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Reihe 9 und Platz 9 im Congress Centrum Heidenheim. Foto: mku

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Reihe 9 (#116) – OperOper

Vorspann / Teaser

Schon immer war es künstlerisch reizvoll, sich auf der Bühne selbst zu spiegeln. Um dies jedoch mit Genuss zu tun, sind neben einem gesunden Maß an Selbstbewusstsein auch inspirierte Kreativität und feinsinnige Ironie erforderlich. Und dann gibt es natürlich verschiedene Perspektiven auf den „Betrieb“. Etwa bei dem viel zu biedermeierlich verstandenen Albert Lortzing und seiner Opernprobe (in der übrigens recht zeituntypisch eine Kammerzofe die gesamte Unternehmung dirigiert). Geprobt wird auch bei Richard Strauss und seiner Ariadne auf Naxos, gespielt hingegen (mit Eifersucht und Mord) in Ruggero Leoncavallos Bajazzo. Und dann gibt es natürlich die Bühnenmusiken, wenn sich Teile des „Grabens“ auf die Bretter begeben (legendär: Don Giovanni) oder wenn eine Szene einfach noch einmal inszeniert wird (wie in Flotows Martha, der von Friedrich Wilhelm Wiese getexteten Großmutter aller täglich grüßenden „Murmeltiere“).

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Warum also nicht einmal ein Verdi-Drama als „Spiel im Spiel“ auf die Opernbühne bringen? Ein Wagnis, zumal bei Macbeth, der auch in der italienischen Libretto-Adaption von Shakespeares Original emotional und psychologisch mehr menschliche Untiefen ausleuchtet als es allzu oberflächliche Sänger und selbst gewiefte Künstleragentinnen tun können. Natürlich denkt man dabei an den einen oder anderen Skandal wirklichen, vermeintlichen oder auch gerichtlich freigesprochenen Machtmissbrauchs. Doch trägt diese Idee einen ganzen Abend? Schon bei der ersten Szene muss hier die Übertitelung verortend sekundieren, im weiteren Verlauf mag manches einleuchten, vieles jedoch nicht (warum wechselt der Flügel nach der Pause die Seite?). Anderes wirkt allzu notdürftig gewollt, etwa wenn der Chor mit beklebten Holzpulten durch den „Wald von Birnam“ schreitet. 

Die Erzählung von Macbeth und seinen Machenschaften findet ohnehin überall und jederzeit einen Spiegel. Das wird sich wohl auch der baden-württembergische Ministerpräsident gedacht haben, der mit seiner Frau und gediegenem Understatement im Auditorium die Premiere bei den Opernfestspielen Heidenheim einem politischen Termin in Brüssel vorzog (so verlautete es jedenfalls aus gut informierten Kreisen). Doch gleich ob Schottland, Europa oder Berlin: Die Geschichte um Macht und Eitelkeit hat auch etwas bedrückend Aktuelles, denkt man an die zahlreichen, vielfarbigen und opernhaften Fortsetzungen der Dramen, die einen als „Eilmeldungen“ von der Spree erreichen. Ein richtiges Sommertheater – auch und gerade in der Sommerpause.

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Macbeth auf der Bühne mit Leah Gordon und Thomas Weinhappel – im Klavierauzug indes Wagners „Rheingold“. Foto: Oliver Vogel

Macbeth auf der Bühne mit Leah Gordon und Thomas Weinhappel – im Klavierauzug indes Wagners „Rheingold“. Foto: Oliver Vogel

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Überzeugender als die mäßige Inszenierung von Andreas Baesler waren wie immer in Heidenheim das Solistenensemble, der grandios auf der Bühne agierende Festspielchor (Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn) und die Cappella Aquileia. Sie prägt seit 15 Jahren unter der Leitung von Marcus Bosch entschieden den Sound der Opernfestspiele (auch mit CD-Live-Mitschnitten) und den seit Jahren fortgesetzten chronologischen Verdi-Zyklus mit vielen Überraschungen, Entdeckungen, mediterran duftenden Melodien und knackigen Akzenten. In diesem Jahr stand zudem ein bewundernswert dunkler und ergreifender Othello mit den Stuttgarter Philharmonikern auf dem Spielplan. Angesichts der Premierenfeier möchte man fast von einer „Verdimania“ sprechen, die längst die Stadt, das Publikum und (nicht zu vergessen) auch die Sponsoren erfasst hat. Seltsamerweise gilt Heidenheim noch immer als Geheimtipp, doch das muss ja nicht so bleiben. Die Cappella Aquileia hat sich übrigens auch selbst gefeiert – mit einem „Galakonzert“ (besser: einem recht „normalen“ Sinfoniekonzert) mit Weber, Beethoven und den Speaking Drums von Péter Eötvös, grandios und unaufgeregt zelebriert von Alexej Gerassimez, der das Publikum im Sturm eroberte. Ja, man darf gerne auch mehr wagen.

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 Das Ende ist nah (Thomas Weinhappel und Santiago Bürgi). Foto: Oliver Vogel

Das Ende ist nah (Thomas Weinhappel und Santiago Bürgi). Foto: Oliver Vogel

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Reihe 9

Immer am 9. des Monats setzt sich Michael Kube für uns in die Reihe 9 – mit ernsten, nachdenklichen, manchmal aber auch vergnüglichen Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen und dem alltäglichen Musikbetrieb. Die Folgen #1 bis #72 erschienen von 2017 bis 2022 in der Schweizer Musikzeitung (online). Für die nmz schreibt Michael Kube regelmäßig seit 2009. 

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