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Alle Artikel kategorisiert unter »19. Jahrhundert«

„L'amour est difficile.“ – Nancy: „Tristan und Isolde“ im Archiv der Poesie

02.02.23 (Roland H. Dippel) -
Eine hochintellektuelle und zutiefst emotionale Verortung von Richard Wagners Radikal-Musikdrama „Tristan und Isolde“. Tiago Rodrigues wühlt bei seinem Operndebüt im semantisch-sensitiven Speicher des kollektiven Gedächtnisses. An der Opéra national de Lorraine in Nancy singt Dorothea Röschmann mit intensiver Lyrik ihre erste Isolde, der australische Tenor Samuel Sakker einen phänomenalen Tristan. Das Orchester und das exzellente Ensemble interpretieren Wagner mit ausdrucksvoller Skalierung von Melancholie und Kantabilität. Nach starkem Beginn zieht sich Dirigent Leo Hussain leider in ein Schneckenhaus aus sentimentaler Emphase zurück. Sofia Dias und Vítor Roriz werden als choreographische Wortgeber zu Hauptpartien.

Sternstunde des Musiktheaters: Giuseppe Verdis „Simon Boccanegra“ an der Deutschen Oper Berlin

30.01.23 (Dieter David Scholz) -
Giuseppe Verdi hatte die Oper „Simon Boccanegra“ für das Teatro La Fenice komponiert, wo sie 1857 uraufgeführt wurde. Am 29.01 2023 ging an der Deut­schen Oper Berlin die Premiere einer Neuinszenierung über die Bühne, die der international gefragte, junge Regisseur Vasily Barkhatov (er wurde 1983 in Moskau geboren) und der italienische Dirigent Jader Bignamini (der 47-Jährige ist Chefdirigent des Detroit Symphony Orchestra) verantworten. Die Produktion des jungen Teams wurde zu einer Sternstunde des Musiktheaters.

Erwischt auf dem Holodeck – Richard Wagners Tristan und Isolde am Staatstheater Cottbus

29.01.23 (Joachim Lange) -
Dass man den verdeckten Graben im Bayreuther Festspielhaus gleichsam mitdirigieren kann, hat Christian Thielemann gerade an der Berliner Lindenoper – vor allem mit dem „Rheingold“ – beispielhaft demonstriert. Was gerade für Wagners Non-plus-ultra Oper „Tristan und Isolde“ eine gute Idee wäre, wenn man denn testen wollte, ob es stimmt, dass eine vollkommen gelungene Aufführung, den Zuhörern wirklich den Verstand rauben könnte, wie Wagner selbst etwas kokett von seinem Tristanopus mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein behauptete. Ein suggestiver Klangrausch mit Risiken und Nebenwirkungen ist es allemal. Auch in einem „normalen“ Stadttheater mit oben offenem Orchestergraben. 

Die Satire beißt nicht – Die Dresdner Militär-Offenbachiade neu einstudiert im Münchner Gärtnerplatztheater

27.01.23 (Wolf-Dieter Peter) -
 „Diesmal mokieren wir uns über den Krieg, und der Krieg steht vor unseren Toren“ notierte Librettist Ludovic Halévy 1867 in sein Tagebuch, im Umfeld der Uraufführung von Jacques Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“. 1866 hatte Bismarcks Preußen Österreich aus der deutschen Frage gedrängt. 1870 begann der fatale Deutsch-Französische Krieg. Jetzt, 2023, herrscht Krieg – geografisch und medial nahe gerückt – schwere Zeiten für die Satire…

Blutige Wände – Michael Thalheimer und Jonathan Nott formen in Genf einen „Parsifal“ nach ihrem Bilde

26.01.23 (Joachim Lange) -
Da die Welt, in der Richard Wagners Werke leben, so etwas wie ein eigenes Universum ist, fragt man sich am Ende, nach dem eindrucksvollen „Parsifal“, der gerade mitten in der Woche im Grand Théâtre de Genève vor nicht ganz gefülltem Saal über die Bühne ging, ob man von diesem Regisseur auch einen „Ring des Nibelungen“ durchexerziert bekommen möchte. Gelegenheit für Blutbäder und die notorische Brutalobühnenbild-Metaphorik, die bei Michael Thalheimer zum Markenkern gehören, böte die Tetralogie.

Es wurde auch geschnarcht – Nikolai Rimski-Korsakows „Märchen vom Zaren Saltan“ in Hannover

15.01.23 (Dieter David Scholz) -
„Es ist schon klar, was die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr beabsichtigt. Aber es vermittelt sich nicht in der verrätselten, symbolschwangeren, dazu in beliebigem Hier und Heute angesiedelten Ambiente ohne Atmosphäre …. Qualm ist das einige, was die öde und dröge Inszenierung belebt,“ meint unser Kritiker Dieter David Scholz. Viel Rauch um Etwas? Musikalisch hingegen beglücke die Aufführung.

Wenn Wünsche wahr werden (könnten)

02.01.23 (Christoph Schlüren) -
Klangexpeditionen +++ Jahrhundertaufnahmen +++ Seltene Geradlinigkeit +++ Kasse machen +++ Für Raritätensammler +++ Unsere Autoren: Hans-Dieter Grünefeld, Christoph Schlüren, Sven Ferchow, Michael Kube und Mátyás Kiss

Oper-Orchidee in Erl – „Francesca da Rimini“ von Saverio Mercadante

29.12.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Komponisten und Opern teilen oft Schicksalsschläge. Der 1795 getaufte Saverio überlebte die kriegerische Plünderung Neapels 1799 nur, weil seine ledige Mutter mit ihm aus der Stadt geflohen war. Der anschließend ausgezeichnet ausgebildete und dann später europaweit bekannte Komponist Mercadante schied im Streit um Sopran-Star Adalaide Tosi als Francesca 1830 aus der Oper von Cadiz – Werk unaufgeführt. 1831 führte der Tod des Mailänder Scala-Intendanten zur Absetzung – Werk unaufgeführt. Dann: Werk verschollen – Wiederentdeckung der Partitur 2011 (!) in Bologna – Uraufführung 2016 beim Festival Valle d’Itria – nun Tiroler Winterfestspiele in Erl.

Magie der Bilder – „Don Pasquale“ bei den Tiroler Festspielen Erl

28.12.22 (Roland H. Dippel) -
Melancholischer Volltreffer. Mit zwei Jahren Corona-Verzögerung kam im Festspielhaus Erl Caterina Panti Liberovicis Inszenierung von „Don Pasquale“ heraus. Giuliano Carella zeigte zu ihren morbiden Commedia dell'arte-Reminiszenzen, was in Gaetano Donizettis letzter Opera buffa an berührenden Schmelz- und Herztönen steckt. Donato di Stefano macht den zu oft als Polterpartie missverstandenen Pasquale zu einer lyrischen Paraderolle, Bianca Tognocchi ist eine souveräne und schlichtweg ideale Norina. Roland H. Dippel

Politik mit Sex, Stolz und Schmerz: Donizettis „Maria Stuarda“ in Genf

22.12.22 (Roland H. Dippel) -
Teil zwei von Gaetano Donizettis Tudor-Trilogie mit den unabhängig voneinander entstandenen Opern „Anna Bolena“ (Mailand 1830), „Maria Stuarda“ (Neapel 1834/Mailand 1835) und „Roberto Devereux“ (Neapel 1837) am Grand Théâtre de Genève. Stéphanie d'Oustrac brilliert als „Maria Stuarda“ mit kalkulierter Exaltation. Elsa Dreisig verkörpert in allen drei Produktionen Königin Elizabeth I. von England. Mariame Clément inszeniert mit einem dezidiert fraulichen Blick und sucht nach Stringenz zwischen den drei Opern. Andrea Sanguineti dirigiert weniger dramatisch als bei „Lucrezia Borgia“ in Essen.
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