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Kann ein Friedenssymbol zu provokativ sein?

02.06.17 (Martin Hufner) -
Zu seinem Stück „Adhan“ schreibt Maximilian Marcoll: „Pfingsten ist ein ursprünglich jüdisches Fest (Shavuot), das – laut Bibel – gerade von den Aposteln gefeiert wurde, als der Heilige Geist in sie fuhr und sie befähigte, in allen Sprachen zu sprechen, die damals in Jerusalem vertreten waren. Das Pfingstfest wurde einem bereits bestehenden jüdischen Feiertag also quasi aufmoduliert und markiert einerseits die ‚Geburt der Kirche‘, andererseits aber auch ein Gegenbild zu Babel: Die Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen.

Komponierende Kuratoren, diskursive Komponisten

01.03.16 (Andreas Kolb) -
Am Anfang steht der Schöpfer – seit man vom autonomen Werk spricht, denkt man sich stets den von der Muse geküssten oder sonst wie inspirierten Komponisten dazu. Innerhalb des Systems Neue Musik ist heute den Musik-ermöglichern, den Kuratoren, eine immer größere Bedeutung zugewachsen. Mit ihren Festivalthemen greifen sie nicht nur virulente Musikströmungen auf, sondern versuchen, diese mitzugestalten. Im worst case wird die Fragestellung eines Festivals ausstaffiert mit den dazu eingeladenen Komponisten.

Kunst und Anti-Kunst

13.04.15 (Rainer Nonnenmann) -
Als Reaktion auf Phasen besonders ambitionierten Kunstwollens und verfeinerter Ästhetik gab es in der Vergangenheit immer wieder dezidiert anti-künstlerische und anti-ästhetische Bestrebungen, auch in der Musik. Auf das lange 19. Jahrhundert mit Musikdramen, Monumentalsinfonien, Symbolismus und Jugendstil, mit übersteigertem Romantizismus, Ausdrucks-, Stil- und Schönheitsbedürfnis antworteten während und nach dem Ersten Weltkrieg die provokant „sinnlosen“ Musik-, Sprach-, und Bildkompositionen des Dadaismus, dessen Materialien, Durcharbeitungs- und Präsentationsweisen dem bisherigen Kunstverständnis eklatant widersprachen. Die fundamentale Kunstkritik des Dada richtete sich nicht zuletzt gegen den – wie Herbert Marcuse später konstatierte – „affirmativen Charakter“ der idealistischen bürgerlichen Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts, die das Publikum die humanistischen Ideale von Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit – wie etwa im Schlusschor von Beethovens 9. Sinfonie – als bereits erfüllt hatte erleben lassen, statt Impulse zu geben, die tatsächlich ganz anderen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse aktiv zum Besseren zu verändern.

Von der ewigen Lust am Neuen – Das Eclat Festival Neue Musik Stuttgart 2015 zwischen Trends und Traditionen

09.02.15 (Andreas Kolb) -
Über zeitgenössische Musik existieren viele Vorurteile. Die gängigsten lauten etwa, sie habe kein Publikum, ihr ginge jede Heiterkeit, jeder Witz ab. Ihre Macher würden sich in kunstvollen Elfenbeintürmen mit sich selber beschäftigen, ohne Kontakt zu den Menschen, ergo besitze Neue Musik keine gesellschaftliche Relevanz mehr. Alles Unsinn: Weit offen waren die Türen der Neuen Musik beim diesjährigen Eclat-Festival für Neue Musik in Stuttgart. Und wer kurz entschlossen am vergangenen Samstagabend ins Theaterhaus zu den Konzerten wollte, wurde wieder heimgeschickt: Ausverkauft. Dabei bietet der große Saal T1 des Theaterhauses Sitzplätze für über 1.000 Personen.

Im Windschatten der digitalen Revolution

06.02.15 (Harry Lehmann) -
Seit etwa sieben Jahren gibt es in der Neuen Musik eine Diskussion, an welcher alle einschlägigen deutschsprachigen Musikjournale beteiligt sind und in deren Verlauf sich bislang an die 30 Autoren zu Wort gemeldet haben. Ausgelöst wurde sie durch ein Gedankenexperiment über die möglichen Folgen der Digitalisierung in der Neuen Musik, das ich auf der Frühjahrstagung in Darmstadt 2008 angestellt hatte,1 welches zwei Jahre später zu dem von Claus-Steffen Mahnkopf initiierten Band „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“ führte.2

In der Sackgasse

12.04.14 (Max Nyffeler) -
Deutschland geht es prächtig. Die Steuern sprudeln, die Wirtschaft brummt, der Inlandkonsum steigt, und sollte sich in der allgemeinen Saturiertheit einmal unterschwelliger Frust bemerkbar machen, so steht dem aufgeklärten Verbraucher zur Triebabfuhr ein breites Angebot an salonfähiger Pornokunst zur Verfügung. Die dritte merkelianische Regentschaft erweist sich als die beinahe beste aller Welten.
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