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Alle Artikel kategorisiert unter »19. Jahrhundert«

Figuren werden zu Schattenrissen – César Francks „Hulda“ am Theater Freiburg

17.02.19 (Georg Rudiger) -
Eine Frau verliert alles. Ihre Mutter wird getötet, ihr Volk massakriert. Man deportiert sie aus der Heimat. Sie wird vergewaltigt und soll zwangsverheiratet werden. Aber sie wehrt sich – und aus der Erniedrigung erwächst ihre Rache. Am Ende gibt es noch mehr Gewalt, bis sie sich schließlich selbst mit einem Sturz von der Klippe das Leben nimmt. „Hulda“ heißt die 1885 vollendete, am 8. März 1894 in Monte Carlo uraufgeführte Oper von César Franck nach dem Drama „Halte-Hulda“ des norwegischen Schriftstellers Björnsterne Björnson.

Das Orchester spricht – Zur Wiedereröffnung des Grand Théâtre Genève mit Wagners „Ring des Nibelungen“

15.02.19 (Georg Rudiger) -
Draußen funkelt das Gold in den prachtvoll renovierten Foyers des Grand Théâtre Genève, das zweieinhalb Jahre geschlossen war. Drinnen möchte der scheidende Intendant Tobias Richter im wiedereröffneten Opernhaus mit dem „Ring des Nibelungen“ von 2013/14 (Regie: Dieter Dorn, Bühne: Jürgen Rose) den Glanz auch in den nüchtern und funktional gebliebenen Zuschauerraum bringen. Das mystische Vorspiel zum „Rheingold“ als Schöpfungsakt, als Weihe des wiedereröffneten Hauses – eine durchaus stimmige Dramaturgie.

Dann schrei‘n wir eben dort! – Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ am Theater Lübeck

06.02.19 (Arndt Voß) -
Ein kleines Opernhaus wie das in Lübeck kann manches nicht allein stemmen. Kooperation, nichts Ehrenrühriges, ist angesagt, will es seinem Publikum das Außergewöhnliche bieten, wie es zum Beispiel Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ ist, das stimmgewaltige und szenisch aufwändige Epos aus dem alten Russland und die Genietat eines Autodidakten. Diesmal halfen das Staatstheater Nürnberg und die GöteborgsOperan, um auch in Lübeck (Premiere: 25. Januar 2019) nach Jahrzehnten einmal wieder der Frage nachzugehen, hat Boris nun oder hat er nicht den Zarewitsch gemordet.

Ein Walkürenrastplatz lieg am Golf – Die Bayreuther Festspiele gastieren in Abu Dhabi

04.02.19 (Joachim Lange) -
Zu dem, was jeder über die Bayreuther Festspiele zu wissen glaubt, gehören die einst jahrelangen Wartezeiten auf Eintrittskarten. In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, waren es tatsächlich die 11 Jahre aus der Legende. Aber nicht, um ins Allerheiligste der Wagnerpflege nach Bayreuth zu kommen, sondern umgekehrt. In diesem Falle kommen die Bayreuther Festspiele nämlich zu den Emiratis. Angeführt von der Festspielchefin Katharina Wagner persönlich. Als Gastspiel des einzigartigen Orchesters und einer handverlesenen Auswahl von zum Teil recht hügelerfahrenen Sängern.
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Entlarvung allen Rassismus – Die St. Petersburger Erstfassung von Verdis „Forza del Destino“ an der Oper Frankfurt

29.01.19 (Wolf-Dieter Peter) -
„Volatil“ sind derzeit weltweit fließende Geldmengen, daran hängende Entscheidungen und damit auch Menschen. War 1860, zu Zeiten von Verdis Komposition, eine Handlung zwischen Spanien, seinen mittelamerikanischen Kolonien, Österreich und Italien ein alle klassischen Theaterregeln sprengende „Unglaublichkeit“ – so kann das aus heutiger Sicht auch „die ganze Welt“ sein – so in der Frankfurter Neuinszenierung.

Strangulation erspart die Guillotine – Giordanos „André Chénier“ in Schwerin

22.01.19 (Arndt Voß) -
Drastisch in der Handlung und schrill in den Farben serviert das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin Umberto Giordanos „André Chénier“ (Premiere: 18. Januar 2019). Die spektakuläre, zugleich ungewöhnlich üppige Inszenierung, die Roman Hovenbitzer erarbeitete, packt den Zuschauer. Expressiv und temporeich, dabei oft sinnlich überbordend, werden die chaotischen Zustände vor und während der Französischen Revolution vorgeführt, ein Zeitbild der besonderen Art! Dazwischen geraten die privaten, idealisierten Gefühle der drei Protagonisten unvermeidlich in die Nähe des Kitsches.

Liesl Karlstadt als Opernfigur und Belcanto total bei den Tiroler Winter-Festspielen Erl

02.01.19 (Roland H. Dippel) -
Hier ist die kurze lautstarke Begeisterung am Ende schon fast Ritual, denn ein Großteil der Besucher der am frühen Abend beginnenden Vorstellungen fährt danach zurück bis Bozen, Salzburg, München, Linz. Auch die Winter-Ausgabe der Tiroler Festspiele Erl hat inzwischen eine weit verzweigte Anhängerschaft. Nach dem Rückzug von Gustav Kuhn und der aktuellen Interimsdirektion von Andreas Leisner wird der inzwischen fast ganzjährige Spielbetrieb ab Herbst 2019 durch Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe neue Impulse bekommen. In Vorbereitung ist zum Beispiel ein neuer „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Brigitte Fassbaender. Packend geriet die Uraufführung der Auftragsoper „Stillhang“ von Christian Spitzenstaetter (Komposition) und Klaus Ortner (Text) am 28. Dezember.

Trash-Opulenz – Smetanas „Verkaufte Braut“ an der Bayerischen Staatsoper

24.12.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Bedřich Smetanas erst in deutschen Opernhäusern höchst erfolgreiche Komische Oper beinhaltet viel ernste Konflikte: ein verstoßener Erstgeborener, der als Knecht in der Fremde schuftet; ein fesches Bauernmädel, das mit dem zwischenmenschlich zunächst hilflosen, daher stotternden Zweitgeborenen verheiratet werden soll, aber den vermeintlichen Knecht tiefinnig liebt; patriarchalisch fixierte Väter; eine intrigant planende Mutter; ein gewieft auf seine Prämie hinarbeitender Protz von Heiratsvermittler; das lärmende Elend eines Wanderzirkus – alles nur eine Gaudi?

Die unglückliche Euryanthe als Glücksbringerin – Carl Maria von Webers Große romantische Oper in Wien

15.12.18 (Frieder Reininghaus) -
„Euryanthe“ ist ein Meisterinnen- und Meisterwerk aus Wien. Nicht nur Carl Maria von Webers so effektintensive Partitur von 1822/23 hat in der Geschichte des Musiktheaters eine Leuchtspur hinterlassen und half, zusammen mit dem „Freischütz“, den Mythos einer „Geburt der deutschen Oper“ begründen. Auch das viel gescholtene Textbuch Helmina von Chézys hat bemerkenswerte Qualitäten. Es erscheint als Fundgrube für Denkformen, Sehnsüchte und Propagandamuster in der Restaurationsepoche nach 1815. Zu der bieten sich von der Gegenwart des derzeitigen Österreich her manche Bezugspunkte an.
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