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Alle Artikel kategorisiert unter »Oper Stuttgart«

Ganz nah am Text: Prokofiews „Die Liebe zu den drei Orangen“ in Stuttgart

05.12.18 (Georg Rudiger) -
Ein Prinz, der sich auf der Bühne übergeben muss, ein gestandener Bass als böse Köchin und ein Zauberer, dessen magische Kräfte vom Teufel angezweifelt werden: Sergej Prokofiews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ hat viele groteske Momente. Dass nun aber die Prinzessin, in die sich der Prinz unsterblich verliebt, schwanger ist, steht nicht im Libretto, sondern ist nur an der Stuttgarter Staatsoper zu erleben. Da braucht es einen Regisseur wie Axel Ranisch, der die (echte) Schwangerschaft von Esther Dierkes als Ninetta parodistisch aufgreift und so selbstverständlich in die absurde Handlung integriert, als wäre es so ausgedacht.

Hans Op de Beeck entführt in Stuttgart das Publikum an den See der Tränen in Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“

04.11.18 (Joachim Lange) -
Diesmal hat die Burg weder Mauern noch Türen. Den Raum begrenzen auch im wortwörtlichen Sinne nur Planen. Die Zuschauer sind allesamt in der imaginären Kammer mit dem See aus Tränen gelandet. Hinter der Tür mit dem vielleicht beklemmendsten, traurigsten Raum in Blaubarts Burg. Zumindest in einem Alptraum, dicht in dessen Nähe. Diesmal fließt zwar nirgends das Blut, von dem Judith redet und das sie hinter all den geheimnisvollen Türen in Blaubarts düsterer Behausung wahrnimmt. Aber wir können es mit den Ohren sehen, mit dem Herzen fühlen. Sind eingestimmt auf die Dunkelkammern der Seele, ahnen, dass die Begegnung dieses Mannes und dieser Frau, ihr Versuch, sich einander zu nähren, ihr Drängen, sein Abwehren nur die Oberfläche sind.

Oper Stuttgart: Opernintendant Schoner wird nicht selbst inszenieren

14.09.18 (dpa) -
Der neue Intendant der renommierten Stuttgarter Oper, Viktor Schoner (43), möchte grundsätzlich anders arbeiten als sein Vorgänger Jossi Wieler (67). Im Gegensatz zu dem Schweizer werde er nicht selbst inszenieren, bekräftigte Schoner kurz vor dem Start seiner ersten Spielzeit.

Umfassende Erschütterung

31.08.18 (Dirk Wieschollek) -
Die existentielle Erfahrung von Natur ist ein zentraler Aspekt der Musik von Toshio Hosokawa, was sich keineswegs erschöpft in der Transformation konkreten Naturlauts, wie sie Wasser, Wind oder Zikadengesang auf dem spirituellen Terrain japanischer Landschaft anbieten. Hosokawas Auffassung von Natur ist von seinem Verständnis von Klang nicht zu trennen und tief verwurzelt in asiatischen Denktraditionen, die das Irdische und das Spirituelle als eine komplementäre Einheit verstehen, die von permanenten Prozessen des Werdens und Vergehens bestimmt wird.

„Erdbeben. Träume“ – Toshio Hosokawas Uraufführung an der Oper Stuttgart

03.07.18 (Wolf Loeckle) -
Musiktheater ist ein wundersames, ein gar wunderbares Ding. Die diesjährige Münchener Biennale für neues Musiktheater bot aktuell und bietet immerhin seit 1988 schon reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken. Die OPERSTUTTGART legt nun nach mit einer fulminanten Weltpremiere, der Uraufführung ERDBEBEN. TRÄUME von Japans Topkomponist Toshio Hosokawa.

Chance und Risiko – Radikaler Umbruch an den Stuttgarter Bühnen

27.12.17 (dpa, Roland Böhm) -
Wenn das Dreispartenhaus in Stuttgart für 2018 einen „enormen Kraftakt“ erwartet, ist das sicher nicht übertrieben: Auf einen Schlag werden alle drei künstlerischen Leiter ausgetauscht. Und der Generalmusikdirektor obendrein.

Medea als schrilles Küchendrama – Cherubinis „Medea“ an der Oper Stuttgart

04.12.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Sie hat ihre Heimat bestohlen und verraten; sie hat den Bruder zerstückelt; sie hat mit dem geliebten Mann zwei uneheliche Kinder; sie wird verlassen und gedemütigt; sie lässt die neue Nebenbuhlerin in Flammen aufgehen; sie ermordet ihre eigenen Kinder… diese Megäre namens Medea gibt es von Luigi Cherubini vertont mit französischen Dialogen sowie mit nachkomponierten Rezitativen auf Italienisch und Deutsch. In Stuttgart wurde ein neuer Zugang zu diesem antiken Tragödienhorror gesucht.

Wenn Politik auf Oper trifft - oder: eine halbe Sache mit dem ganzen Herzen

23.10.17 (Joachim Lange) -
An der Oper Stuttgart führen bei Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ diesmal andere Leute Regie, als die, die eigentlich dafür engagiert waren. Wenn Politik auf Oper trifft, dann macht es manchmal Bumm. Meistens gerät dann ein Teil des Publikums aus der Fassung und brüllt ein kräftiges Buh in Richtung Bühne. Oder verlässt den Saal und knallt mit den Türen. Hierzulande gehört das zum gutbürgerlichen Gefühlshaushalt. Es passiert immer dann, wenn auf der Bühne etwas verhandelt wird, was in Libretto und Partitur so nicht vorgesehen ist. Meist werden ja die gut abgehangenen Schinken präsentiert. Obwohl die sich, bei entsprechender Zubereitung, oft als vorzügliche Delikatessen und Anreger fürs Nachdenken über das Hier und Heute herausstellen. Oder bei Novitäten so fern der unmittelbaren Lebenserfahrung bleiben, dass der Konsens beim Publikum quasi ausgemachte Sache ist.

Kuss zum Tode – Benjamin Brittens „Death in Venice“ an der Oper Stuttgart

10.05.17 (Götz Thieme) -
Venedigs prächtigen Palazzi, der Lido, die Kanäle, das Grand Hotel des Bains sind in Stuttgart eine Sache der Imagination. Demis Volpis Inszenierung von Benjamin Brittens Oper „Death in Venice“ zeigt die Hauptfigur Gustav von Aschenbach wie durch ein Teleobjektiv herangezoomt, zeigt, wie sie im Sog der Gefühle durch ein Labyrinth von aufragenden Milchglaswänden taumelt. Grandios verkörpert ihn das Stuttgarter Ensemblemitglied Matthias Klink als einen von unbekannten erotischen Empfindungen Getriebenen. Der Dirigent Kirill Karabits schafft mit dem Staatsorchester dazu einen farbsatten Strom, der dem Helden einen lichten Tod bereitet, nachdem er überraschend nicht von dem geküsst wurde, den er bislang offenkundig mit seinem Blick begehrte.

Never Give Up

02.04.17 (Burkhard Baltzer) -
In Stuttgart wütet ein Fiesling: Er heißt Polinesso und kippt beinahe das verfaulte englische Theater- und Gesellschaftsmodell des ersten Drittels vom 18. Jahrhundert. Anlass ist der Plan des machtgeilen Polinesso, der mittels einer sexuellen Intrige das Glück des zur Herrschaft bestimmten Tronfolgers von Schottland zu zerstören trachtet und damit das künftige Königspaar an den Rand des Todes treibt. Polinesso selbst will König sein und die Königstochter besitzen. Ausgehend von der klugen Inszenierung dieses Opernstoffs wäre es spätestens jetzt nicht nur eine gemeine, sondern eine echte Teufelstat, wenn dem Stuttgarter Opernhaus samt Chor nicht am 7. Mai die Auszeichnung „International Opera Award“ verliehen würde – gerade wegen dieser jüngsten Premiere von Händels „Ariodante“. Nominiert sind neben Stuttgart die Häuser in Houston, Lyon, Vlaanderen, das Royal Opera House und das Teatro alla Scala.
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