckt: „CLARA19
ist ein Festjahr, das keiner übergeordneten Dramaturgie folgt, sondern die
Energie und die Kraft der einzigartigen Musikstadt Leipzig erlebbar macht.
Clara Schumann bietet durch ihr außergewöhnliches Schaffen und ihre
dramatische Vita nahezu perfekte Anknüpfungspunkte für eine künstlerische,
wissenschaftliche sowie unterhaltsame Auseinandersetzung und eröffnet
Perspektiven, die in unserer heutigen Zeit an Aktualität nichts eingebüßt
 haben.“

Ausstellungen und Führungen erwecken Geschichte zum Leben

Den Blick auf drei bekannte Musikerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts, Anna
Magdalena Bach, Fanny Hensel und Clara Schumann, richtet das Bach-Museum in
seiner Ausstellung vom 23.08.2019–19.01.2020. Das Museum für Druckkunst
lässt „Eine musikalische Liaison“ entstehen: Gefeiert wird das 300-jährige
Jubiläum des ältesten Musikverlages der Welt Breitkopf & Härtel (gegründet
in Leipzig) und der 200. Geburtstag von Clara Schumann
(Ausstellungszeitraum: 08.03.–23.06.2019). Das Staatsarchiv Leipzig
veranstaltet Führungen durch das sonst nicht öffentlich zugängliche Magazin
und gewährt Einblicke in bedeutende historische Dokumente, wie die
Gerichtsakte in der Eheeinwilligungssache sowie Korrespondenzen und
Notenmaterial (12.06. und 26.08.). Weitere Ausstellungen und Führungen des
Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig, des Mendelssohn-Hauses
(„Clara und Felix“) und des Stadtgeschichtlichen Museums bereichern das
Programm von CLARA19.

 

Musik, Theater, Freiluftveranstaltungen an Originalschauplätzen

Leipzig bietet zahlreiche Originalschauplätze und Orte, die Clara oft
besuchte: Die HMT veranstaltet am 26. Januar eine Konzertperformance mit
Studierenden zum Beginn des Clara Schumann-Jahres. Das Schloss Lützschena
verwandelt sich in eine Tanzbühne für das Leipziger Ballett (16.05.). In
Leipzig-Abtnaundorf inszeniert Choreografin Heike Hennig mit Ragna Schirmer
einen Musik-Theater-Spaziergang „CLARA - bewegt“ (19.05., Leipziger
Romantik e.V.). In Clara und Robert Schumanns Hochzeitskirche, der heutigen
Gedächtniskirche Schönefeld, erklingen zum Valentinstag am 14.02. Musik und
Segen für Verliebte (Leipziger Notenspur). Außerdem ist die Kirche
Ausgangspunkt für einen geführten Hochzeitsspaziergang über die Parthenaue
in den Abtnaundorfer Park (11.08., Notenspur, LeipzigGrün, Grüner Ring
Leipzig). Das Mendelssohn-Haus Leipzig veranstaltet mehrere
Sonntagsmatineen sowie den Leipziger Klaviersommer (04.-25.08) zu Ehren von
Clara Schumann.

Im Schumann-Haus sind im Rahmen von CLARA19 zahlreiche Veranstaltungen zu
erleben, teilweise auch als Benefizkonzerte zugunsten der neuen
Dauerausstellung. Diese richtet den Blick auf das Experiment der
einzigartigen Künstlerehe zwischen Clara und Robert, das in der Inselstraße
in Leipzig begann. Für die Öffentlichkeit ist das neugestaltete Museum ab
dem 14.09., einen Tag nach Claras Geburtstag, zu sehen. Verbunden ist die
Wiedereröffnung des Hauses mit dem großen Inselstraßenfest. Die
Schumann-Festwochen, beginnend am Hochzeitstag, dem 12.09., versprechen ein
abwechslungsreiches Programm: u.a. mit dem Kammermusikfestival „10 für
Clara“. Zehn international geschätzte Künstler konzertieren eine Woche
lange gemeinsam an Orten, die 2018 mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel
ausgezeichnet wurden. Zu erleben sind u.a. Antje Weithaas, Dong Suk Kang
und Sayako Kusaka (Violine), Pauline Sachse (Viola), Marie-Elisabeth Hecker
und Peter Bruns (Violoncello), Martin Helmchen, Antti Siirala und Annegret
Kuttner (Klavier). Spielorte: Schumann-Haus, Sommersaal des Bach-Museums,
Alte Nikolaischule, Grieg-Begegnungsstätte.

 

Clara, das Wunderkind, die Pianistin, Pädagogin und Köchin

Die junge Clara bringt das Theater der Jungen Welt in „Mädchenmonstermusik“
in der Regie von Michaela Dicu auf die Bühne (Premiere: 04.05.). Die
Konflikte zwischen Gender, Beruf, Beziehung und Familie im Leben der
Jubilarin interessieren den Choreografen Wagner Moreira in seiner neuen
Arbeit für die Leipziger Tanztheater Company (Premiere: 13.09.). Clara als
Pianistin ehrt die Neue Leipziger Chopin-Gesellschaft in ihrer Konzertreihe
Herfurthsche Hausmusik (Kooperation mit der Stadt Markkleeberg) und blickt
in „Claras Repertoirebüchlein“ auf ihre bewegte Konzerttätigkeit in ganz
Europa (ab 20.01.). Clara und ihre Schüler, die Schule Friedrich Wieck und
Claras Repertoire sind Gegenstand des Kolloquiums der HMT Leipzig,
Fachrichtung Klavier/Dirigieren (15.05.). „Clara Schumann –  Facetten und
Funktionen“ lautet der Titel der internationalen musikwissenschaftlichen
Konferenz der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e. V., in Kooperation
mit Dresden und Leipzig (09.-12.05.). Den Klavierbau der Zeit bringt Ragna
Schirmer im Konzert „CLARA - Instrumente ihres Lebens“ (21.05.) an sieben
verschiedenen Flügeln zu Gehör. Claras eheliches Kochbuch ist Grundlage des
unterhaltsam-kulinarischen Abends „Adolf Südknecht kocht Clara Schumann“ im
Werk 2 (20./21.09.). Ergänzt wird das Festjahresprogramm durch das
Frauenfestival am 29.06. auf dem Leipziger Markt zum 200. Geburtstag von
Clara Schumann & Louise Otto-Peters, das Theaterprojekt „Klara trifft
Clara“ der Kulturwerkstatt KAOS (Premiere: 11.01.), das Festival Sommertöne
(14.-30.06.), den Leipziger Clara-Schumann-Wettbewerb für junge
Pianistinnen und Pianisten (18.-20.10.) sowie zahlreiche weitere
 Veranstaltungen.

 

Clara Schumann in Leipzig

Clara Schumann verbrachte ihre ersten 25 Lebensjahre in Leipzig und
heiratete hier Robert Schumann. Im Alter von neun Jahren gab sie ihr
erfolgreiches Konzertdebüt im Leipziger Gewandhaus. Als anerkannte
Künstlerin feierte sie in der Leipziger Zeit Konzerterfolge u.a. in Paris,
Wien, Kopenhagen, St. Petersburg. Anlässlich ihres 50-jährigen
Künstlerjubiläums wurde sie 1878 im Leipziger Gewandhaus geehrt.

Im Leipziger Schumann-Haus verlebten Clara und Robert Schumann die
glücklichen ersten vier Ehejahre. Am 13. September 1840 bezogen die frisch
Vermählten ihr erstes gemeinsames Domizil in einem aufstrebenden neuen
Stadtteil, das sich zum Zentrum des Buchgewerbes entwickelte. Zahlreiche
Verlage und Buchdruckereien siedelten sich hier an, darunter Breitkopf &
Härtel und C. F. Peters sowie F. A. Brockhaus und Reclam. In der
Inselstraße 18 begrüßte das Künstlerpaar regelmäßig berühmte
Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Hector
Berlioz. Hier komponierte Robert Schumann einige seiner bedeutenden Werke,
beispielsweise den Liebesfrühling op. 37 zusammen mit Clara, die
Frühlingssinfonie op. 38, die Dichterliebe op. 48 sowie sein
Klavierquintett op. 44, das seine Frau im Gewandhaus uraufführte.

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