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Alle Artikel kategorisiert unter »Kurz-Schluss«

Kurz-Schluss – Wie ich einmal über meine vermeintlich überlegene Kompetenz stolperte und einen Bildschirm verlor ...

28.06.20 (Theo Geißler) -
Auch meine Karriere als Nachtwächter auf dem weitgehend verödeten Gelände des Bayerischen Rundfunks in München-Freimann (Näheres: P&K 6/20) endete rasch. Trotz mehrfacher Übermittlung meiner Kontodaten und einschlägiger Drohbriefe an die Intendanz des Senders („unbekannt verzogen“) und das bayerische Kultusministerium („verbitten uns bei Strafandrohung weitere Belästigungen“) fühlte sich für die Besoldung meiner Dienstleistungen keine der ursprünglich auftraggebenden Instanzen verantwortlich. Existenziell rettende Ideen fand ich dann in meiner Lieblings-Postille, der „Brezel-Umschau“ – einer Konditoren-Fachzeitschrift. Hier wurde ausführlich die bürgerfreundlich abgeschirmte Schutz- und Kommunikationsfunktion der sogenannten Corona-Warn-App beschrieben – mit zahlreichen weiterführenden Links und Hinweisen für distanzsichernde Thekenbewirtschaftung.

Kurz-Schluss: Wie ich einmal einer Abschiebung entkam, um die nächste irrtümlicherweise zu erleben

28.05.20 (Theo Geiẞler) -
Gewiss entsinnen Sie sich der Schilderung meiner verzweifelten Situation in der vergangenen Ausgabe unserer Kulturzeitschrift: Ich hatte meine Dienste als Quereinsteiger-Hilfslehrer von Herzen sozial engagiert dem Kultusministerium angedient – und war im Kittchen gelandet. Völlig zu Unrecht wegen angeblich verschwiegener Inkompetenz und offensichtlicher Versuche, meine Schülerinnen und Schüler linksradikal zu indoktrinieren. Beides natürlich totaler Quatsch. Ich hatte mit meinem Unterricht noch gar nicht begonnen, als ich von einer Rotte rechtsnational verdorbener Glatzen in den üblichen „sozialen“ Netzen aufs Übelste geshitstormed und dank Fake News via Twitter und Instagram unter jeder Gürtellinie verleumdet wurde. Kurz vor der Abschiebung trotz deutscher Staatsbürgerschaft in ein ungarisches Grenzlager – „innerhalb der EU aus Kostengründen durchaus üblich“, so der Staatsanwalt – erhielt ich noch mal die Chance, meine Kompetenz und Harmlosigkeit als des Deutschen mächtiger Altpädagoge unter Beweis zu stellen.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal als Quereinstiegs-Lehrer wirklich helfen wollte und ins Kittchen geriet

27.04.20 (Theo Geißler) -
Es ist schon fast wieder komisch, was einem so alles widerfährt, wenn man im hochseriösen redaktionellen Umfeld einer glaubwürdigen Kulturzeitschrift gewissermaßen der Hofnarr ist, zuständig für ein wenig Fun und viel Fake: Etliche Menschen haben mein Glösschen in der Ausgabe 4/20 unserer geschätzten PuK wohl allzu ernst genommen. Jedenfalls erhielt ich mit Hinweis auf meine angebliche Börsenkompetenz – gelogen wie gedruckt – an die 20 mehr oder weniger eindeutige Partnerschafts- und Heiratsangebote jedweden Geschlechtes. Ich antwortete natürlich sehr freundlich, aber ablehnend, obwohl da schon zwei, drei Sahneschnitten jedweden Geschlechtes dabei waren. Na ja, das Alter …

Kurz-Schluss: Wie mir in einer mittlerweile sattsam bekannten Situation der Isolation Bruchstücke meines Werdegangs ins Gedächtnis rieselten

27.03.20 (Theo Geißler) -
Wer, wie ich, in den späten Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts von einem Mischlings-Ehepaar – Vater Sachse, Mutter Berlinerin – beide auch noch evangelisch – als Geburtsort eine bäuerlich christsoziale oberbayerische Gemeinde zugewiesen bekam, hat ein abenteuerliches Leben vor sich. Ich überspringe frühe eigentlich charakterfestigende, prägende Vorschuljahre und entsinne mich meiner ersten Flucht: Aus der ersten Zwergschul-Klasse im Rahmen der Einschulung. Alle 50 oder 60 Mitschülerinnen und Mitschüler präsentierten stolz ihre prächtigen Schultüten. Ich konnte nur – selbst gewähltes Elend – eine Plastikkamera im Streichholzschachtel-Format vorweisen, die statt eines belichtbaren Films beim Durchgucken zwölf kleine bunte Ansichten der reizvollen landschaftlichen Umgebung präsentierte. Was für eine Schmach. Wie der Blitz flitzte ich ins Freie, um von der überlichtschnellen Lehrerin – schwupps – eingefangen zu werden. Viel später besuchte ich, vermutlich um diese Scharte auszuwetzen, die Münchener Hochschule für Fernsehen und Film …

Theos Kurz-Schluss – Wie ich einmal auf der Suche nach Werten vom Wertewandel in den Börsenwert und zurück auf den Allerwertesten geschleudert wurde

24.02.20 (Theo Geißler) -
Vorsicht, diesmal wird’s ein bisserl ernster hier: Vor ein paar Tagen ertappte ich bei einem Spaziergang meinen elfjährigen Enkel dabei, wie er – glaubte ich – Steinchen in den Wald warf. Glaubte ich, denn bei näherem Hinsehen stellte ich fest, dass er aus seinen prall gefüllten Hosentaschen Ein- und Zwei-Cent-Münzen kramte und, so weit es ging, wegwarf. Gutgläubig wie ich nun mal bin, fragte ich ihn, ob er Geld säe, damit es ordentlich wachse (nicht ohne gleich eine Minipredigt anzuschließen, dass dies ein ziemlich hoffnungsloser Weg zum Reichtum sei). „So ein Schmarrn, Opa – glaubst, ich bin doof?“, antwortete er, nicht ohne mit dem Finger an die Stirn zu tippen. „Ich hab nur mein Sparschwein ausgemistet, damit mehr Platz für Silbergeld und Scheine bleibt.“ „In Dänemark“, fügte er weise hinzu, „ist dieser Kupferschrott schon gar nix mehr wert. Außerdem könntest du mein Handy mal für Apple-Pay freischalten, du hast doch eine Kreditkarte.“ Mir lag zwar eine Moralpredigt samt Schimpfkanonade auf der Zunge. Im Wissen, noch nie ein guter Pädagoge gewesen zu sein, entschloss ich mich zu einer Art Moratorium. Ich bot meinem Enkel an, mir den „Kupferschrott“ auszuhändigen mit der Zusage, ihn in Euro-Münzen (selbstverständlich samt Aufrundung) umzutauschen.

Kurz-Schluss: Wie ich einmal in Schlangenlinien durch die Bildungspolitik raste und fast bei den Identitären gelandet wäre

29.01.20 (Theo Geißler) -
Das Letzte 2020/02: Ausnahmsweise starte ich diese üblicherweise schräge Fake-Text-Rubrik mal mit einer kurzen Story aus dem wirklichen Leben: Berlin, Machnower Straße, Bushaltestelle gegenüber eines Gymnasiums. Im Hintergrund die Front einiger Häuser, gebaut um die beginnenden 1900er Jahre. Davor ein gemauerter Ein- oder Ausstieg, versiegelt von einem Gitter mit der verschrammten Randaufschrift „Luftschutz“.

Kurz-Schluss – Wie mir einmal der Anfang einer Science-Fiction-Story gewissermaßen zur persönlichen Endzeitvision geriet

27.11.19 (Theo Geißler) -
Sorry, es folgt eine zugegeben umfangreiche aber eventuell doch notwendige Exposition: Eigentlich schien sich doch im Rahmen der Digitalwende so viel zum Besseren zu entwickeln: von künstlicher Intelligenz gesteuerte Killer-Drohnen und Robot-Krieger. Umfassend klug formierte Bits und Bytes entschieden darüber, welcher IS-Grande (natürlich samt Familie), welcher üble Whistleblower, welcher irre Perspektivmörder technisch sauber eliminiert wird. Präsidenten und Generäle sitzen vor Bildschirmen in ihren Kaminzimmern, beobachten glücklich, wie die Welt aus ihrer Sicht und deshalb objektiv ein wenig besser wird. Waschen sich wechselseitig die Hände in Unschuld. Denn was kann schon der Ingenieur dafür, wenn sich die Technik mehr oder weniger selbständig macht? [Vorab aus Politik & Kultur]

Kurz-Schluss – Wie ich einmal (vergeblich) versuchte, das deutsche Bildungssystem wenigstens an internationale Standards heranzuführen

25.08.19 (Theo Geißler) -
Was waren das für gemütliche Zeiten in meiner dörflichen Zwergschule Mitte der 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 39 Schüler, drei Klassenstufen in einem Raum. Zum Einschwingen in den Stundenrhythmus – die Bayernhymne. Dann grell quietschende Schiefertafeln, Sütterlin als Zweitschrift, ein Setzkasten, in dem dauernd die E‘s fehlten. Strenge Lehrerinnen, versiert mit dem Tatzenstock Schülerhändchen Hornhaut anzutrainieren. Strenge Lehrer, schnell bei der Hand wenn es galt, mit dem Lineal gestochen scharfe Scheitel zu ziehen oder aufmerksame Stille durch Kopfnuss-Verteilen zu erzielen. Früh begann also die charakterliche Bildung, die intellektuelle folgte dank zweier Ehrenrunden im Gymnasium und dem 20-semestrigen Germanistik- und Philosophiestudium mit immerhin eingeschränktem Abschluss. Sonst wäre aus mir schier gar nichts geworden. Ich brauchte einfach Zeit.

Geißlers Kurz-Schluss: Wie ich einmal voller Bewunderung die Entstehung eines großartigen Weltreiches wenigstens aus der Ferne miterleben durfte

27.06.19 (Theo Geißler) -
Dass ausgerechnet die gute alte „Frankfurter Allgemeine“ sich in prophetische, eigentlich sogar science-fiktionale Sphären begibt, und das auf einer ganzen Doppelseite, hätte ich ihr offen gestanden nie und nimmer zugetraut. Schon vor zwei Jahren veröffentlichte sie unter dem Titel „What’s the Agenda today“ einen Arbeitsplan für Donald Trump, Mindmap-mäßig mit ungefähr tausend differenzierten Aufgabenwölkchen. Darunter schon: „Bomb the Iran“. Dass dieses Schiiten-Nest ausgerechnet am Tag von Trumps Wahlkampfauftakt unter dem Motto „Keep America great“ angeblich Bodenstation für den Abschuss einer USA-High-Tech-Spionage-Drohne gewesen sein soll, ganz zu schweigen von der Behinderung des Tankerverkehrs in der Straße von Hormus, lieferte hinlänglich Anlass zu einem finalen Vergeltungsakt. [Vorab aus Politik & Kultur 2019/7-8]

Kurz-Schluss: Wie ich einmal versuchte, zwischen Wahrheit, Fake-News, Lüge und Foutire das echte Mittelmaß zu finden (und scheiterte)

24.05.19 (Theo Geißler) -
Augen auf, Großhirn durchblutet, Kritikmodus eingeschaltet: Es folgt ein „Foutire“-Text. Da anzunehmen ist, dass bis zu zehn Prozent unserer bildungsbürgerlichen Leser diesen zusammengestoppelten Begriff noch nicht kennen, ein Erläuterungsansatz. Spätestens seit Donald Trumps Wahlkampf ist der Koppler „Fake-News“ Synonym einst für Lügeninformation, mittlerweile für halbwegs kritischen Journalismus im Allgemeinen. Wer Glossen oder Satiren verfasst, lebt in der Gefahr, Rechtsanwälte oder via einstweiliger Verfügung und Gerichtsurteil auch noch den Staatssäckel üppig zu füttern. Rasch ist Autor*in zu Schmerzensgeld samt allseits fälliger Gebühren verklagt, wenn ein gröberer Scherz, z. B. Ziegenf.cker statt Staats-Schäfer, irgendeine Ehre verletzt oder – im Falle einer zumindest vermeintlichen Tatsachenbehauptung – die Journaille trotz gesetzlich garantiertem Informantenschutz nicht bereit ist, ihre Quellen offenzulegen.
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